Dank einer erfolgreichen Einkaufsstrategie und einer sehr guten Qualität der Verbrauchsprognosen hat der sächsische Regionalversorger Sachsenenergie trotz Energiekrise im vergangenen Jahr einen Rekordgewinn von 168, 7 Mio. Euro (2021: 121 Mio.) erzielt. Der Umsatz sprang preisbedingt auf gut 2,6 Mrd. Euro (2021: 1,5 Mrd.).
Die massive Ergebnisverbesserung ist vor allem dem Verkauf überschüssiger Strom- und Gasmengen an Mitbewerber und den Großhandel zu verdanken, bestätigte Finanzvorstand Axel Cunow. Als erstes hatte die „Sächsische Zeitung“ darüber berichtet.
Profitiert hat das Unternehmen dabei von seiner langfristigen Beschaffungsstrategie. Strom und Gas für die rund 600.000 Kundinnen und Kunden werden rund drei Jahre im Voraus eingekauft.
Kunden verbrauchten teils bis zu 20 Prozent weniger Gas
Dem Team um Vertriebschef Frank Arnold und den Leiter Energiehandel, Olaf Adermann ist es dabei offenbar gelungen, dank einer guten Prognosequalität, die Verbrauchsrückgänge der Kunden im Bereich Strom und Gas annähernd zu antizipieren. Zeitweise hätten die Kunden das von der Bundesetzagentur geforderte Ziel, 20 Prozent an Gas einzusparen, erreicht, heißt es. Die so zurückgehaltenen Mengen konnten zu teils deutlich höheren Preisen als beim Einkauf verkauft werden.
Cunow: "Risikomanagement hat großartige Arbeit geleistet"
„Der Schritt erforderte sicher ein wenig Mut, zur richtigen Zeit die richtigen Entscheidungen konsequent zu treffen. Aber insbesondere war eine sensible und zum Teil täglich mehrmalige Prognose der Verbrauchsdaten notwendig, um die Entscheidung zu festigen“, erklärte Finanzvorstand Axel Cunow auf ZfK-Nachfrage. Man habe das Verhalten der Kunden eine Zeit lang genau beobachtet und analysiert. „Hier zahlt sich langjährige Erfahrung sowie innovatives und lösungsorientiertes Krisenmanagement aus. Gleichzeitig hat unsere Risikomanagement großartige Arbeit geleistet“, so Cunow weiter
Am Ende zähle der Fakt, dass man die erwirtschafteten Gewinne nicht von den Kunden geholt habe. „Im Gegenteil, wir hatten zeitweise auch mit Verlusten zu kämpfen, als wir für einzelne Kundensegmente die Risiken und Mehrkosten aus dem Großhandelsmarkt übernehmen mussten“, stellte der Finanzvorstand klar. In der Fernwärme etwa und im Weiterverteiler-Portfolio habe man deutlich „Federn lassen müssen“. „Die Dynamik war bis zum Ende hin so hoch, dass nicht klar war, dass die damals getroffenen Entscheidungen am Ende zu den gewünschten Ergebnissen führen werden“.
Gewinn stärkt Rücklagen mit Blick auf künftige Investitionsbedarfe
Im Gesamtergebnis bleibe Sachsenenergie auf Wachstumskurs und könne in die Zukunft der Kunden in der Region investieren. Der hohe Gewinn weckt derweil natürlich auch Begehrlichkeiten in der Politik: So wurde gefordert, dass 50 Mio. Euro zur Kredittilgung bei den Dresdner Verkehrsbetrieben und Dresdner Bädern verwendet werden sollten. Das hat die Sachsenenergie unter Verweis auf die massiven eigenen Investitionsherausforderungen in der Zukunft abgelehnt.
„Wir stehen immensen Herausforderungen einer gesicherter und bezahlbaren Energiezukunft gegenüber. Dazu zählen unter anderem die Wärme- und Energiewende, Dekarbonisierung zur Klimaneutralität, Netzausbau sowie Großprojekte zur Deckung des zunehmend steigenden Wasserbedarfs für die Region“, verdeutlicht Cunow. Alle diese Großprojekte seien zeitkritisch, parallel zu bewerkstelligen und gingen mit in dieser Dimension nie dagewesenen Investitionsbedarfen einher. „Das sollte auch der Politik bewusst sein“. (hoe)


