Der Wettbewerb im Vertrieb hat wieder an Intensität gewonnen. „Die Bundesregierung kann dazu zusätzlich beitragen, in dem Stadtwerke gestützt werden im Terminhandel mit Bürgschaften und Garantien“, forderte VKU-Hauptgeschäftsführer Ingbert Liebing zum Auftakt der VKU-Vertriebstagung Ende vergangener Wohe in Bamberg. Wenn diese Hilfe nicht erfolge, dürfe man sich nicht wundern, dass sich Kommunalversorger aus dem Handelsbereich zurückziehen.
Der Verband setze sich seit Monaten für einen Schutzschirm ein, der eben dies verhindern solle. Hier gelte es, das „Pingpongspiel“ zwischen dem Bundesfinanzministerium und dem Ministerium für Wirtschaft und Klimaschutz zu beenden. „Habeck verweist auf Lindner und Lindner dann wieder auf Habeck. Dabei ist doch klar, dass die zuständige Kreditanstalt für Wiederaufbau dem Finanzminister unterstellt ist“, stellte Liebing klar. Deshalb hätten er und VKU-Präsident Ulf Kämpfer einen gemeinsamen Brief an die Ministerien geschrieben und ein Treffen auf Ebene der Staatssekretäre angeregt.

Auch der in diesem Kontext wegen seiner hohen Sicherheitsanforderungen für Handelsgeschäfte in die Kritik geratene, staatlich gerettete Uniperkonzern bewegt sich hier mittlerweile offenbar auf die Branche zu.
"Verband ist in guten Gesprächen mit Uniper"
„Wir sehen, dass Uniper selber ein Interesse hat, dass seine Kunden handlungsfähig bleiben. Wir sind hier in guten Gesprächen und hoffen einen gemeinsamen Vorschlag entwickeln zu können, um eine Lösung zu finden, die die einerseits die erforderliche Absicherung gewährleistet und andererseits den kommunalen Versorgungsunternehmen mehr Spielraum beim Thema Liquidität eröffnet“, versicherte Liebing.
"GEG und Kommunale Wärmeplanung müssen miteinander abgestimmt werden"
Der VKU-Hauptgeschäftsführer äußerte sich auch noch einmal zur aktuellen Diskussion über die Entwürfe zum Gebäudeenergiegesetz. „Manches in der aktuellen Diskussion halte ich für überzogen. Man muss die Wärmewende ja forcieren, da kommen wir mit den Sanierungsraten der vergangenen 15, 20 Jahre nicht weiter“, bekräftigte er.
Liebing erneuerte seine Forderung, den technologischen Lösungsraum bei der Wärmewende offener und breiter zu gestalten. Das bedeute auch die Möglichkeit, auch hybride Lösungen zuzulassen, also etwa auch Heizungsanlagen, die H2-ready sind und umgerüstet werden können, wenn die Kommunale Wärmeplanung auch den Einsatz von Wasserstoff oder CO2-freien Gasen in der dezentralen Wärme mit vorsehe. „Wir brauchen hier mehr Praxistauglichkeit, das Gebäudeenergiegesetz muss verzahnt werden mit der Kommunalen Wärmeplanung und parallel in die Beratung gehen und miteinander abgestimmt werden“.
Ihm mache große Sorge, dass einerseits gesagt werde, es bestehe ja die Möglichkeit in der kommunalen Wärmeplanung mit Wasserstoff zu arbeiten und das andererseits in den Fachgesetzen diese Lösungen wieder ausgeschlossen werden könnten, so Liebing „Dann nutzt uns die Kommunale Wärmeplanung gar nichts".
"Veränderungdruck bedeutet auch Chancen für neue Geschäftsmodelle"
Ob die Zahlungsbereitschaft von Kunden oder die Höhe der benötigten Verbrauchsmengen – die Stadtwerkebranche steht aktuell weiterhin vor großen Herausforderungen. Aber auch der Veränderungsdruck mit Blick auf das Ziel der Klimaneutralität bleibt groß. Das eröffnet aber auch Chancen für neue Geschäftsmodelle und neue Geschäftsfelder, erklärte Sabine Jaacks, Bereichsleiterin Energieeffizienz, Energievertrieb und Energiehandel beim VKU.
