Der Kundenbestand ist in den vergangenen vier Jahren um rund 4.500 auf 21.000 gewachsen. Auch Umsatz und Ergebnis legten deutlich zu. Die Stadtwerke Nordfriesland, die 2018 aus einer Fusion der Stadtwerke Niebüll, Bredstedt und der Gemeindewerke Leck entstanden, sind operativ auf Kurs. Das Unternehmen hat derzeit über 50 Mitarbeiter, der Umsatz in der Energiesparte lag 2021 bei rund 37 Mio. Euro.
Das Vertriebswachstum sei eine „echte Knochenarbeit“ gewesen und vor allem der bodenständigen „Hands-on-Mentalität“ der Mitarbeitenden zu verdanken, sagt der scheidende Gründungsgeschäftsführer Jan Schulz im Gespräch mit der ZfK. „In der Vergangenheit hatten wir die Potenziale im Bereich Regionalität und Kundenbindung nicht ausgeschöpft.“
Deshalb habe man in einem ersten Schritt das Vertriebsgebiet klar definiert. Der neue Markenname ‚Stadtwerke Nordfriesland‘ sei bewusst gewählt worden, um eine Strahlkraft über Niebüll, Bredstedt und Leck hinweg in ganz Nordfriesland zu erreichen.
Ein Kundenzentrum wurde ins Schwimmbad verlegt
In allen drei Orten gibt es Kundenzentren. Um näher am Kunden zu sein, wurde das Kundenzentrum in der Gemeinde Leck in den Eingangsbereich des Schwimmbads verlegt. Rund 100.000 Besucher zählte die Einrichtung vor der Coronapandemie pro Jahr. Ein Vertriebsmitarbeiter verkauft dort mittlerweile Badekarten, Energieverträge und beantwortet darüber hinaus allgemeine Kundenanfragen.
„Wir haben die Entwicklung im Vertrieb messbar gemacht und ein Vertriebscontrolling eingeführt“, sagt Schulz. Im Backoffice wurde frühzeitig ein Bildschirm aufgebaut, auf dem die Vertriebler ihre Kundengewinne darstellen und damit transparent machen.
Mit einem umgerüsteten VW-Bus habe man Marketingaktionen in der Region forciert. „Wir haben keine Scheu vor dem Kunden und sind dadurch in der Region deutlich sichtbarer geworden“, führt er aus.
Erstes Kalte-Nahwärmeprojekt wird umgesetzt
Zur Markenbildung und Markenführung gehört übrigens auch ein umfassendes Sponsoring in den Bereichen Sport, Kultur und Gesellschaft. Seit 2021 ist das Unternehmen klimaneutral, ein eigenes Regionalstromprodukt (derzeit 500 Kunden) wurde aufgelegt und Ende diesen Jahres soll das erste Kalte-Nahwärmeprojekt realisiert werden.
Spezielles Querverbundmodell bildet die Basis
Ein zentrales Erfolgskriterium für das Zustandekommen der Fusion war sicherlich auch ein spezielles Querverbundmodell. „Die anderen Kommunen wollten verständlicherweise nicht am jährlichen Defizit des Schwimmbads der Gemeinde Leck beteiligt werden“, erklärt Schulz.
Deshalb wurde eine Gesellschaft gegründet, die Teile des Bades von der Muttergesellschaft pachtet. Diese Gesellschaft ist die heutige Badgesellschaft, die auch das Bad betreibt. Den BHKW-Betrieb übernehmen die Stadtwerke Nordfriesland als Muttergesellschaft. Über einen Gewinn- und Stimmbindungsvertrag bleibt der steuerliche Querverbund erhalten. Die Gemeinde Leck trägt vollumfänglich die jährlichen Verluste des Bades. (hoe)
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