Dieter Steinkamp ist Vorstandsvorsitzender der Rheinenergie AG.

Dieter Steinkamp ist Vorstandsvorsitzender der Rheinenergie AG.

Bild: @ Rheinenergie

Die Rheinenergie AG steckt mitten in den Verwerfungen, die die Energiewende mit sich bringt. Das war auf der Ergebnispressekonferenz des Kölner Energieversorgers deutlich zu spüren. Die Braunkohlereviere sind direkt vor der Haustür, speziell in Köln ist der Druck, die Energieversorgung auf Erneuerbare umzustellen, deutlich zu spüren. Dieter Steinkamp, der Vorstandsvorsitzende, beteuert: "Wir möchten noch viel stärker, dass wir Partner der Menschen für deren Lebensgestaltung werden."

Speziell im Blick hat er dabei den Kohleausstieg. Und hier beklagt er: "Wir sind bereit, unseren Beitrag zu leisten, aber hierfür muss die Politik noch den entsprechenden Rahmen schaffen." Planungssicherheit ist das, was den Kölnern fehlt: "Leider zieht sich das mit den gesetzlichen Neuregelungen. Für die Branche bedeutet das einen gewissen Stillstand." Das müsste nicht so sein, denn es gebe doch einen Plan zum Kohleausstieg bis 2038: "Der stellt aus unserer Sicht einen guten Kompromiss zwischen den ganz unterschiedlichen Interessenlagen dar."

Umsatz gesunken, Gewinn leicht gestiegen

Ganz unberührt von den Verwerfungen am Energiemarkt ist die Rheinenergie AG dabei nicht. Der Umsatz ist im vergangenen Jahr leicht gesunken – von 2,44 Mrd. Euro für 2017 auf 2,38 Mrd., die für 2018 in den Büchern stehen. Der vertriebliche Stromabsatz sank um 3,8 Prozent auf 17,05 Mrd. kWh, beim Erdgas ging der Absatz von 8,2 auf 6,9 Mrd. kWh zurück, wobei hier die Rekordtemperaturen des vergangenen Sommers eine große Rolle spielen. Das insgesamt stagnierende Geschäft mit der Fernwärme ist vor demselben Hintergrund zu sehen.

Die Tochterfirmen in der Rheinenergie-Gruppe sind es, die die Jahresbilanz verschönern. Der Stromverkauf steht mit einem Plus von 20 Prozent glänzend da, der Absatz stieg hier von 33,7 Mrd. kWh im Jahre 2017 auf 2018 glatte 40 Mrd. kWh. Und so konnte das Konzernergebnis von 145 auf 160 Mio. Euro gesteigert werden.

Die Stadtwerke Köln erhalten davon knapp 120 Mio., weitere zehn Mio. gehen in die Rücklage. An die Innogy SE, der 20 Prozent an der Rheinenergie gehören, werden 30 Mio. Euro ausgezahlt. Für 2019 rechnet Rheinenergie-Chef Steinkamp mit einer Wiederholung des Vorjahresergebnisses.

Selbstgesteckte Strategie weiter verfolgen

Neben den eher durchschnittlichen Zahlen galt das Interesse auch bei dieser Bilanzpressekonferenz einmal mehr dem Thema Unternehmensstrategie. Denn wenn die Innogy SE von Eon übernommen wird, müssten eigentlich auch 20 Prozent der Rheinenergie-Anteile an den Essener Energieriesen gehen.

Steinkamp fordert: "Wir würden von einem neuen Großaktionär erwarten, dass wir unsere selbstgesteckte Strategie weiter verfolgen können. Ob eine Eon das tun kann, ist derzeit völlig offen, weil Eon solche Strategie-Gespräche aus kartellrechtlichen Gründen derzeit noch gar nicht führen darf."

Passen die Kölner in die "Eon-Welt"?

Am Rande der Pressekonferenz war zu erfahren, dass es für die Strategen der Rheinenergie durchaus noch nicht klar ist, ob man "in eine Eon-Welt passt". Eine Übernahme des 20-Prozent-Anteils durch die RWE – und dort kam das Paket einst her – sei allerdings auch unwahrscheinlich, weil Rheinenergie als Vollversorger schlecht zur neuen RWE-Stratgie passe. Und so sei es sogar denkbar, dass die Rheinenergie ihre Anteile zurückkaufe. Offiziell ist davon allerdings nicht die Rede. Zunächst werden die Gespräche mit Eon abgewartet.

Neue Partnerschaften für die E-Mobilität

Die Elektromobilität hat bei der Rheinenergie, so Steinkamp, eine "eigene Bedeutung". Die im letzten Jahr an den Markt gebrachten Marke "Tank-E" wird überregional ausgeweitet, wie die ZfK bereits vorab berichtete. Vervollständigt wird die Elektromobilitätsoffensive durch eine Partnerschaft mit dem in Aachen ansässigen Autobauer "E-Go". Dessen Fahrzeuge sind ab sofort über die Rheinenergie lieferbar.

Steinkamp lacht auf Nachfrage: "Ja, wir werden jetzt sozusagen zum Autohändler!" Zum Auto liefert die Rheinenergie das "Rundum-Sorglos-Paket". Je nach Leistungsstärke und Fahrleistung soll ein monatlicher Festbetrag zwischen 250 und 400 Euro fällig werden – Auto inclusive.

Künftig werden auch E-Motorroller vermietet

Die Rheinenergie wird außerdem in die Bereitstellung und Vermietung von E-Motorrollern einsteigen, das Projekt läuft unter dem Namen "Rhingo", und die E-Roller sind baugleich mit denen, die bereits in Düsseldorf laufen. Zunächst werden 200 von ihnen auf Kölner Straßen platziert, Buchung und Bezahlung laufen ausschließlich über Smartphone-Apps. Steinkamp merkt an: "Nur fahren muss man noch selber!" Und auf die Frage, was der Spaß denn kosten soll, stellt er fest: "Auf keinen Fall mehr als in Düsseldorf, das ist Ehrensache!" (sig)

Lesen Sie weiter mit Ihrem ZFK-Abonnement

Erhalten Sie uneingeschränkten Zugang zu allen Inhalten der ZFK!

✓ Vollzugriff auf alle ZFK-Artikel und das digitale ePaper
✓ Exklusive Analysen, Hintergründe und Interviews aus der Branche
✓ Tägliche Branchen-Briefings mit den wichtigsten Entwicklungen

Ihr Abonnement auswählen

Haben Sie Fehler entdeckt? Wollen Sie uns Ihre Meinung mitteilen? Dann kontaktieren Sie unsere Redaktion gerne unter redaktion@zfk.de.

Home
E-Paper