Andreas Feicht bei einer Veranstaltung in Köln. (Archivbild)

Andreas Feicht bei einer Veranstaltung in Köln. (Archivbild)

Bild: © Rheinenergie

Von Pauline Faust

Das Kilo Wasserstoff werde auf absehbare Zeit sechs bis acht Euro kosten, prognostiziert Rheinenergievorstand Andreas Feicht. Das sei deutlich zu teuer. Denn die Rheinenergie plant, Wasserstoff in der Fernwärme einzusetzen. In Köln soll die dekarbonisierte Fernwärme über 50 Prozent mit Wärmepumpen und bis zu 50 Prozent molekülbasiert erzeugt werden. 2032 soll Köln an das Wasserstoffkernnetz angeschlossen werden. "Aber dann hängt alles davon ab, zu welchen Preisen der Wasserstoff zur Verfügung steht und ob wir blauen Wasserstoff nutzen dürfen", sagt Feicht bei einem Pressegespräch in Berlin.

Der Preis müsse dann unter vier Euro liegen, damit er für die Fernwärme akzeptabel wäre. Bezahlbarkeit sei insbesondere für die Fernwärme ein wichtiges Thema, da bei vielen Mieterinnen und Mietern das Budget knapp sei und sie bei der Fernwärme keine Wahlfreiheit haben. Eine aktuell vom Bundeskartellamt geforderte stärkere Regulierung und Überwachung der Fernwärme hielt der ehemalige Wirtschafts-Staatssekretär für unrealistisch, da sie einen extrem hohen bürokratischen Aufwand verursache.

Die Kölner seien auf preiswerten Wasserstoff angewiesen, unter anderem weil in die bestehende Kraftwerksstruktur keine CCS-Anlagen passen würden. Diese seien ungefähr so groß wie die Kraftwerke selber.

Breite Allianz für den Wasserstoffhochlauf

Für den Wasserstoffhochlauf gibt es eine breite Allianz. Erst vergangene Woche richteten verschiedene Unternehmen und NGOs einen offenen Brief an die Bundesministerin für Wirtschaft und Energie, Katherina Reiche. Der WWF, EWE Hydrogen, GP Joule und andere erklären darin, die Umsetzung der Kraftwerksstrategie könne der entscheidende Impuls für den noch stockenden Hochlauf der Wasserstoffwirtschaft in Deutschland werden. So solle für die Gesamtheit der ausgeschriebenen Kraftwerksleistung einen verbindlichen Dekarbonisierungspfad festgelegt werden, der nachvollziehbare, aber ambitionierte Vorgaben für die Umstellung auf grünen Wasserstoff enthält.

Rheinenergie will vier Milliarden Euro in Energiewende investieren

Feicht verdeutlichte zusammen mit seiner Kollegin Birgit Lichtenstein zudem die Herausforderungen der Energiewende und die dafür anstehenden Investitionen. Diese sollen in den nächsten zehn Jahren bis 2035 etwa vier Milliarden Euro betragen. Im Verhältnis dazu steht ein gutes, aber laut Vorstand ausbaubares Ergebnis: Das Ebit 2024 betrug 373 Millionen Euro, wovon 100 Millionen als Eigenkapital einbehalten wurden.

"Wir haben in der Energiesparte eine Gesamtkapitalrentabilität von etwa acht Prozent", berichtet Finanzvorständin Lichtenstein. "Nun sollen wir dreimal so viel investieren wie bisher und dafür nur fünf Prozent einfahren." Für die Rheinenergie sei dies weniger problematisch als für andere Energieversorger, die auf Private Equity angewiesen seien und sich daher für den Kaptialmarkt attraktiv machen müssen. Dennoch sieht der Rheinenergievorstand eine finanzielle Herausforderung. Laut Lichtenstein seien Investitionen und Wachstum der Rheinenergie in Feldern mit einer Chance auf höhere Rendite notwendig.

Keine Überkapazitäten bauen

Feicht begrüßt daher das vom Bundeswirtschaftsministerium aufgesetzte "Monitoring Energiewende", welches Klarheit über die wirklich benötigten Ausgaben für die Energiewende schaffen soll und wie viel Netzausbau die Bundesrepublik wirklich braucht. "Der richtige Weg ist aus meiner Sicht, Anreize zu setzten, dass nur so viel investiert wird wie sinnvoll ist." Er sieht auch variable Netzentgelte als Option an.

Das Klimaziel 2045 wollte der Manager nicht direkt in Frage stellen, merkte aber an, dass die zur Verfügung stehenden Instrumente aktuell nicht ausreichend seien, um das Ziel zu erreichen.

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