Dieter Spürck (Bürgermeister Kolpingstadt Kerpen), Albrecht Möllmann (Vorstandsvorsitzende HyCologne), Sophie Kreutner (Stabsstelle Strukturwandel Kerpen), Jochen Eickholt (Vorstand Siemens Energy), Katherina Reiche (Vorstandsvorsitzende Westenergie), Walter Reinarz (Geschäftsführer REVG), Andreas Pinkwart (Wirtschaftsministerium NRW) und Michael Kreusch (Geschäftsführer Stadtwerke Kerpen) bei der Präsentation des Wasserstoff-Projektes (vlnr)

Dieter Spürck (Bürgermeister Kolpingstadt Kerpen), Albrecht Möllmann (Vorstandsvorsitzende HyCologne), Sophie Kreutner (Stabsstelle Strukturwandel Kerpen), Jochen Eickholt (Vorstand Siemens Energy), Katherina Reiche (Vorstandsvorsitzende Westenergie), Walter Reinarz (Geschäftsführer REVG), Andreas Pinkwart (Wirtschaftsministerium NRW) und Michael Kreusch (Geschäftsführer Stadtwerke Kerpen) bei der Präsentation des Wasserstoff-Projektes (vlnr)

Bild: © MWIDE NRW/M.Hermenau

Drei Jahre nach der Gründung umfasst das Team der Stadtwerke Kerpen-Gruppe neben dem Chef Michael Kreusch mit studentischer Unterstützung zehn Personen. Gestartet ist er alleine: Per Definition sind sie ein "Start-up", welches sich zu einem ernst zu nehmenden Energiedienstleistungsunternehmen vor Ort entwickeln möchte. Initialzündung waren die auslaufenden Konzessionsverträge. Die Chance nutze die 70.000-Einwohnerstadt, um die Stadtwerke Kerpen zu gründen.

Lesen Sie in der ZfK-Oktoberausgabe auf Seite 20 mehr über die Entwicklungen der Stadtwerke Kerpen und dem Start auf der "grünen Wiese"

Gleichzeitig unterstützen sie bereits zusammen mit der Kolpingstadt als Konsortialführer das Großprojekt "SpeicherStadtKerpen". Bis 2032 soll die 70.000-Einwohnerstadt ein klimaneutrales Innovationszentrum im Rahmen des Konzeptes werden. Sukzessive werden die Sektoren Energie, Mobilität, Logistik, Industrie und Wohnen miteinander gekoppelt. Ein zentraler Fokus liegt dabei auf dem Ausbau erneuerbarer Energien, den die Stadtwerke federführend voranbringen, und dem Aufbau einer grünen Wasserstoffwirtschaft. Neun Teilprojekte umfasst das Vorhaben.

Logistikunternehmen: Wasserstofftankstelle mit Elektolyseur

Die Kolpingstadt liegt nah bei Köln, an einem Autobahnkreuz, wo viele Logistikunternehmen angesiedelt sind. Gemeinsam mit Westenergie und Siemens Energy wollen die Kommune und die Stadtwerke in einem der Teilprojekte dieses Potenzial nutzen. Zwei potenzielle Partner haben ihr Interesse bekundet, Ihre Mobilität künftig klimaneutral zu gestalten: die Rheinische Verkehrsgesellschaft und die Spedition Freund.

Auf dem gemeinsamen Gelände soll eine Wasserstofftankstelle entstehen sowie ein passender 17,5-MW-Elektrolyseur angedockt werden, um den neuen Kraftstoff zu gewinnen. Der überschüssig produzierte Wasserstoff soll per Abfüllanlage weiteren Unternehmen zur Verfügung gestellt werden. Gerade bei der Umsetzung des Großprojektes zeigen sich die Synergieeffekte. Es braucht Strom aus den Erneuerbaren, wenn der Wasserstoff künftig "grün" sein soll. Die Stadtwerke planen die Betreibergesellschaft zu führen.

PV- und Windanlagenausbau: Wasserstoff aus 100 Prozent Regionalstrom?

"Bisher haben wir nur kleinere erneuerbare Anlagen. Die Fläche der Stadt entspricht jedoch einem Viertel von Köln. Dementsprechend besitzen wir große Potenziale, die wir erschließen werden", erläutert Kreusch. Der Stadtwerke-Chef ist sich sicher, dass der Wasserstoff künftig zu 100 Prozent aus erneuerbarem Regionalstrom gewonnen werden kann. Entlang der Autobahn 4 betrieben die Stadtwerke bereits eine knapp zwei Kilometer lange PV-Anlage. Weitere PV-Anlagen sind gerade in Planung. Darüber hinaus laufen Verhandlungen zur Errichtung von Windkraftanlagen. Bis Ende 2023 wollen die Stadtwerke ihre Kunden hieraus beliefern.

Quartiersentwicklung und Glasfaserausbau

Ein weiteres Geschäftsfeld mit Wachstumspotenzial ist die Quartiersentwicklung. Die Stadtwerke haben mit einem Partner ein kaltes Nahwärmenetz entwickelt und gebaut, welches seit dem zweiten Quartal wärmeseitig in Betrieb ist und Mitte nächsten Jahres fertiggestellt wird. Hier wurden 83 Wohneinheiten werden erschlossen und künftig von zwei Blockheizkraftwerken und dezentralen Wärmepumpen im Rahmen eines digitalen Quartiersmanagements versorgt. Ebenso haben die Stadtwerke ein sogenanntes Arealnetz und die entsprechende Glasfaserinfrastruktur aufgebaut.

Daneben investieren und arbeiten die Stadtwerke bereits an den Zukunftsinfrastrukturen. So sind sechs öffentliche E-Ladepunkte für ein Ladesäulennetz entstanden, weitere sollen folgen. Darüber hinaus schließen die Stadtwerke die "Weißen Flecken" des Glasfasernetz im Rahmen einer Bundesförderung. Hierfür erhalten sie 10 Mio. Euro. Innerhalb der Stadtwerke Kerpen-Gruppe wurde bereits in 2019 ein bestehendes Glasfasernetz erworben. Dabei bleiben sie aber nur Besitzer. Sie verpachten den vertrieblich genutzten Anteil des Netzes. "Die Ressourcen um eigene Produkte anzubieten, besitzen wir noch nicht", ergänzt der Geschäftsführer. (gun)

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