Von links: KWM-Kommunikationsleiterin Liane Zell, Leiterin Kommunikationsmanagement der Stadtwerke Pforzheim Sonja Kirschner und ZfK-Redakteur Andreas Baumer bei den MediaDays

Von links: KWM-Kommunikationsleiterin Liane Zell, Leiterin Kommunikationsmanagement der Stadtwerke Pforzheim Sonja Kirschner und ZfK-Redakteur Andreas Baumer bei den MediaDays

Bild: @ BILDSCHÖN

Von Artjom Maksimenko

Die Energiewirtschaft erlebt derzeit einen tiefgreifenden Wandel – nicht nur technologisch, sondern auch kulturell. Unter dem Motto "Change Management" diskutierten Vertreterinnen und Vertreter kommunaler Unternehmen bei den ZfK Media Days, wie Transformation im Alltag gelingt. Zwei Beispiele zeigen besonders eindrücklich, wie unterschiedlich, aber konsequent Veränderung gestaltet werden kann: die Einführung der Vier-Tage-Woche bei den Stadtwerken Pforzheim und das neue Gebäudekonzept der Kraftwerke Mainz-Wiesbaden AG (KMW), das Werkstatt und Verwaltung vereint.

Bei den Stadtwerken Pforzheim (SWP) steht der Mensch im Mittelpunkt der Veränderung. "Es handelt sich bei uns um einen flexiblen Vier-Tage-Woche-Ansatz, bei dem die Mitarbeitenden innerhalb eines vierwöchigen Zyklus zwei zusätzliche freie Tage erhalten", erklärt Sonja Kirschner, Bereichsleiterin Innovations- und Kommunikationsmanagement. Ziel sei es, die Zufriedenheit zu steigern und gleichzeitig Fluktuation sowie Krankenstände zu senken.

Kurze Woche

Das Modell "4-Tage-Woche-Flex" wurde 2024 in einer Pilotphase eingeführt – mit Erfolg. Eine Umfrage vier Monate nach dem Start im Herbst 2024 zeigte eine hohe Zufriedenheit unter den Mitarbeitenden. Sowohl sie als auch die Führungskräfte bewerteten das Modell mit der Schulnote 1,89.

Sonja Kirschner, Stadtwerke Pforzheim

Doch für die Stadtwerke ist die verkürzte Arbeitswoche nicht nur ein Mittel zur Mitarbeiterbindung, sondern Teil einer größeren strategischen Entwicklung. Schon vor der Pandemie setzten die Pforzheimer auf flexible Arbeitsmodelle. Angesichts des Fachkräftemangels müsse man neue Wege gehen, um attraktiv zu bleiben. "In unserer Region und am Hochschulstandort Pforzheim stehen wir im Wettbewerb mit großen, attraktiven Arbeitgebern wie Bosch oder Porsche. Auch hier stößt unser Modell ‚4-Tage-Flex‘ auf großes Interesse", betont Kirschner. Für sie ist klar: Veränderung beginnt bei der Kultur – und sie gelingt nur, wenn alle eingebunden sind.

Kurze Wege

Ein anderes Gesicht des Wandels zeigt sich in Mainz. Die Kraftwerke-Mainz-Wiesbaden-AG (KMW), ein klassischer Kraftwerksbetreiber mit rund 500 Mitarbeitenden, setzt auf räumliche und strukturelle Nähe. Ein Zusammenwachsen unterschiedlicher Arbeitsbereiche soll in Beton, Stahl und Glas manifestiert werden.

"Ein besonders wichtiges Projekt ist unser KMW-Campus", sagt Liane Zell, Leiterin Kommunikation der KMW AG. "Er entsteht zentral auf unserem Betriebsgelände, während sich unsere Werkstätten bislang am entgegengesetzten Ende befinden. Da wir künftig noch stärker zusammenarbeiten müssen, wollen wir mit dem Campus diese räumlichen Trennungen überwinden." Das neue Gebäude bringt Verwaltung und Werkstatt unter ein Dach – eine Idee, die sowohl logistisch als auch kulturell Neuland bedeutet.

