Enercity hat seine Finanzierungskonzept für seine Investitionen bis 2030 vorgelegt. Unteranderem will der Energiekonzern aus Hannover stärker auf ausländisches Fremdkapital setzten und bei der Politik um Förderkredite werben.
"Die Zeiten der Vollausschüttungen sind aufgrund der gewaltigen Investitionen definitiv vorbei. Bis 2030 werden wir 7,6 Milliarden Euro überwiegend in die Energie- und Wärmewende investieren", erklärt Finanz- und Infrastrukturvorstand Marc Hansmann auf einer Pressekonferenz.
Ein starkes Eigenkapital als Fundament
Enercity setzt auf Eigenkapital als Basis für seine umfangreichen Investitionen.
Das Eigenkapital des Gesamtkonzerns beträgt derzeit 1,08 Milliarden Euro, bis 2030 will der Konzern es um 1,6 Milliarden Euro steigern.
Vielseitige Finanzierungsstrategien
Das Finanzierungskonzept umfasst verschiedene Maßnahmen zur Stärkung des Eigenkapitals. Dazu zählen die Nicht-Ausschüttung überplanmäßiger Gewinne, die Ausgabe von Genussscheinen sowie die Gewinnung von Eigenkapitalpartnern mit einer Minderheitsbeteiligung für geplante und bestehende Windparks und große Freiflächen-Solaranlagen.
Darüber hinaus spielen Fördermittel eine wichtige Rolle. "Wir schaffen die Investitionen in die Energiewende aus eigener Kraft. Um die Preise für unsere Kundinnen und Kunden dauerhaft stabil halten zu können, wäre mehr Unterstützung – zum Beispiel in Form von Förderkrediten – wünschenswert", so Hansmann.
Fremdfinanzierung und Internationalisierung
Enercity plant eine Fremdfinanzierung in Höhe von 2,7 Milliarden Euro. "Der deutsche Kapitalmarkt ist dafür im Grunde zu klein. Daher internationalisieren wir uns hinsichtlich unseres Bankenportfolios seit einiger Zeit", erklärt Hansmann. Der Manager schaut hier nach Großbritannien und Japan, Verträge mit zwei französischen Großbanken bestünden bereits.
Besonders für die Investitionen in Windparks will Enercity Anteil der Projektfinanzierung erhöht. Der größte Anteil im Finanzierungskonzept entfällt jedoch auf die Innenfinanzierung durch verdiente Abschreibungen, die bis 2030 auf 2,9 Milliarden Euro ansteigen werden.
Fördermittel und Kredite für langfristige Investitionen
Enercity setzt zudem auf langfristige Förderkredite, um die finanziellen Belastungen zu strecken und die öffentlichen Haushalte zu entlasten. Solche Kredite könnten beispielsweise von Förderbanken wie der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) oder der niedersächsischen NBank bereitgestellt werden und über mindestens 30 Jahre laufen.
Zur Ermöglichung solcher Kredite lobbyiert Enercity derzeit die Landes- und Bundespolitik, da die benötigten Summen noch den regulatorischen Rahmen und die Eigenausstattung der Förderbanken sprengten.
Hansmann, der selbst einmal im Finanzministerium gearbeitet hat, betont, dass eine stärkere Eigenausstattung der KFW sich nicht auf die Schuldenbremse auswirke.
Massive Investitionen in die Stromnetze
Ein wesentlicher Teil der Investitionen fließt in den Ausbau und die Digitalisierung der Stromnetze. Zwischen 2024 und 2045 sollen 2,7 Milliarden Euro für den Neubau, die Verstärkung und die Modernisierung der Netze aufgewendet werden. "Fast jedes Umspannwerk wird entweder neu gebaut oder zumindest erneuert werden müssen", sagt Hansmann. (pfa)
- In der Juni-Ausgabe der gedruckten ZfK finden Sie auf Seite 21 ein Interview mit dem Enercity-Vorstand Marc Hansmann zur Unternehmensstratgie.



