Der rasante Ausbau von Rechenzentren für Digitalisierung und Künstliche Intelligenz, die zunehmende Elektromobilität und der vermehrte Einsatz von Klimaanlagen und Wärmepumpen – das sind laut RWE-Chef Markus Krebber die Treiber für einen auch künftig „weltweit weiter stark wachsenden Strombedarf“ (einen separaten Artikel zu den Halbjahreszahlen von RWE finden Sie hier).
Der Ausbau der CO2-freien Stromerzeugung schreite international zügig voran. Weltweit seien über 3.000 Gigawatt an erneuerbaren Energien installiert. "Der jährliche Zubau liegt bei etwa 300 Gigawatt", so Krebber weiter. Das aktuelle Jahr sei dabei ein wegweisendes Jahr für die Kernmärkte des Energiekonzerns, insbesondere die USA.
EE-Ausbau in USA wird in hohem Tempo weiter gehen
Unabhängig vom dortigen Wahlausgang in den Vereinigten Staaten, zeigte der Energiemanager sich überzeugt, dass der Ausbau der erneuerbaren Energien dort in jedem Fall mit hohem Tempo weitergehen werde. Zum einen wachse die US-amerikanische Stromnachfrage kräftig, zum anderen habe sich die Erkenntnis durchgesetzt, dass die Förderung der Erneuerbaren über den Inflation Reduction Act viele Vorteile habe. "Die Angebotsausweitung über den Zubau von Erneuerbaren macht den Strom für private Haushalte aber auch für die Wirtschaft günstiger. Das stärkt die Wettbewerbsfähigkeit der Vereinigten Staaten in Gänze."
"Kosten der Transformation müssen größere Rolle spielen"
Auch in Europa sei das energiepolitische Umfeld ebenfalls weiter positiv. Neben einer ambitionierten Klimapolitik brauche Europa künftig aber auch mehr industriepolitische Akzente. „Konkret heißt das: Die EU sollte an vielen Stellen mehr auf den Markt als auf staatliche Lenkung setzen. Statt alles ideologisch motiviert bis ins kleinste Detail regulatorisch zu überfrachten, müssten die Kosten der Transformation eine größere Rolle spielen", sagte Krebber.
Ein Beispiel dafür sei die kleinteilige Regulierung für die Definition von grünem Wasserstoff. Sie bremse nicht nur den Wasserstoffhochlauf, sie mache ihn auch unnötig teurer. Ein anderes Beispiel seien die europäischen Forderungen nach einem festen Umstellungszeitpunkt von Gas auf Wasserstoff im Rahmen der deutschen Kraftwerksstrategie. Das treibe ebenfalls massiv die Kosten – ohne eine klimapolitische Wirkung.
"Breit diversifizierte Entwicklungspipeline im EE-Bereich"
Der Energiekonzern will bis 2030 sein Erneuerbaren-Portfolio auf 65 Gigawatt ausbauen, bezüglich dieser Zielsetzung sieht sich das Management auf Kurs.
Aktuell betrage die installierte Kapazität – ohne die Ausstiegtechnologien – 36 Gigawatt. Weitere 10 Gigawatt seien derzeit im Bau. „Darüber hinaus ist unsere Entwicklungspipeline gut gefüllt und regional wie technologisch breit diversifiziert. Das hat einen großen Vorteil: Wir können wählen, was wir umsetzen. Und das tun wir sehr sorgfältig“, führte der Vorstandsvorsitzende aus.
95 Prozent der neuen EE-Projekte mit gesicherter Stromabnahme
Neben der Werthaltigkeit der Projekte gehe es auch darum, Renditen langfristig abzusichern. So verfügten mehr als 95 Prozent der Erneuerbaren-Projekte, die der Konzern in den vergangenen eineinhalb Jahren in Betrieb genommen haben, über eine gesicherte Stromabnahme. Sei es durch PPAs, Differenzverträge oder andere Erlösmodelle. "Allein in diesem Jahr haben wir schon 1,6 Gigawatt Kapazität über PPAs langfristig vermarktet." (hoe)


