Von Pauline Faust
Der Glasfaserausbau im niedersächsischen Neustadt am Rübenberge ist eine Erfolgsgeschichte der Stadtwerke. In nur drei Jahren hat der Ideenstadtwerke-Konzern in der Stadt mit 45.000 Einwohnern flächendeckend einen Breitbandanschluss ermöglicht. Nun haben die Stadtwerke mit der Meag, der Kapitalanlagegesellschaft des Dax-Konzerns Munich Re, einen externen Investor gewonnen.
"Wir können mit dem Einstieg der Meag den Wachstumskurs unserer Glasfasermarke Rasannnt auf rund 40.000 Kund*innen fortsetzen", sagt Dieter Lindauer, Geschäftsführer der Ideenstadtwerke. "Wir bauen damit ein zukunftssicheres Geschäftsfeld aus, schaffen weitere Arbeitsplätze in der Region und leisten einen beachtlichen Beitrag zum flächendeckenden Glasfaserausbau in der Region Hannover."
Seit 2021 hätten die Stadtwerke gute 50 Millionen Euro in den Glasfaserausbau investiert, so der Geschäftsführer. Nun seien die finanziellen Mittel inklusive Kommunaldarlehn erschöpft. "Wir haben die Niedrigzinsphase noch mitgenommen, aber mittlerweile ist der Einstieg eines Partners notwendig geworden", so Lindauer. Das Glasfasergeschäft sei für die Stadtwerke so profitabel, dass es einmal die Verluste beim Gas ausgleichen soll.
Die Meag hat Anteile am Glasfasernetz erworben, konkret hält sie künftig an zwei Stadtwerke-Töchtern Anteile. Bei der Gesellschaft, der das Neustädter Glasfasernetz gehört, sind es 49,9 Prozent und bei der Gesellschaft, die Glasfasernetze außerhalb hält und noch weitere Gebiete erschließen soll, sind es 74,9 Prozent. Die Meag stellt einen hohen zweistelligen Millionenbetrag für den weiteren Ausbau der Glasfaserinfrastruktur zur Verfügung.
Meag will noch weiter in kommunales Glasfaser investieren
Das Glasfasernetz der Ideenstadtwerke-Tochter Stadtnetze bildet die erste Investition der von Meag neu gegründeten Glasfaserplattform Optical Fiber Networks, die sich auf die Akquisition und den Ausbau von Glasfasernetzen in Deutschland konzentriert. In einem ersten Schritt sind konzerneigene Investoren engagiert. Auf Sicht soll die Plattform auch institutionellen Investoren zur Verfügung stehen. Ziel sei es, kommunalen Energieversorgern, Stadtwerken sowie kleineren Netzbetreibern zu ermöglichen, ihr Glasfasernetz flächendeckend schneller auszubauen.
Mit Digitalisierung und Automatisierung in den Markthochlauf
Für den Start ihrer Glasfaserplattform hat sich die Meag wohl ein Vorzeigeprojekt ausgesucht. Das Gebiet Neustadt ist nach kurzer Zeit bereits flächendeckend mit Glasfaser versorgt; laut Geschäftsführer liegt die Ausbauquote bei 99 Prozent (homes passed). Konkret angeschlossen sind zudem bis zu 70 Prozent der Haushalte (homes connected). Einen Glasfasertarif bei den Stadtwerken haben rund 50 Prozent (homes activated).
"Die wichtigste Erkenntnis ist sicherlich: Für den Erfolg braucht es einen hohen Automatisierungs- und Digitalisierungsgrad zwischen Vertrieb und dem anschließenden Netzausbau", so Lindauer. "Das ist der Schlüssel, um den Markthochlauf wirklich in Gang zu bringen."
Zu Beginn habe die Deutsche Glasfaser in Neustadt Werbung gemacht. Die Stadtwerke reagierten und setzten innerhalb von nur vier Wochen den Vertrieb auf. Das Ergebnis: plötzlich lagen 2000 Verträge in PDF-Form vor. "Es hat ein ganzes Jahr gedauert, bis diese Verträge vollständig verarbeitet waren", sagt Lindauer. Oft waren auch nicht alle Angaben korrekt. "Man musste jedem Kunden noch einzeln nachtelefonieren – meist abends."
Als Lösung baute man inhouse eine digitale Klickstrecke für den Kunden auf. Die dort gewonnen Daten werden aber nicht nur für die Vertragserstellung genutzt, sondern auch in die Planungs- und ERP-Systeme übernommen. Die Datensätze werden also ohne Medienbruch zwischen den Plattformen übergeben. "Unsere Tiefbauer haben heute einen direkten digitalen Zugang zur Planungssoftware, nutzen vor Ort digitale Trassenplanung und erstellen die Hausanschlüsse vollständig digital", sagt Lindauer.



