Rheinenergie-Chef Dieter Steinkamp sprach auf der heutigen Jahrespressekonferenz vom „vielleicht wichtigsten Einzelbeschluss seit der Gründung des Kölner Energieversorgers“ im Jahr 2002. Nachdem im Herbst vergangenen Jahres eine Neuordnung der Stadtwerkebeteiligungen im Rheinland angekündigt worden war, haben die Rheinenergie und die Eon-Tochter Westenergie jetzt Nägel mit Köpfen gemacht.
Heute wurde der Konsortialvertrag zwischen den beiden Partnern beurkundet, die zuständigen Gremien in Köln und Essen hatten bereits vor einigen Tagen grünes Licht gegeben. Die Kommunalaufsicht und die Kartellbehörden müssen dem Deal noch zustimmen.

"Berücksichtigung besonderer Stärken und Kompetenzen"
"Siedlungs- und Quartiersentwicklung, Mobilität, Logistik, Glasfaserausbau und die Transformation der Energieversorgung in eine klimaneutrale Zukunft lassen sich immer weniger einzeln und lokal, sondern viel besser in Kooperation regional entwickeln", so der Vorstandsvorsitzende der Rheinenergie.
Um die Kräfte zu bündeln, wird die Stadtwerkelandschaft neu geordnet. Gemeinsam mit den Partnern habe man eine ausbalancierte Lösung entwickelt, die unter Einbeziehung der Rhenag ebenso den regionalen Verbund wie die besondere Stärke und die Kernkompetenzen der Rheinenergie im großstädtischen Raum berücksichtige, sagte Steinkamp.
Der Kölner Versorger etwa wird seinen Anteil am Regionalversorger Rhenag auf bis zu 50,1 Prozent aufstocken. Im Gegenzug wird die Westenergie ihren Anteil an der Rheinenergie von derzeit 20 Prozent auf bis zu 24,9 Prozent erhöhen, gleichzeitig überträgt sie 20 Prozent der Anteile an den Stadtwerken Duisburg an die Rheinenergie.
"Großes Interesse in Duisburg"
Auch in Duisburg sei das Interesse groß, hieß es weiter. Die Duisburger, die bereits im Netzbereich mit der Rheinenergie und den Stadtwerken Düsseldorf kooperieren, zeigten zudem Interesse an einer Zusammenarbeit mit der Kölner HGK auf dem Feld der Hafen- und Güterlogistik. Das stößt auf offene Ohren in Köln und auch hier soll der Zusammenarbeit intensiviert werden.
Änderungen bei über einem Dutzend Stadtwerkebeteiligungen
Zahlreiche Stadtwerkebeteiligungen der Rheinenergie und der Westenergie werden zudem unter dem Dach der Rhenag zusammengeführt. Betroffen sind unter anderem auf Seiten der Rheinenergie die Agger Energie, die GVG Rhein-Erft, die NG Bornheim, die evd Dormagen, die Stadtwerke Lohmar und Pulheim, Sankt Augustin und Lohmar. Westenergie bringt seine Beteiligungen an der BEW Netze Wipperfürth, den Stadtwerken Haan, Ratingen, Langenfeld, den EWR Remscheid und der e-regio in die Rhenag ein.
Der Fokus der Rhenag soll auf kleineren und mittleren Unternehmen im Umland liegen mit dem Schwerpunkt Regionalentwicklung, Marktprodukte, Dienstleistungen, 5G-Ausbau, vernetzte Mobilität. Das Augenmerk der Rheinenergie wird künftig verstärkt auf dem großstädtischen Raum liegen und Themen wie Lösungen für die Energiewende, Quartiere, Wärmenetze, Metering, E-Mobilität und Digitalisierung umfassen.
Westenergie als Infrastrukturpartner
"Beim Netzausbau, der zum Gelingen der Energiewende zwingend erforderlich ist, werden wir insgesamt im Verbund durch die Kooperation mit der Westenergie profitieren. Im Verbund der Netze lassen sich insgesamt Dienstleistungen und der Aufbau digitaler Infrastrukturen weiterentwickeln", so Steinkamp weiter.
Bis Oktober sollen alle noch offenen Fragen der Kooperation geklärt sein, mit Beginn des nächsten Jahres könne man in der neuen Struktur starten. "Wir sind überzeugt, dass sich auch die Rheinenergie, die betroffenen Kommunen und Stadtwerke in der neuen arbeitsteiligen und fokussierten Struktur besser entwickeln können", bekräftigte der Rheinenergie-Chef.
"Alleinstellung in Sachen Kooperation unter allen Metropolregionen"
Mit dem gewählten Modell verschaffe sich das Rheinland "unter allen Metropolregionen in Deutschland damit eine Alleinstellung" in Bezug auf die unmittelbare nachbarschaftliche, regionale Kooperation bei Schlüssel-Infrastrukturen und den darauf basierenden Dienstleistungen für unterschiedliche Märkte, hob er hervor.
Westenenergie-Beteiligung an Rheinenergie von 40 Prozent als mögliche Entwicklungsoption
Perspektivisch wird auch eine mögliche Aufstockung des Westenergie-Anteils an der Rheinenergie auf 40 Prozent offenbar nicht für gänzlich ausgeschlossen. „Das ist eine Entwicklungsoption, die den rheinischen Verbund weiter stärken würde“, sagte Steinkamp auf Nachfrage. Dies böte erstmalig in der Nachkriegsgeschichte die Chance einer regionalräumlich wirtschaftlichen Kooperation von Bonn bis Duisburg unter Einbeziehung eines weiten rheinischen Agglomerationsraums.
Dies sei aber nur ein Thema, wenn die Kölner GEW-Holding ihre Anteile an den Stadtwerken Düsseldorf von aktuell 20 Prozent deutlich erhöhen könnte. Zurzeit stünden hier aber keine Anteile zum Verkauf, Mehrheitseigner der Stadtwerke Düsseldorf ist EnBW. Die Stadt Düsseldorf hält 25 Prozent. (hoe)



