Eine neue Studie von Agora Energiewende schürt Zweifel, ob Deutschland seine Klimaziele bis zum Jahr 2030 schaffen wird. (Symolbild)

Eine neue Studie von Agora Energiewende schürt Zweifel, ob Deutschland seine Klimaziele bis zum Jahr 2030 schaffen wird. (Symolbild)

Bild: © Fokussiert/AdobeStock

Für den EVU-Dekarbonisierungs-Index wertete Oliver Wyman gemeinsam mit der Technischen Universität München entsprechende Informationen und Gespräche mit 24 deutschen Energieversorgern aus. Darunter sind 5 überregionale Versorger, 8 Regionalversorger und 11 mittlere und kleinere Regionalversorger.

Bewertet wurde die Nachhaltigkeit der EVUs ahnand der Kategorien Strategie, Erzeugung, Handel und Beschaffung, Netze, B2C-Vertrieb (u.a. Angebote E-Mobilität, Prosumer-Angebote) und B2B-Vertrieb (u.a. Städte- und Industriepartnerschaften). Die Ergebnisse wurden nun von Thomas Fritz, Partner Oliver Wyman, auf dem „Energiegipfel“ des Handelsblatts in Berlin präsentiert.

84 Prozent wollen Erneuerbare ausbauen

Demnach liegt der Durchschnittswert der Unternehmen bei 5,5, auf einer Skala von 1 (sehr niedrig) bis 10 (sehr hoch). Am besten im Rennen liegen die EVUs bei der Entwicklung von Strategien zur Dekarbonisierung, am meisten Handlungsbedarf gibt es noch bei der Umstellung des Erzeugungs-Portfolios sowie beim B2B-Vertrieb.

Die in den Strategien formulierten Ziele seien ambitioniert, unterstrich Fritz. So nennen 60 Prozent der untersuchten EVUs ein konkretes Jahr zum Erreichen der Klimaneutralität. 84 Prozent wollen hierfür den Anteil erneuerbarer Energien ausbauen. 48 Prozent wollen die Energieeffizienz verbessern und 36 Prozent wollen fossile Kraftwerke abbauen.

80 Prozent weniger CO2 bis 2035

Wenn die geplanten Ziele und Maßnahmen tatsächlich umgesetzt werden, würde der CO2-Ausstoß der befragten EVUs bis 2035 um 80 Prozent sinken. "Wenn Klimaneutralität und eine vollständige Dekarbonisierung der Gipfel ist, dann befinden sich die deutschen Energieversorger derzeit im Base Camp, rund die Hälfte des Weges ist geschafft", bilanziert die Studie. Wobei Fritz darauf hinwies, dass die Luft mit der zweiten Wegstrecke eher dünner werde.

Als Handlungsempfehlungen gibt die Studie den EVUs Folgendes mit auf den Weg: Eine konsequente Dekarbonisierung in der Erzeugung und im Handel sowie eine zielgerichtete Ausweitung des Angebots von B2C- und B2B-Dekarbonisierungslösungen, zudem eine klare Stakeholder-Kommunikation nach außen, eine systematische Nutzung der Digitalisierung, einen nachhaltigen Kulturwandel und Mindset-Shift nach Innen sowie eine stringente Verankerung in Steuerung und in Governance.

Nachfrage nach klimaverträglichen Lösungen deutlich gestiegen

Hochmotivierte Mitarbeiter, die sich einbringen wollen, sieht Marion Rövekamp, Vorständin Personal und Recht bei EWE, als entscheidenden Erfolgsfaktor. Hierfür gelte es, die richtigen Rahmenbedingungen zu schaffen. "Ohne einen funktionierenden Markt werden die Erneuerbaren nicht funktionieren", sagte Georg-Nikolaus Stamatelopoulos, Mitglied des Vorstands, COO Generation and Trading bei EnBW.

Zuversichtlich zeigte sich Dr. Constantin H. Alsheimer, Vorsitzender des Vorstands von Mainova. Die Herausforderungen, beispielsweise bei nötigen Investitionen, seien enorm, doch das Ambitionsniveau der Politik und die Nachfrage von Seiten der Unternehmen nach klimaverträglichen Lösungen, beispielsweise zur nachhaltigen Fernwärme oder für erneuerbaren Strom, sei deutlich gestiegen.

Partnerschaften entscheidend

Man verstehe sich als Partner der Branche beim Weg zur Dekarbonisierung und versuche möglichst individuell passende Finanzprodukte anzubieten, betonte Ingrid Spletter-Weiß, Mitglied des Vorstands Norddeutsche Landesbank (NORD/LB). Dieser Ansatz wurde von Alsheimer ausdrücklich gelobt.

Partnerschaften jedenfalls seien zur Erreichung der Klimaschutzziele – nicht nur der Branche – entscheidend, so ein Fazit der Paneldiskussion des EVU-Dekarbonisierungs-Index. (hcn)

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