In einer Umfrage sprachen sich zwei Drittel dafür aus, das Homeoffice weiter zu ermöglichen. Videokonferenzen will nach dem Ende der Pandemie nur noch jeder Dritte regelmäßig nutzen.

In einer Umfrage sprachen sich zwei Drittel dafür aus, das Homeoffice weiter zu ermöglichen. Videokonferenzen will nach dem Ende der Pandemie nur noch jeder Dritte regelmäßig nutzen.

Bild: © Sebastian Gollnow/dpa

55 Prozent der Menschen empfinden Stress, wenn sie daran denken, wieder ständig aus dem Büro heraus zu arbeiten. 70 Prozent geben an, dass sich das Remote-Arbeiten mittlerweile als neue Normalität anfühlt. Und fast die Hälfte (49 Prozent) würde sogar einen neuen Job ablehnen, wenn dieser vollständige Präsenz im Büro erfordern würde. Das ist das Ergebnis einer Befragung der Unternehmens- und Personalberatung Korn Ferry.

„Unternehmen, die planen, nach dem Auslaufen der Homeoffice-Pflicht und dem Ende der Sommerferien alle Mitarbeiter wieder ins Büro zu holen, müssen sich auf echte Motivationshürden einstellen“, sagt Thomas Faltin, Experte für Organisationsentwicklung und Senior Client Partner von Korn Ferry. „Die Menschen haben sich daran gewöhnt, ihre Arbeitsabläufe anders zu organisieren und in der schwierigen Pandemiezeit die Vorteile eindeutig erkannt.“ Wer jetzt signalisiere, Mitarbeiter im Rahmen der vor der Pandemie vorherrschenden Präsenzkultur wieder besser kontrollieren zu wollen, der müsse sich auf Widerstand und Unverständnis der Mitarbeitenden einstellen.

Keine allgemeingültigen Aussagen möglich

Laut der Umfrage glauben 85 Prozent der Befragten, dass vor allem das Management die Mitarbeiter physisch wieder sehen möchte. Nur 15 Prozent geben an, dass dies vor allem ihr eigener Wunsch ist. Die Vorliebe für das Homeoffice laut zuzugeben könnte nach Meinung der Umfrageteilnehmer zu Konsequenzen führen. So sagten 58 Prozent der Befragten aus, dass sie glauben Karrierenachteile hinnehmen zu müssen, wenn sie ihrem Vorgesetzten mitteilen würden, künftig nicht mehr ausschließlich aus dem Büro heraus arbeiten zu wollen.

„Diese teils harschen Einschätzungen sollten aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass auch Mitarbeiter in anderen Befragungen vielfach angegeben haben, den persönlichen Kontakt zu vermissen“, stellt Faltin fest. Sowohl seitens der Mitarbeiterenden als auch der Unternehmensführung gebe es auch eindeutig zu benennende Nachteile der Remote-Arbeit. „Darum muss der Umkehrschluss beim Studium dieser Daten nicht sein, künftig die eigene Organisation vollständig über das Homeoffice zu betreiben. Eine generelle Empfehlung kann hier nicht ausgesprochen werden“, sagt der Korn-Ferry-Experte.

Mitarbeiterspezifische Angebote

„Denn dazu müssen jeweils die spezifischen Rahmenbedingungen des Unternehmens, der Position, der Jobs und auch der individuellen Bedürfnisse der Mitarbeiter ganz genau betrachtet werden“, sagt Faltin. Es sei mittlerweile erwiesen, dass Menschen ganz unterschiedliche Arbeitsumgebungen benötigen, um produktiv zu sein – die einen arbeiten gern unter Menschen, die anderen eher isoliert. Die einen können sich gut selbst organisieren, die anderen brauchen einen festeren Ordnungsrahmen. „Es gilt für Unternehmen darum intensiv zu prüfen, in welchem Kontext der Einzelne sein ganzes Potenzial entfalten kann, um dann ein geeignetes Angebot zu machen“, empfiehlt der Consulter.

Ebenfalls in Betracht ziehen sollten Unternehmen die individuellen Lebensumstände. Wer mit kleinen Kindern zu Hause ist, kann sich vielleicht deutlich schlechter konzentrieren. Wer wiederum allein lebt, kann sich schnell einsam fühlen. Es komme darum darauf an, hier wirklich individuelle Lösungen zu schaffen – und nicht eindimensional zu denken: ein Ansatz, der Remote-Arbeit erlaube und zugleich persönliche Begegnung im Büro ermögliche, das sei die Herausforderung für viele Unternehmen in den nächsten Monaten. (hp)

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