Das Logo von RWE ist an der Fassade eines Gebäudes auf dem RWE-Campus in Essen zu sehen.

Das Logo von RWE ist an der Fassade eines Gebäudes auf dem RWE-Campus in Essen zu sehen.

Bild: © Fabian Strauch/dpa

Es war ein Abschiedsgruß, auf den Rolf Schmitz wohl verzichten hätte können. Pünktlich zu seiner letzten Bilanzpressekonferenz als RWE-Chef veröffentlichte die Umweltschutzorganisation Greenpeace eine Analyse, die es in sich hatte.

Unter Schmitz habe der Essener Konzern lange auf Kohle gesetzt und eine Neuausrichtung auf erneuerbare Energien verschleppt, schrieb Energieanalyst Steffen Bukold im Auftrag des Vereins. Deshalb befinde sich RWE nun auf Schrumpfkurs. Weil das Unternehmen bis 2038 an der besonders klimaschädlichen Braunkohle festhalten wolle, drohe ihm mit steigendem CO2-Preis eine Kostenexplosion.

RWE, ein Übernahmekandidat?

"Im internationalen Geschäft mit erneuerbaren Energien ist RWE lediglich ein mittelgroßer Newcomer", analysierte Bukold. In einem Markt, in dem sich Ölkonzerne ebenfalls neu ausrichteten, gelte RWE gar als "potenzieller Übernahmekandidat".

RWE, ein Übernahmekandidat? Schmitz nahm es gelassen. Die Stromproduktion sei bis 2030 gegen steigende CO2-Preise abgesichert, sagte er. "Wir machen unseren Stiefel weiter." Heißt: Die neue RWE nimmt weiter gern Gewinne aus Kohle und Kernkraft mit, um kräftig ins Erneuerbare-Geschäft zu investieren. Um auch den erarbeiten Vorsprung vor Ölkonzernen wie BP und Shell zu behaupten.

RWE-Verluste durch Texas-Blackout

Die Corona-Krise scheint die Essener dabei kaum gebremst zu haben. Das vergangene Jahr sei "richtig gut gelaufen", sagte Schmitz. Er verwies auf ein bereinigtes Ergebnis von 1,8 Milliarden Euro, was einer Steigerung von 16 Prozent gegenüber dem Vorjahr entspreche.

Für das laufende Jahr rechnet der Konzern dagegen mit weniger guten Geschäften. Einer der Hauptgründe dafür: der Blackout in Texas vor wenigen Wochen. Wegen des heftigen Winterwetters standen dort RWE-Windkraftanlagern still. Die Essener mussten für viel Geld zukaufen. (Die ZfK berichtete.) Die Verluste hätten sich nach jetzigem Stand auf mehr als 400 Millionen Euro summiert, hieß es.

RWE als Erneuerbaren-Vorreiter

Einmal mehr betonte Schmitz den Dreiklang, den sein Unternehmen seit dem Deal mit dem einstigen Rivalen Eon anstrebe: Vorreiterrolle insbesondere bei Wind- und Solarenergie, leistungsstarke Flotte an Gaskraftwerken und Speichern für grünes Gas, "verlässlicher und verantwortungsvoller" Ausstieg aus Kernenergie und Kohle.

RWE hatte von Eon und seiner Tochter Innogy die erneuerbaren Energien übernommen. Eon erhielt das Netz- und Kundengeschäft von Innogy.

Gewinnbringer Energiehandel

Dass der deutsche Markt für RWE deutlich an Attraktivität verloren hat, zeigt ein Blick auf die Vorhaben des Konzerns. Lediglich eine der insgesamt fünf Milliarden Euro netto, die RWE von 2020 bis 2022 in erneuerbare Energien und Speicher investiert, fließt in deutsche Projekte.

Mehr Gewinn als erwartet fuhr RWE 2020 in seiner Energiehandelssparte ein. Dies führte der Konzern auf gute Positionierungen zu Beginn der Corona-Krise und zum Ende des Jahres zurück, als die Energiepreise wieder kräftig anzogen.

RWE und ihr Kohlegeschäft

Außerdem stiegen die Gewinne in der Kohle- und Kernenergiesparte gegenüber dem Vorjahr — um 219 Millionen Euro. Unter den Erwartungen blieb das Ergebnis im Segment Wind Onshore/Solar.

RWE geht davon aus, dass Kohle und Kernenergie auch dieses und nächstes Jahr kräftige Gewinne bringen dürften. Für 2021 ist etwa ein operativer Gewinn von 800 bis 900 Millionen Euro eingeplant. Danach aber dürften die fetten Jahre in Deutschland vorbei sein.

Nagelprobe für neue RWE

Zum einen ist dann der Atomausstieg besiegelt. Zum anderen werden auch deutlich weniger Kohlekraftwerke in Betrieb sein. Bereits Ende Dezember 2020 gingen die letzten beiden Steinkohlekraftwerke des Konzerns in Deutschland vom Netz. Bis 2030 will RWE zudem zwei Drittel seiner Braunkohle-Kraftwerkskapazität stilllegen. Spätestens dann wird sich zeigen, wie gut die Transformation von der alten zur neuen RWE wirklich funktioniert hat. (ab)

Siehe auch: RWE-Chef Schmitz: "Das Verhältnis zu Stadtwerken ist unverändert gut"

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