Die Stadtwerke Bielefeld haben ihren Gewinn im abgelaufenen Geschäftsjahr im Vergleich zum Vorjahr fast versiebenfacht. Am Ende betrug das Jahresergebnis 84,2 Mio. Euro (Vorjahr: 12,6 Mio. Euro). Der Umsatz stieg von 581 Mio. auf 695 Mio. Euro.
Als Hauptgründe für den Gewinnsprung führt das kommunale Unternehmen zwei Faktoren an: positive Entwicklungen im operativen Geschäft sowie Sondereffekte im Zusammenhang mit dem Kernkraftwerk Grohnde.
AKW Grohnde: 10,4 TWh Strom produziert
Ende 2021 war das in Niedersachsen gelegene Kernkraftwerk, an dem die Stadtwerke zu 16,7 Prozent beteiligt sind, vom Netz gegangen. Die zwölf Monate zuvor war es zu 88 Prozent auf Volllast gefahren und produzierte noch einmal 10,4 TWh Strom, wie Daten der Plattform Energy-Charts zeigen.
Die gestiegenen Strompreise im Großhandel kamen dem 1,4-GW-Kraftwerk zugute. "Wir haben sehr zeitnah und sehr erfolgreich über die Konditionen der erforderlichen Reststrommengen verhandelt", teilte Rainer Müller, Geschäftsführer der Stadtwerke, mit. "Dadurch sind in Verbindung mit der Preisentwicklung an der Strombörse Erträge entstanden, mit denen in dieser Höhe im Vorfeld nicht zu rechnen war." Die Folge: Grohnde allein steuerte 60 Mio. Euro zum Ergebnis vor Steuern bei.
"Mit Abstand günstigster Anbieter in Bielefeld"
Ferner habe das operative Ergebnis "maßgeblich" zum Ergebnis beigetragen, hieß es weiter. So steigerte das Unternehmen seinen Stromabsatz um zwei Prozent auf 3,6 Mrd. kWh. Im Gasgeschäft stieg der Absatz gar um zwölf Prozent auf 3,9 Mrd. kWh. Als Gründe nannten die Stadtwerke die sehr kalte Witterung sowie ein Kundenzuwachs, der wohl auch auf die Lieferstopps von Konkurrenten zurückzuführen war.
Wie viele andere Grundversorger hatten die Stadtwerke Bielefeld im vergangenen Winter separate und teurere Grundtarife für Neukunden eingeführt. Im August wollen sie die Tarife wieder zusammenführen. (Die ZfK berichtete.) "Durch unsere vorausschauende Beschaffungsstrategie konnten wir unsere Bestandskunden 2021 vor großen Preissteigerungen bewahren", kommentierte Müller. "Auch aktuell sind wir mit Abstand der günstigste Anbieter in Bielefeld."
Ergebnis der Entsorgungstochter "besonders gut"
Die Entsorgungsfirma und Stadtwerketochter Interargem mit ihren Müllverbrennungsanlagen in Bielefeld und Hameln verzeichnete ein Ergebnis von 21 Mio. Euro, was der Mutterkonzern als "besonders gut" adelte. Weniger Verlust als im Vorjahr fuhr die Nahverkehrstochter Mobiel ein.
Das Minus sei dank staatlicher Unterstützungsprogramme und der zeitweisen Entspannung der Coronalage besser als geplant ausgefallen, wie es hieß, und betrug am Ende 32,8 Mio. Euro (Vorjahr: 27,9 Mio. Euro). Dazu kam ein Jahresfehlbetrag bei Sauna und Bädern, der sich diesmal auf 10,2 Mio. Euro belief. (aba)