Dabei geht es KMW nicht nur um Architektur, sondern um Haltung. "Wir haben uns für ein besonderes Gebäudekonzept entschieden: Das Gebäude hat mehrere Ebenen mit Übergängen zwischen den Bereichen. Im äußeren Ring befinden sich klassische Arbeits- und Werkstattbüros, in der Mitte Kommunikationsflächen, Meetingräume und Sozialräume", erläutert Zell. Transparenz sei ein zentrales Prinzip – große Glasflächen und offene Bereiche sollen die Zusammenarbeit fördern. Der Eingangsbereich des Campus soll künftig sogar für Netzwerkveranstaltungen genutzt werden, um Austausch nach innen wie außen zu ermöglichen.

Liane Zell, Leiterin Kommunikation der KMW AG, setzt sich für eine neue Unternehmenskultur ein.Bild: @ BILDSCHÖN

Mitarbeiterbeteiligung als wichtiger Treiber

Wie in Pforzheim war auch in Mainz der Weg zum neuen Konzept von intensiver Mitarbeiterbeteiligung geprägt. "Ab dem Zeitpunkt, an dem die Entscheidung getroffen war, haben wir alle Mitarbeitenden aktiv eingebunden", sagt Zell. In Workshops wurden Fragen zur Arbeitsweise, Büroaufteilung und Präsenzpflicht diskutiert. Nicht alle seien von Beginn an überzeugt gewesen. "Es gab durchaus Mitarbeitende, die anfangs skeptisch waren. Wir haben versucht zu verstehen, ob es Angst vor Veränderung war oder eine grundsätzliche Ablehnung des Konzepts", erklärt sie. Der offene Dialog habe schließlich geholfen, Akzeptanz zu schaffen – unterstützt durch Impulse von außen, etwa durch Arbeitsforscher, die über den Wandel der Berufsbilder sprachen.

"Es gab durchaus Mitarbeitende, die anfangs skeptisch waren." Liane Zell, KWM AG

Zurück in Pforzheim zeigt sich: Auch dort war Offenheit der Schlüssel zum Erfolg. Nach einer wirtschaftlich schwierigen Phase 2019 und einem Geschäftsführerwechsel stand ein Kulturwandel an. "Veränderung gelingt nur, wenn alle mitgenommen werden", sagt Sonja Kirschner rückblickend. Die SWP entwickelten ihre Strategie und Werte neu – transparent und gemeinsam mit Führungskräften und Mitarbeitenden. Heute wird diese Offenheit aktiv gelebt: "Unser Anspruch ist, dass wir intern kommunizieren, bevor etwas in der Zeitung steht" so Kirschner. Seit Anfang des Jahres informiere ein interner Podcast regelmäßig über Unternehmensentscheidungen – ein Symbol für eine neue, partizipative Unternehmenskultur.

Ob flexible Arbeitszeitmodelle oder neue Raumkonzepte – beide Beispiele zeigen, dass kommunale Energieversorger längst nicht mehr die trägen Behördenbetriebe vergangener Jahrzehnte sind. Stadtwerke und Versorgungsunternehmen verstehen sich zunehmend als lernende Organisationen, die Wandel gestalten und vorleben. Der gemeinsame Nenner: Mut, Vertrauen und Kommunikation. "Diese Offenheit stärkt Vertrauen und Zugehörigkeit – und das ist für uns ein wesentlicher Erfolgsfaktor", fasst Kirschner zusammen. So unterschiedlich die Wege auch sind – sie führen beide zu einem Ziel: Stadtwerke im Wandel.

Hinweis: Die ZfK Media Days gehen nächstes Jahr im neuen Format comm.days 2026 auf, das von Trurnit, VKU Akademie, VKU und ZfK gemeinsam organisiert wird. Die Kommunikationsbranche trifft sich live in Berlin am 6. und 7. Mai. Hier können Sie sich ein Ticket sichern.

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