Björn Heubner, Fachgebietsleiter Vertrieb/Handel Strom/Gas beim VKU stellte in diesem Kontext noch einmal, die vom Verband und PwC erarbeitete Studie "Positionierung von Stadtwerken im Endkundenmarkt 4.0“ vor. Diese ist mit Blick auf die Heterogenität der Stadtwerkelandschaft modular aufgebaut und arbeitet unter anderem fünf künftige Topgeschäftsmodelle heraus.
Eine der Kernaussagen der Studie: Die Transformation der Energieversorgung durch die Klimawende setzt die klassischen Geschäftsfelder noch stärker unter Druck, der Krieg in der Ukraine beschleunigt dies zusätzlich. Stadtwerke sind hier gefordert, auf diesen Wandel zu reagieren und die Zukunftsfähigkeit zu sichern. Insbesondere im Bereich der Energieeffizienz würden sich dabei bereits aktuell Chancen auftun.
Bamberg setzt auf Quartiersentwicklung und Energiedienstleistungen
Michael Fiedeldey, Geschäftsführer des Stadtwerke Bamberg, dem Gastgeber der diesjährigen VKU-Vertriebstagung, hält hier insbesondere langfristig, sichere Ertragsperspektiven jenseits des klassischebn Energievertriebs, für eine vielversprechende Stoßrichtung. In Bamberg heißt das konkret: Quartiersentwicklung und die damit verbundenen Optionen zum Verkauf von Energiedienstleistungen.
Fiedeldey sieht zwei Möglichkeiten zur Dekarbonisierung der Energieversorgung: Eine „gasbasierte Welt“ unter Nutzung CO2-neutraler Gase oder eine „strombasierte Welt“ unter Nutzung von Wärmepumpen und Umgebungswärmequellen. „Wir glauben an die strombasierte Welt“, erklärte er.
Leuchtturmprojekt nutzt Erdwärme und Wärme aus Abwasser
Er verdeutlichte dies an dem Leuchtturmprojekt des Lagarde-Quartiers. Auf dem 20 Hektar großen Gelände im Bamberger Osten entsteht ein neues Stadtviertel. Es handelt ich nach Angaben der Stadtwerke um eines der größten innerstädtischen Infrastrukturprojekte Deutschlands, im Fokus stehen dabei ein innovatives Wärme- und barrierefreies Mobilitätskonzept.
70 Prozent der Wärme einer bestehenden städtischen Infrastruktur mit Alt- und Neubauten, Wohnhäusern, Bürokomplexen und Gewerbeflächen mitten in der Stadt wird dabei mit Hilfe von Ressourcen erzeugt, die sich direkt vor Ort auf dem Gelände befinden. Zentrale Säulen der Wärmeversorgung sind oberflächennahe Erdwärme, Erdsonden sowie Wärme aus dem Abwasser, die über einen Abwasserwärmetauscher gewonnen wird.
"Langfristig ein sehr sicheres Geschäft"
„Wir werden langfristig nicht mehr über den Vertrieb von Gas die benötigten Margen generieren können. Der Campus des Lagardequartiers bindet den Kunden sehr lang an uns. So haben wir langfristig ein sehr sicheres Geschäft“, verdeutlichtet Fiedeldey.
Aktuell sei der Umsatzanteil im Erdgasvertrieb bei den Stadtwerken Bamberg noch sechs mal so hoch wie der Anteil beim Wärme-Contracting und der Fernwärme. In zehn Jahren werde der Anteil beider Geschäftsfelder am Umsatz bei den aktuellen politischen Rahmenbedingungen gleich groß sein. Aktuell machen die STWB im Erdgasvertrieb rund 30 Mio. Euro Umsatz, im Wärmevertrieb in etwa 5,5 Mio.bis sechs Mio. (hoe)
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Einen weiteren ausführlichen Bericht zur VKU-Vertriebstagung gibt es in der kommenden Printausgabe der ZfK, die am 3. April erscheint.



