Deutlich gestiegene Personalkosten, Verluste aus einer Kraftwerksbeteiligung: Die Stadtwerke Dachau schließen das Geschäftsfjahr 2018 mit einem Verlust ab.

Deutlich gestiegene Personalkosten, Verluste aus einer Kraftwerksbeteiligung: Die Stadtwerke Dachau schließen das Geschäftsfjahr 2018 mit einem Verlust ab.

Bild: © uschi dreiucker/pixelio.de

Die deutschen Stadtwerke stehen 2022/2023 schweren Marktverwerfungen und einer komplexen Transformation ihrer Geschäftsmodelle gegenüber. Dies prognostiziert die Ratingagentur Scope Hamburg (früher Euler Hermes Rating). Diese Entwicklungen würden zu einer erhöhten Abhängigkeit von den kommunalen Gesellschaftern führen.

Ein massiver Nachfrageeinbruch, veränderte Konsummuster, volatile Preise, ein verschärfter Wettbewerb, veränderte regulatorische Rahmenbedingungen und ein begrenzter Spielraum für Kosteneinsparungen würden die Profitabilität unter Druck setzen. Hohe Investitionen, geringere staatliche Unterstützung und der schlechtere Zugang zu den europäischen Energiebörsen und zum außerbörslichen Handel aufgrund deutlich erhöhter Sicherheitsleistungen würden zudem die Konsolidierung in der Branche weiter vorantreiben.

Die wichtigsten Bonitätskennzahlen der 50 größten inländischen Stadtwerke haben sich laut einer Analyse von Scope Hamburg zwischen 2019 und 2021 verschlechtert. Der Median der Scope-bereinigten Ebitda-Marge der kommunalen Versorger sank von 10,1 in 2019 auf 7,4 Prozent in 2021. Das Ebitda ist der Gewinn vor Zinsen, Steuern, Abschreibungen auf Sachanlagen und Abschreibungen auf immaterielle Vermögensgegenstände.

Schlechtere Finanzierungsfähigkeit und Kreditqualität

Der mediane Nettoverschuldungsgrad (Scope-bereinigte Nettoverschuldung/ EBITDA-Marge) stieg im gleichen Zeitraum von 3,7 auf 5,1. Die Deckung von Nettoinvestitionen durch den operativen Cashflow (interne Finanzierungskapazität) verschlechterte sich von 0,8x in 2019 auf 0,6x in 2021. Dies zeige den hohen zusätzlichen externen (kommunalen) Mittelbedarf zur Finanzierung der Investitionen, heißt es weiter. Die Kreditqualität der Stadtwerke habe sich 2022 weiter verschlechtert. Das Ratingunternehmen geht davon aus, dass sich diese negative Entwicklung mittelfristig fortsetzen wird.

Steigende Energiepreise, eine geringere Nachfrage, weniger staatliche Unterstützung und erhebliche Transformationskosten zur Anpassung der Geschäftsmodelle werden die Finanzkennzahlen weiter verschlechtern und die finanzielle Flexibilität verringern, heißt es weiter. Dies erhöhe den Druck für kommunale integrierte Versorger, eine künftige an die Nachhaltigkeit gebundene Finanzierung zu arrangieren.

Jährlicher Investitionsbedarf von bis zu zehn Mrd. Euro

Diese Entwicklung wiege umso schwerer, weil die untersuchten Stadtwerke mit einem Umsatz von mindestens 300 Mio. Euro künftig erhebliche Investitionen in die Energie- und Mobilitätswende tätigen müssen.

Die kommunalen Versorger stünden vor hohen Gesamtinvestitionen in Höhe von 8-10 Mrd. EUR pro Jahr. Zu den wichtigsten Investitionen zählen der Ausbau der CO2-freien Stromerzeugung aus Wind, Sonne, Biomethan und Wasserstoff sowie der Speicher- und Distributionsnetzinfrastruktur. Die integrierten Stadtwerke würden weitere Investitionen für die Transformation zu autonomen ÖPNV, die Sanierung von Sozialwohnungen und die Entwicklung von ‚Smart Cities‘ tätigen müssen.

Nicht abgesicherte Energieverkäufe und eine geringere Nachfrage würden hier aber ihre Spuren hinterlassen und die Liquiditätspuffer bis 2024 aufzehren. Bund, Länder und kommunale Gesellschafter erhöhen vorübergehend die finanzielle Unterstützung, um zu verhindern, dass die Rezession die öffentlichen Versorgungsaufträge einschränkt und die Transformation zu nachhaltigeren Energie- und Verkehrsdienstleistungen verlangsamt.  (hoe)

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