Trotz eines ungeplanten, vierstelligen Zuwachses an Gaskunden in der Ersatzbeschaffung und dem damit verbundenen Energienachkauf zu rekordhohen Großhandelspreisen hat der Energiedienstleister Rheinische Energie AG (Rhenag) auch für das Geschäftsjahr 2021 sehr gute operative Zahlen präsentiert.
Ungeachtet der Energiepreiskrise und der Marktverwerfungen im zweiten Halbjahr lagen das Ergebnis vor Steuern mit 39,2 Mio. Euro und der Jahresüberschuss mit 31,4 Mio. Euro (2020: 28,4 Mio.) über Vorjahresniveau. Der Umsatz erreichte mit 180,5 Mio. Euro ein leicht höheres Niveau als im Jahr 2020.
"Nie zuvor haben Energieanbieter ihrer Kundschaft kollektiv gekündigt"
„2021 war eine Zäsur für unsere Branche“, so Rhenag-Vorständin Catharina Friedrich. „Nie zuvor haben Energieanbieter ihre Lieferung eingestellt und ihrer Kundschaft kollektiv gekündigt. Noch nie seit der Liberalisierung der Energiemärkte hatten Energiekunden keine wirtschaftliche Wechseloption und noch nie waren Grundversorgungstarife günstiger als der günstigste Anbieter auf den einschlägigen Wechselportalen.“
Für Rhenag-Vorstand Hans-Jürgen Weck ist das wirtschaftliche Abschneiden des Unternehmens eine Bestätigung für die erfolgreiche Diversifizierung der Rhenag. Das Ergebnis zeige, "dass wir mit unseren drei Säulen „Energiegeschäft“, „Beteiligungsgeschäft“ und „Dienstleistungsgeschäft“ sehr robust aufgestellt sind“, so Weck.
Stromabsatz ging um gut 10 Prozent zurück
Im gesamten Jahresverlauf lag der Gasabsatz der Rhenag mit 1,56 Mrd. kWh leicht unter dem Vorjahreswert von 1,62 Mrd. kWh. Auch der Stromabsatz sei aufgrund des hohen Wettbewerbsdrucks in den ersten drei Quartalen und eingeschränkter überregionaler Vertriebsmöglichkeiten aufgrund der Pandemie um gut 10 Prozent zurückgegangen, heißt es.
Erfreulich entwickelte sich die Nachfrage im Bereich Energiedienstleistungen, insbesondere der Verkauf von PV-Anlagen habe weiter angezogen. Vor allem komplexere Bündel-Lösungen aus PV, Heimspeicher und Wallbox seien bei Eigenheimbesitzern zunehmend gefragt gewesen.
Beteiligungsergebnis mit deutlicher Steigerung
Im klassischen Beteiligungsgeschäft, sprich der operativen Zusammenarbeit mit den energiewirtschaftlichen Minderheitsbeteiligungen im Rhenag-Netzwerk – konnte Rhenag laut Pressemitteilung „das starke Vorjahresergebnis bestätigen“.
Da sich gleichzeitig die Ergebnisse der beiden Rhenag-Netztöchter Rhein-Sieg Netz GmbH und Westerwald-Netz GmbH, die ebenfalls in diesem Geschäftsfeld verbucht werden, wieder auf höherem Niveau bewegten, lag das Beteiligungsergebnis mit 19,6 Mio. Euro klar über Vorjahresniveau (14,6 Mio. Euro).
IT-Sparte bleibt Wachstumsmotor
Auch im Dienstleistungsgeschäft blieb rhenag 2021 auf Wachstumskurs. Ein starker Wachstumsmotor war hier die IT-Sparte. 2021 konnten große Migrationen auf die Rhenag-Software „lima“ erfolgreich umgesetzt werden – so beim bergischen Regionalversorger AggerEnergie, bei der RWW Rheinisch-Westfälischen Wasserwerksgesellschaft sowie der ene Energie Nordeifel im Zuge ihrer Integration in die Rhenag-Tochter e-regio.
Auch nach Abschluss dieser Migrationen bleibe die Auslastung weiter hoch, da die Projekt-Pipeline mit weiteren lima-Neukunden gefüllt sei, heißt es.
Neuordnung der rheinischen Energielandschaft
Die zentrale Projekt der Rhenag wird im laufenden Jahr die Rheinlandkooperation sein. Unter dieser Überschrift arbeitet der Energiedienstleister sowie seine beiden Gesellschafter Westenergie und Rheinenergie seit über einem Jahr an der Neuordnung der rheinischen Energielandschaft. Im Zentrum stehe ein Kooperationsmodell, das die Zusammenarbeit der drei Akteure optimiert
Der Abschluss dieses komplexen Projektes ist laut Zeitplan für Anfang 2022 geplant. Voraussetzung ist die Zustimmung der Gremien aller beteiligten Häuser, der kommunalen Parlamente und der Genehmigungsbehörden, unter anderem die des Kartellamtes.
Rhenag erwartet beträchtlichen Wachstumsschub durch Kooperationsmodell
Sofern es gelinge, diese Beschlüsse planmäßig herbeizuführen und die Rheinlandkooperation mit wirtschaftlicher Rückwirkung zum 1.1.2022 umzusetzen, werde die Rhenag einen veritablen Wachstumsschub erfahren, heißt es im Geschäftsbericht.
Bis zu dreizehn neue Beteiligungsgesellschaften würden von West- und Rheinenergie in die Rhenag-Gruppe eingebracht. Dadurch verdopple sich das Unternehmen nahezu und rücke wieder in die Größenordnung, die es zuletzt vor der Realteilung um die Jahrtausendwende gehabt habe. Das Unternehmen feiert in diesem Jahr zudem sein 150-jähriges Bestehen. (hoe)



