Die russische Invasion der Ukraine zeigt auch auf dem deutschen Energiemarkt erhebliche Folgen.

Die russische Invasion der Ukraine zeigt auch auf dem deutschen Energiemarkt erhebliche Folgen.

Bild: © -/Russian Defense Ministry Press Service/AP/dpa

Der russische Angriff auf die Ukraine schlägt sich auch auf Deutschlands gängige Vergleichsportale nieder. Am Freitagnachmittag bot kaum ein Stadtwerk mehr für Deutschlands fünf bevölkerungsreichste Städte Gastarife an.

In Berlin waren lediglich Brillant Energie, eine Marke der Leipziger Stadtwerke, sowie Gut und Grün, eine Marke der Stadtwerke Bochum, gelistet. Keine der beiden war unter den Top 10. Ganz vorne landeten Marken der Großkonzerne: Vattenfall, die Eon-Tochter Eprimo und die EnBW-Tochter Yello. Der günstigste Arbeitspreis in Berlin lag bei 12,92 Cent pro kWh.

Eingerahmt von Großen

Tags zuvor hatten nach ZfK-Informationen unter anderem noch Energie und Wasser Potsdam, die Stadtwerke Oranienburg und Enni Angebote gelistet. Gastarife waren noch für weniger als elf Cent pro kWh zu haben. Gesucht wurden jeweils Angebote für einen Jahresverbrauch von 18.000 kWh Gas.

Auch auf der Konkurrenzplattform Check 24 kamen Stadtwerke nur vereinzelt vor. Prominent platziert waren beispielsweise für die Münchner PLZ-Gebiete die Stadtenergie, eine Marke der Dortmunder DEW21, (12,11 Cent pro kWh, Platz zwei) und die Stadtwerke München selbst (12,51 Cent pro kWh, Platz fünf). Auch sie wurden von Marken der großen Konzerne umrahmt.

EWE ohne Gastarife, Badenova stark eingeschränkt

Der Oldenburger Energiekonzern EWE bietet auf seiner Website derzeit keine Gastarife für Neukunden an. Der Mannheimer Wettbewerber MVV Energie stellt aktuell nur Privat- und Gewerbekunden in der Region Mannheim und Rhein-Neckar zur Verfügung.

Auch Regionalversorger Badenova verwies auf seiner Website, dass sein Gasangebot aktuell eingeschränkt und nur im Grundversorgungsgebiet zu haben sei. Die Dortmunder DEW21 bot am Freitagnachmittag für Berlin einen Verbrauchspreis von 16,37 Cent pro kWh.

Gasflüsse gehen weiter

Derweil bleibt die Lage an den Gasmärkten angespannt. Zwar fließt weiter russisches Gas nach Europa. Die Mengen am ukrainisch-slowakischen Grenzpunkt Velke Kapusani gingen zuletzt sogar deutlich auf 630 Mio. kWh pro Tag hoch. Trotzdem herrscht weiterhin Unsicherheit über die Zukunft russischer Gaslieferungen.

Waren die Preise im Spotmarkt am Donnerstag von 90 auf mehr als 120 Euro pro MWh gestiegen, fielen sie am Freitag.

"Größer angelegte Strategie Moskaus"

Deutlich wurde nun Gasmarktexperte Joachim Endress vom Beratungsunternehmen Ganexo. Er deutet die seit Monaten zurückhaltende Liefertaktik des russischen Staatskonzerns Gazproms , die teilweisen Stopps von Gaslieferungen und die Nichtbefüllung der unternehmenseigenen Gasspeicher in Europa als Teil "einer größer angelegten Strategie Moskaus".

Endress fühlt sich durch die russische Reaktion auf den Zertifizierungsstopp der Ostsee-Pipeline Nord Steam 2 bestätigt. Ex-Präsident Dmitri Medwedew hatte auf Twitter kommentiert, dass sich in diesem Fall Europa auf Gaspreise von mehr als 200 Euro pro MWh einstellen müsse. Dies reihe sich in das Gesamtbild ein, sagte der Experte. (aba)

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