Herr Schäfer, wie gut ist die Würzburger Versorgungs- und Verkehrs Gmbh (WVV) bereits eingedeckt für 2023 und 2024 mit Strom und Gas?
Wir haben uns entschieden unsere Beschaffungsstrategie, die auf einen circa 2- jährigen Vorlauf vor der Belieferung ausgelegt ist, nicht zu verändern. Für 2024 beginnen wir in diesem Jahr mit dem Einkauf, den wir über Tranchenmodelle betreiben.
Für das Geschäftsjahr 2023 sind wir mit Strom und Erdgas bereits zu 100 Prozent eingedeckt. Für das Jahr 2024 haben wir mit der Eindeckung des Privat- und Gewerbekundensegmentes begonnen.
Ausgeglichenes Ergebnis
WVV: Jahresabschluss 2021
Die Würzburger Versorgungs- und Verkehrs GmbH hat das Geschäftsjahr 2021 mit einer schwarzen Null abgeschlossen, 2020 hatte das Konzernjahresergebnis noch bei drei Mio. Euro gelegen. Der Umsatz stieg hingegen deutlich auf 660,3 Mio. Euro (2020: 450,6 Mio.). Der Konzern investierte insgesamt 59,3 Mio. Euro.
Das Unternehmen konnte im Vergleich zum Vorjahr deutlich mehr Fernwärme verkaufen, die abgesetzte Menge betrug 308 Mio. kWh (2020: 274,4 Mio.).
Sondereffekt führt zur Halbierung des Erdgasabsatzes
Der Verkauf von Erdgas sank dagegen deutlich auf 936,9 Millionen kWh (2020: 1.850,7 Mio.). Grund hierfür ist, dass die Gasmengen für das Heizkraftwerk nicht mehr über die Stadtwerke Würzburg, sondern direkt über die Kraftwerksgesellschaft erfolgen (siehe Interview). Beim Stromabsatz war im Vergleich zum Vorjahr mit 928,9 kWh ein Anstieg zu verzeichnen (2020: 778,9 Mio. kWh).
Der WVV-Konzern beschäftigte im vergangenen Jahr 1.580 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, damit blieb die Anzahl zum Vorjahr etwa gleich.
Was erhoffen Sie sich von der mittlerweile vom Bundestag beschlossenen Gas-Umlage?
Die saldierte Preisanpassung nach §26 EnSiG halten wir im Rahmen der derzeitigen atypischen Marktsituation für das richtige Verfahren. Sie kommt bei allen Endkunden gleich an und führt nicht zu Wettbewerbsverzerrungen oder gar zu Schieflagen von einzelnen Unternehmen.
Wir erwarten auch Gespräche über Ratenzahlungsvereinbarungen.
Für die Kundinnen und Kunden bedeutet das allerdings, dass die Abschläge erheblich steigen werden, wenn wir die Umlage ab 1. Oktober weitergeben. Wir erwarten folglich ein sehr hohes Kundennachfrageaufkommen und gegebenenfalls auch Gespräche über Ratenzahlungsvereinbarungen.
Kommen wir zum Jahresergebnis 2021. Wie stark haben die massiven Preisanstiege ab dem zweiten Halbjahr 2021 das Ergebnis der WVV belastet und auch die Aufnahme von Discounterkunden in die Ersatzversorgung?
Die WVV praktiziert eine langfristige Beschaffungsstrategie. Zwar gab es in 2021 auch Nachbeschaffungen auf höherem Preisniveau, diese hatten aber keinen wesentlichen Einfluss auf das Ergebnis.
Was die Aufnahmen von Discounterkunden in die Ersatzversorgung betrifft, ist hier beispielsweise die Insolvenz der Stromio GmbH im Dezember 2021 zu nennen. Die WVV musste in kürzester Zeit rund 2.500 Stromio-Kunden aus der Region in die Grundversorgung aufnehmen, was eine immense Herausforderung innerhalb unserer Prozesse darstellte.
Aber auch vom finanziellen Aspekt her brachte uns die Pleite des Discoutanbieters Nachteile: So musste marktaktuell teurerer Strom nachgekauft werden. Um die Preise für Bestandskunden nicht in die Höhe zu treiben, wurde daraufhin ein zweiter Grund- und Ersatzversorgungstarif speziell für Neukunden eingeführt.
Der Ergebnisbeitrag aus der Direktvermarktung von Biogasanlagen liegt im niedrigen sechsstelligen Bereich.
Die Stadtwerke Würzburg vermarkten den Strom aus Biogas aus über 500 Anlagen bundesweit im virtuellen Kraftwerk. Wie sehr haben die WVV im Kraftwerksbereich im vergangenen Jahr von den hohen Energiemarktpreisen profitiert und wie hoch ist konkret der Ergebnisbeitrag aus diesem Bereich?
Beginnend in 2021 haben wir im Rahmen der Direktvermarktung den Betreibern von Biogasanlagen den Marktzugang eröffnet und ihnen damit den hohen Energiemarktpreis ermöglicht (höher als EEG-Einspeisung!). Wir erhalten dafür eine Marge. Der Ergebnisbeitrag in 2021 liegt im niedrigen sechsstelligen Eurobereich.
Der Erdgasabsatz hat sich bei den Stadtwerken Würzburg im vergangenen Jahr mehr als halbiert. Was ist der Hintergrund und stellen Sie sich dauerhaft auf dieses Absatzniveau ein?
Die vermeintlich niedrigere Absatzmenge resultiert aus einem rein internen Fusionseffekt. Hintergrund ist die Verschmelzung der HKW GmbH in die Stadtwerke Würzburg AG (STW), die rückwirkend zum 1. Januar 2021 durchgeführt wurde.
Die Kraftwerksgasmengen, die früher die STW eingekauft und an die HKW GmbH weiterverkauft hat, sind weggefallen. Stattdessen werden sie jetzt in unserem stadtwerkeeigenen HKW abgesetzt.
In Summe hat die Coronazeit die WVV gut fünf Millionen Euro gekostet, die nicht kompensiert wurden.
Auffällig sind in Ihrer Pressemitteilung zum Jahresabschluss 2021 ja auch die nochmals gestiegenen Rückgänge bei den Fahrgästen und den Bädern. Wie sehr haben die Einbußen in der Coronazeit an der Substanz der WVV gezehrt?
Die nochmals gestiegenen Rückgänge der Fahrgäste im ÖPNV sind einerseits auf die behördlich angeordneten Maßnahmen in den Fahrzeugen (z. B. Maskenpflicht), insbesondere aber auf die wesentlich geringeren Mobilitätsanforderungen bedingt durch die Homeoffice- und Homeschoolingquote zurückzuführen.
Bei den Bädern führte die staatlich angeordnete Schließung über einen Großteil des Jahres hinweg zu den deutlich niedrigeren Besucherzahlen.
In Summe hat die Corona-Zeit der WVV gut 5 Millionen Euro gekostet, die nicht kompensiert wurden. Durch die Fusion der HKW GmbH in die STW konnte allerdings das Eigenkapital der STW um gut 16 Millionen Euro erhöht werden.
Durch die Einbringung der GmbH-Anteile HKW in den Stadtwerken und die Gewinnrücklagenrotierung konnten wir in dieser Zeit substanzmäßig sogar eine Steigerung verzeichnen.
(Die Fragen stellte Hans-Peter Hoeren)



