Über eine Aufstockung des RWE-Aktienpakets wurde in Dortmund schon länger nachgedacht. Jetzt hat sich die Stadt festgelegt: Bis 2025 will der größte kommunale RWE-Aktionär bis zu 1,3 Mio. weitere Aktien des Essener Energiekonzerns erwerben. Das hat der Aufsichtsrat der Stadtwerke Dortmund (DSW21) kurz vor dem Jahreswechsel beschlossen.
Ein Sprecher bestätigte auf ZfK-Anfrage entsprechende Berichte der "Ruhr-Nachrichten". Das Dortmunder Aktienpaket wird von der DSW21 verwaltet und bilanziert. Man werde jetzt einen günstigen Einstiegszeitpunkt abwarten, heißt es. Bei vollständiger Umsetzung der Zukaufpläne würde der Anteil der Stadt Dortmund an RWE von aktuell 3,8 auf über vier Prozent klettern. Die Kommune besitzt in etwa 23,6 Mio. RWE-Aktien.
Finanzierung über Fremdkapital
Konkreter Anlass für den anvisierten Anteilserwerb der Stadt Dortmund ist, dass der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) sich zum Jahresbeginn von einem Teil seiner RWE-Anteile getrennt hat. Den notwendigen Beschluss dazu hatte der LWL bereits vor Monaten gefällt. Die DSW21 haben ihr Aktienpaket ebenso wie der LWL, der Hochsauerlandkreis und die Regionalverkehr Ruhr-Lippe GmbH bereits vor Jahrzehnten in die Kommunale Beteiligungsgesellschaft mbH (KEB) eingebracht. An dieser hält allein Dortmund 65,1 Prozent.
Die KEB-Beteiligung soll die kommunalen Beteiligungsquoten sichern, beispielsweise im Falle einer Kapitalerhöhung. Bisher hatte die KEB-Holding fast 6,2 Prozent der RWE-Aktien gehalten, durch die Veräußerung eines Teils aus dem LWL-Portfolio ist dieser aktuell unter die meldepflichtige Schwelle von fünf Prozent gesunken. Durch die geplante Aufstockung der RWE-Anteile der Stadt Dortmund wird der Aktienanteil der KEB-Holding wieder auf über fünf Prozent klettern. Finanziert werden soll der Erwerb der RWE-Aktien über den Kapitalmarkt oder die Aufnahme von Darlehen, so der DSW21-Sprecher.
Einnahmen aus RWE-Dividenden von 70 Mio. Euro in den letzten drei Jahren
"Wir sehen bei RWE einen Strategiewechsel von einem konventionellen hin zu einem grünen Energieerzeuger und sind davon überzeugt, dass dieser konsequent umgesetzt wird", erklärte DSW21-Chef Guntram Pehlke. Neben dem Wandel hin zu einem der größten Produzenten erneuerbarer Energien in Europa führt die DSW21 auch die in den vergangenen Jahren wieder stabilen Dividenden des Energieversorgers und die künftigen Ausschüttungsperspektiven an.
Auf Basis der vom RWE-Vorstand empfohlenen Dividende von 80 Cent pro Aktie rechnet die DSW21 allein für 2019 mit einer Ausschüttung von rund 19 Mio. Euro. Nimmt man die Dividendenzahlungen von 2017 und 2018 hinzu, so hätte die Stadt Dortmund über ihr RWE-Engagement in den vergangenen drei Jahren rund 70 Mio. Euro an Einnahmen erzielt. Davon entfielen allerdings 23,6 Mio. Euro auf eine Sonderdividende für das Geschäftsjahr 2017. Diese hing mit der Rückerstattung der Brennelementesteuer zusammen.
Wichtiger Beitrag zum Defizitausgleich im ÖPNV
Die RWE-Dividenden leisten laut dem DSW21-Sprecher einen wichtigen Beitrag dazu, das Defizit des Verkehrsbereichs von DSW21 – dieses summierte sich allein im Jahr 2018 auf insgesamt 56 Mio. Euro – auszugleichen und den ÖPNV bezahlbar zu halten. (hoe)



