„Der Ansatz ist eigentlich trivial. Viele Stadtwerke machen das bereits so. Die, die es nicht haben, ermutige ich, dies mal zu prüfen", sagt der Konstanzer Stadtwerkechef Norbert Reuter.

„Der Ansatz ist eigentlich trivial. Viele Stadtwerke machen das bereits so. Die, die es nicht haben, ermutige ich, dies mal zu prüfen", sagt der Konstanzer Stadtwerkechef Norbert Reuter.

Bild: © Stadtwerke Konstanz

Die Stadtwerke Konstanz werden in den nächsten Jahren im Zuge der Dekarbonisierung der Wärme rund ein Drittel ihres Umsatzes und ihres Ertrags verlieren. „Es besteht Einigkeit in allen Fraktionen des Gemeinderates, dass hier Handlungsbedarf besteht“, sagt Norbert Reuter, der Geschäftsführer der Stadtwerke Konstanz im Gespräch mit der ZfK.

Es gebe auch einen Konsens, dass die Herausforderungen der Energie-, Wärme- und Mobilitätswende mit einem strategischen Partner vermutlich besser, schneller und risikoreduzierter umgesetzt werden könnten, da künftig eine Vielzahl an Produkten und Dienstleistungen erforderlich ist, die derzeit noch nicht verfügbar sind.
 

Um einen Teil des wegfallenden Gasgeschäfts zu kompensieren, will der Kommunalversorger vom Bodensee sich Energie- und Wärmedienstleister weiter entwickeln. Als möglichen Kooperationspartner hat man nach einem Markterkundungsverfahren die Stadtwerkegruppe Thüga ins Auge gefasst. „Wir sind hier noch in unverbindlichen Gesprächen mit der Thüga, die wir vertiefen wollen“.

"Wir müssen das Rad nicht neu erfinden, sondern wollen das in einer Kooperation lösen"

„ Es stehen in den nächsten Jahren viele Veränderungen in den Heizkellern an. Dort entsteht auch ein Bedarf an überzeugenden Kundenlösungen als Alternativen für die Gaskessel und Ölheizungen“, so Reuter. Letztlich entscheide der Kunde, ob er sich an das Nahwärmenetz anschließe oder eine Wärmepumpe bei den Stadtwerken Konstanz oder einem anderen Anbieter beziehe.

„Diese Lösungen werden jetzt nachgefragt, die brauchen wir nicht erst in fünf Jahren. Und es gibt bereits genügend Anbieter, die hier im Markt aktiv sind“.

Die Dynamik und die Anzahl der Leistungen und Angebote im Markt von Energie- und Wärmelösungen sei aber so groß, dass man das Rad nicht neu erfinden müssen, sondern dies in einer Kooperation lösen wolle. Man suche einen leistungsfähigen Kooperationspartner, der die Stadtwerke mit seinem Know-how in genau diesem Bereich unterstützt. „Am wichtigsten ist für uns hierbei mit deutlichem Abstand der massive Ausbau von weiteren Wärmenetzen“, stellt Reuter klar.

"Wir wollen nicht alle Erfahrungen und Fehler selber machen"

Deshalb habe man eine Marktsondierung gemacht und eine Reihe Unternehmen angeschrieben und viele gute Gespräche geführt. Das Geschäftsmodell der Stadtwerkegruppe Thüga hat sich dabei als ein sehr leistungsfähiges herauskristallisiert.

„Wir wollen angesichts der historischen Investitionserfordernisse und der damit verbundenen Großprojekte nicht alle Erfahrungen und Fehler selber machen, sondern von einem bestehenden Know-how eines Netzwerks von über 100 Stadtwerken profitieren“. Da denke er beispielsweise an den Einsatz von Großwärmepumpen für die Abwärmenutzung an Flüssen oder die Entwicklung von PV-Freiflächenanlagen in größerem Maßstab. „Hier wäre ein Wissenstransfer für uns sehr wertvoll“.

"Transformation vom Gasversorger hin zum Energiedienstleister"

Im Konstanzer Gemeinderat sei er auch gefragt worden, warum die Stadtwerke sich nicht an einem Wärmepumpenhersteller beteiligen wollen, so der Stadtwerke-Geschäftsführer.

„Es geht hier aber nicht nur um die Schaffung einer Lösung für Wärmenetze, sondern um eine Transformation unserer energiewirtschaftlichen Geschäftsbereiche weg vom Gasversorger hin zum Energiedienstleister, der Wärmenetze baut, parallel dazu seine Stromnetze massiv ausbauen muss und damit einhergehend Gasnetze stilllegt, wo diese nicht mehr wirtschaftlich zu betreiben sind“, führt Reuter aus.

Das müsse man natürlich intelligent machen und alles abbilden. „Das ist eine ganz vielschichtige Transformation und die lässt sich in einem Kooperationsnetzwerk mit über 100 Stadtwerken mit ähnlichen Themenstellungen vermutlich besser abbilden“.

Im Juli beschließt der Gemeinderat über eine Grundsatzvereinbarung mit der Thüga

Man habe sich zwischenzeitlich auf Leitplanken für weitere Gespräche mit der Thüga verständigt, der Aufsichtsrat sei hier miteingebunden gewesen. „In diesem Rahmen können wir und auch die Stadt Konstanz uns konkrete Verhandlungen vorstellen. Das ist alles noch relativ unverbindlich“.

Im Juli stehe die grundsätzliche Beschlussfassung eines Letter of Intent (eine Grundsatzvereinbarung) mit der Thüga im Gemeinderat an. Stimmt dieser zu, wolle man weitere Verhandlungen mit der Thüga führen, die bis Ende des Jahres abgeschlossen sein könnten.

Die Thüga könnte sich ja mit bis zu 25,1 Prozent an den energiewirtschaftlichen Geschäftsbereichen der Stadtwerke Konstanz beteiligen und damit das Eigenkapital der Stadtwerke Konstanz nochmals deutlich stärken.

Sachverständigenbeirtat aus verschiedenen Interessengruppen

Die Fraktionen im Gemeinderat hätten sich aber dafür ausgesprochen, die Entscheidung über eine Kooperation mit der Thüga auf eine breiteres Basis zu stellen.

Neben der Sichtweise der Stadtwerke sollen beispielsweise auch die Wohnungswirtschaft, der Mieterbund, der Eigentümerverband Haus und Grund, die Hochschule und andere Stakeholder eingebunden werden.

Dieser Sachverständigenbeirat aus verschiedenen Interessengruppen soll dann für die Sitzung des Gemeinderates im Juli seine Empfehlung aussprechen.

"Sollten wir nicht zusammenkommen, sind auch andere Kooperationen denkbar"

„Fakt ist, dass wir in diesem Jahr hier Klarheit schaffen wollen.Sollten wir nicht zusammenkommen, sind auch andere Kooperationen denkbar. Wir haben einige gute Gespräche bei der Marktsondierung geführt. Da ginge es dann aber eher um gemeinsame Projektentwicklungen“. (hoe)

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