Die Stadtwerke Reutlingen (Baden-Württemberg) erhalten millionenschwere Hilfen, um ihr Kapital aufzustocken und Investitionen beispielsweise in Stromnetze, Fernwärme und Nahverkehr tätigen zu können.
Der Gemeinderat der Stadt Reutlingen genehmigte eine Finanzspritze in Höhe von zehn Mio. Euro. Dazu kommen rund neun Mio. Euro des Karlsruher Energiekonzerns EnBW, der an der Energietochter der vollständig kommunalen Stadtwerke beteiligt ist.
Stadt verzichtet auf Gewinnausschüttung
Darüber hinaus verzichtet die 117.000-Einwohner-Kommune südlich von Stuttgart rückwirkend von 2021 bis 2024 auf eine Gewinnausschüttung. So sollen insgesamt 36 Mio. Euro zusammenkommen.
2021 hatte das Kommunalunternehmen einen Überschuss von 3,2 Mio. Euro erwirtschaftet. Auch im vergangenen Geschäftsjahr sei ein "geringerer, aber positiver Überschuss" erwirtschaftet worden, teilten die Stadtwerke mit. Allerdings seien in der Energietochter Fair Energie bereits 6,5 Mio. Euro zur Stärkung der Finanzkraft thesauriert worden.
"Zäsur" in Geschichte der Stadtwerke
Der Vorgang dürfe in der Geschichte der Stadtwerke eine "Zäsur" sein, schreiben die "Reutlinger Nachrichten" und zitieren Finanzbürgermeister Roland Wintzen, wonach das Unternehmen "seit jeher ein Gewinnbringer" für die Stadt gewesen sei.
Die Stadtwerke Reutlingen betreiben die städtischen Bäder in Eigenregie. Dazu sind sie mehrheitlich am örtlichen Energieversorger Fair Energie sowie am Nahverkehrsunternehmen Reutlinger Stadtverkehrsgesellschaft beteiligt. Ein Viertel der Fair-Energie-Anteile hält der EnBW-Konzern.
Eigenkapitalquote gesunken
Der hohe Investitionsbedarf für Energie- und Verkehrswendeprojekte hatte den Stadtwerken zuletzt zu schaffen gemacht. Die Eigenkapitalquote war Ende 2021 im Vergleich zum Vorjahr von 38 auf knapp 30 Prozent gesunken.
Ende 2022 lag sie nach Unternehmensangaben zwar wieder bei rund 33 Prozent. "Durch die Investitionen und Aufnahme von Fremdkapital wird sie zukünftig aber wieder belastet werden", heißt es. (aba)



