Blick auf die Rheinenergie-Hauptverwaltung

Blick auf die Rheinenergie-Hauptverwaltung

Bild: © Rheinenergie

Die Kölner Rheinenergie sieht sich gut aufgestellt, sollte eine Gasmangellage eintreten.

"Die Notfallpläne sind alle vorbereitet", sagte Dieter Steinkamp, Vorstandsvorsitzender des Energiekonzerns, auf der Bilanzpressekonferenz.

"Daten sind ausgetauscht"

Sein Unternehmen habe einen Koordinierungsstab eingerichtet, führte er aus. Dieser beschäftige sich mit den Folgen einer Gasmangellage und sei im direkten Austausch mit Netzbetreibern und großen Industrieverbrauchern.

Dabei gehe es auch darum auszuloten, ob es möglich sei, bei dem einen oder anderen Kunden auf Teillast zu gehen oder auf andere Energieträger umzusteigen. "Die Daten, die wir dazu brauchen, sind ausgetauscht."

"'Am Ende ist Köln keine Insel"

Die Vorgehensweise sei dabei nicht mehr nur rein gesetzlich, sondern pragmatisch orientiert, erklärte Steinkamp. Ziel sei es, möglichst vielen Unternehmen auch im Falle einer Mangellage mindestens eine Teilproduktion ermöglichen zu können.

Am Ende sei Köln aber keine Insel, warnte der Manager. "Viel wird davon abhängen, ob in den Ferngasnetzen der Mindestdruck gehalten wird, auch wenn sich Mengen verändern."

"Das wäre der Zusammenbruch des Gasmarktes"

Finanzielle Hilfen der Bundesregierung für Gasimportunternehmen wie Uniper, VNG und Gazprom Germania begrüßte Steinkamp dabei. Für Rheinenergie sei es als Gaskäufer und Handelspartner wichtig, dass diese Firmen "nicht von der Bildfläche" verschwinden. "Das wäre der Zusammenbruch des Gasmarktes und auch für die Industrie der Super-GAU."

Auch ohne Worst-Case-Szenario geht Steinkamp davon, dass die Energiepreise langfristig wohl nie wieder zum Niveau der 2010er-Jahre zurückkehren werden. "Wir werden uns grundsätzlich auf ein deutlich höheres Preisniveau einstellen müssen."

Lichtblick-Verfahren läuft noch

Einen Vorgeschmack darauf bekamen etwa 25.000 Kunden, die im vergangenen Winter neu in die Grundversorgung der Rheinenergie gefallen waren. Angesichts extrem gestiegener Großhandelspreise und einiger Lieferstopps von Mitbewerbern hatte die Rheinenergie gesonderte, teils deutlich teurere Grundtarife für sie eingeführt. Rund die Hälfte der betroffenen Kunden sei bei der Rheinenergie geblieben, hieß es.

Das Oberlandesgericht Köln erklärte die vorgenommene Tarifspaltung für rechtens. Vorausgegangen war eine Klage der Verbraucherzentrale NRW. In einem weiteren Verfahren allerdings unterlag die Rheinenergie in erster Instanz dem Kläger Lichtblick. Eine Entscheidung des Oberlandesgerichts steht in diesem Fall noch aus.

Rheinenergie mit Ergebnis "sehr zufrieden"

Die kaufmännische Vorständin Birgit Lichtenstein verteidigte das Vorgehen der Rheinenergie abermals auch mit Blick auf den Schutz treuer Bestandskunden. Zugleich kündigte sie an, die Grundversorgungspreise zum 1. August wieder zusammenzuführen und zugleich zumindest für Bestandskunden zu erhöhen. Die Kilowattstunde Strom soll laut Website dann 31 Cent pro kWh kosten. Mit einberechnet ist dort bereits die Senkung der EEG-Umlage auf null Euro.

"Sehr zufrieden" äußerte sich Lichtenstein über das Ergebnis der Rheinenergie im abgelaufenen Geschäftsjahr. Das Ergebnis nach Ertragssteuern stieg leicht auf 173 Mio. Euro (Vorjahr: 170 Mio. Euro), der Umsatz blieb mit 2,51 Mrd. Euro nahezu konstant (Vorjahr: 2,47 Mrd. Euro). Für das laufende Jahr geht die Rheinenergie jedoch von leicht sinkenden Erträgen und einem Ergebnis von rund 165 Mio. Euro aus.

Wachstumsfeld Energiedienstleistungen

Gesondert erwähnte Lichtenstein das Geschäftsfeld Energiedienstleistungen. Umsatzerlöse und Deckungsbeitrag würden "kontinuierlich steigen", sagte sie. "Hier gehören wir zu den vier größten Anbietern für hochspezialisierte Energiedienstleistungen insbesondere im Wohnungs- und Immobilienwirtschaftsmarkt, aber auch für die Industrie."

Groß investieren will die Rheinenergie weiter in erneuerbare Energien. Anfang Juni hatte der Konzern den bislang größten Solarpark seiner Geschichte in Betrieb genommen. 2023 soll eine Photovoltaik-Anlage mit einer Leistung von knapp 30 MW in Mecklenburg-Vorpommern folgen. Die Genehmigung dafür habe der Konzern kürzlich erhalten, sagte Steinkamp. "Damit wird unser PV-Portfolio auf 90 MW steigen. Das entspricht schon einem kleineren Großkraftwerk."

Kein Vollzug bei Rheinlandkooperation

Noch keinen Vollzug konnte Steinkamp beim Großprojekt Rheinlandkooperation melden. Offenbar hat das Bundeskartellamt Bedenken, dass dadurch "regional eine marktbeherrschende Stellung" entstehen könnte, wie der Rheinenergie-Chef referierte. Die Behörde hat demnach eine Verlängerung der Prüfzeit bis Ende Juni vereinbart.

Der Kölner Versorger will seinen Anteil am Regionalversorger Rhenag von bisher 33,3 auf bis zu 50,1 Prozent aufstocken. Im Gegenzug will die Eon-Tochter Westenergie ihren Anteil an der Rheinenergie von 20 auf bis zu 24,9 Prozent erhöhen. Die Rhenag soll dabei künftig als Holding-Gesellschaft für alle Beteiligungen beider Unternehmen im Kölner Raum fungieren.

Stand bei Duisburg-Beteiligung

Von der Prüfung unberührt ist der geplante Einstieg der Rheinenergie bei den Stadtwerken Duisburg. Hier wurde vereinbart, dass die Rheinenergie 20 Prozent der Eon-Anteile an den Stadtwerken Duisburg übernimmt. Dafür gebe es bereits grünes Licht, sagte Steinkamp. (aba)

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