RWE-Vorstandsvorsitzender Markus Krebber

RWE-Vorstandsvorsitzender Markus Krebber

Bild: © Rolf Vennenbernd/dpa

Energieriese RWE fühlt sich trotz tiefgreifender Umbrüche im Energiemarkt infolge des Ukrainekriegs gut gewappnet. "Die Entwicklung des Konzerns [hin zum führenden Ökostromkonzern] geht mit Riesenschritten voran", resümierte Konzernchef Markus Krebber auf der Bilanzpressekonferenz. "RWE steht gut da."

Der Konzern hatte im vergangenen Geschäftsjahr die selbst gesteckten Ziele übertroffen und ein operatives Ergebnis von 3,65 Milliarden Euro erzielt. Während das schwache Windaufkommen das Ergebnis gedrückt hatten, hatten Energiehandel und Erträge aus dem Atom- und Braunkohlebereich kräftig angezogen.

Keine Geschäftstätigkeiten in Russland

Als Vorteil erweist sich nun zudem, dass die geschäftlichen Verflechtungen des Konzerns nach Russland deutlich geringer sind als die von Wettbewerbern wie VNG und Uniper, die bereits Notfallkredite der staatlichen Förderbank KfW beantragt beziehungsweise bereits erhalten haben.

RWE hat keine Geschäftstätigkeiten in der Ukraine oder Russland. Zwar beziehen die Essener über langfristige Lieferverträge Erdgas und Steinkohle aus Russland – auch vom Staatskonzern Gazprom –, das aber nur in "sehr überschaubarem Umfang", wie Krebber sagte. Zudem werde RWE mit Russland keine neuen Energielierverträge mehr abschließen – "weder bei Gas noch bei Steinkohle noch bei Biomasse noch bei Öl."

"Grausamer Krieg"

Kurzfristige Liquiditätsengpässe fürchtet RWE nicht. "Wir verfügen über ausreichend Reserven und haben erst kürzlich eine Kreditlinie verlängert", sagte Finanzvorstand Michael Müller. "Wir sehen uns da sehr gut aufgestellt."

Konzernchef Krebber verurteilte Russlands "grausamen Krieg" als "eklatatanten Bruch des Völkerrechts" und "schreckliche Katastrophe für 44 Mio. Menschen in der Ukraine". Zugleich mahnte er, Sanktionen gegen den Aggressor so zu wählen, "dass wir sie auch durchhalten können".

Gasembargo hätte "massive Konsequenzen"

"Energieimporte aus Russland auszusetzen hätte derzeit aufgrund der hohen Abhängigkeit massive Konsequenzen", warnte er.

"Ein sofortiger Stopp hätte ungeahnte Folgen für die Wärmeversorgung der Haushalte. Zudem dürfte eine längere Lieferunterbrechung die Produktionsanlagen der Industrie und des Mittelstandes nachhaltig beschädigen."

Comeback der Atomenergie?

Ein Comeback der Nuklearenergie wies Krebber zurück. "Für den kommenden Winter können Kernkraftwerke keinen nennenswerten zusätzlichen Beitrag für die Versorgungssicherheit leisten, dazu ist die Vorlaufzeit zu kurz", sagte er. "Und für einen sinnvollen verlängerten Betrieb von Kernkraftwerken schätzen auch wir die Hürden für zu hoch ein."

Ende vergangenen Jahres war das RWE-Kernkraftwerk im bayerischen Gundremmingen vom Netz gegangen. Ende 2021 soll das letzte noch im Betrieb befindliche RWE-Kernkraftwerk im Emsland abgeschaltet werden.

Braunkohle als Alternative

Offen zeigte sich Krebber bei der längeren Nutzung konzerneigener Kohlekraftwerken. RWE untersucht derzeit, welche jener Anlagen, die bereits vom Netz genommen wurden oder zur Stilllegung anstehen, in eine Reserve überführt werden könnten. Geprüft werden dabei bei Braunkohlekraftwerke mit einer Gesamtleistung von 2700 MW sowie das Ende 2020 stillgelegte Steinkohlekraftwerk Westfalen in Hamm (800 MW).

Es sei aber an der Bundesregierung zu entscheiden, ob diese Blöcke temporär genutzt werden müssten und in welchem Umfang sie etwa zur Redkuktion des Gasverbrauches eingesetzt werden sollten, betonte der RWE-Chef. "Das ändert nichts am Kohleausstiegspfad. Es ist keine Rolle rückwärts, allenfalls ein Schritt zur Seite für eine begrenzte Zeit."

LNG-Terminal Brunsbüttel

Den Bau deutscher LNG-Terminals begrüßte Krebber. Sein Konzern beteiligt sich am Projekt in Brunsbüttel (Schleswig-Holstein). Am Freitag hatten die Partner ein sogenanntes "Memorandum of Understanding" unterzeichnet.

Es werde mit Hochdruck daran gearbeitet, den Betrieb so schnell wie möglich aufnehmen zu können, versicherte der Manager. Er zeigte sich optimistisch, dass das LNG-Terminal sogar noch vor 2025 fertiggestellt könnte. Brunsbüttel könne dann auch Vorbild für den Aufbau einer Importinfrastruktur werden, die den Hochlauf der Wasserstoffwirtschaft weiter vorantreibe, führte er aus.

Hoffnung auf Osterpaket

Zentrales Projekt bleibt derweil der Umbau des Konzerns zu einem der führenden Ökostromanbieter weltweit. Von 2021 bis 2030 will der Konzern insgesamt 50 Milliarden Euro in den Ausbau erneuerbarer Energien investieren. Im vergangenen Jahr waren es 3,7 Mrd. Euro brutto.

Große Chancen sieht RWE dabei auch wieder auf dem Heimatmarkt. "Ich setze darauf, dass das Osterpaket [der Bundesregierung] zu einer echten Beschleunigung und Entfesselung der Transformation führen wird", kommentierte Krebber. "Das brauchen wir. Und das unterstützt RWE. Wir werden jedes Erneuerbaren-Projekt realisieren, das machbar ist."

"Relativ robust aufgestellt"

Derzeit geht RWE davon aus, im laufenden Geschäftsjahr an das operative Ergebnis (Ebitda) von 2021 anknüpfen zu können. Im Februar hatte der Konzern die Prognose auf 3,6 bis 4 Mrd. Euro hochgeschraubt. Darin seien allerdings die "schwer abzuschätzenden" Folgen des Ukrainekriegs nicht enthalten, sagte Krebber.

"Die Frage ist, wie sich die Situation weiterentwickelt, was vor allem Sanktionen, Energielieferungen und die wirtschaftlichen Auswirkungen angeht", erläuterte der Konzernchef. "In Summe sind wir als Unternehmen relativ robust aufgestellt." (aba)

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