Die Stadtwerke Bielefeld haben den Stresstest Corona bislang bestanden. Trotz massiver Umsatzrückgänge im ÖPNV verzeichnete die Kommunalgruppe im vergangenen Jahr ein positives Ergebnis von 12,6 Mio. Euro (Vorjahr: 1,4 Mio. Euro), heißt es in einer Pressemitteilung.
Auch für dieses Jahr könnte das Ergebnis demnach deutlich besser ausfallen als geplant. "Das Kerngeschäft der Stadtwerke Bielefeld ist und bleibt profitabel", lässt sich Geschäftsführer Rainer Müller zitieren.
Rückgang bei Gasabsatz
Stabil hielten die Stadtwerke ihren Stromabsatz. Die 3,5 Mrd. kWh lagen annähernd auf dem Vorjahresniveau.
Im Gassegment registrierte das Unternehmen dagegen einen Rückgang von einem Viertel auf 3,5 Mrd. kWh. Als Gründe wurden hier die überdurchschnittlich warme Witterung sowie coronabedingte Absatzrückgänge im Kleingewerbe und bei Sondervertragskunden genannt.
Mobiel leidet unter Corona
Besonders hart traf die Corona-Pandemie die Verkehrstochter Mobiel. 2019 hatten noch 60 Mio. Fahrgäste Busse und Stadtbahnen des Unternehmens genutzt. Ein Jahr später waren es nur noch 33,6 Mio.
Erstmals seit drei Jahrzehnten waren die Zahlen rückläufig. Mobiel geht davon aus, dass die alten Fahrgastzahlen wohl nicht vor 2024 wieder erreicht werden. Die Erholung werde nur langsam und schrittweise geschehen, heißt es.
ÖPNV-Rettungsschirm wirkt
Entsprechend stark brach der Umsatz ein. Die Erlöse sanken um zwölf Prozent auf 54,2 Mio. Euro.
Immerhin: Der ÖPNV-Rettungsschirm von Bund und Land verhinderte, dass die Verluste außer Kontrolle gerieten. Die zuständige Bezirksregierung Detmold zahlte im Dezember zum Ausgleich der ermittelten vorläufigen Schadenssumme elf Mio. Euro für den Zeitraum März bis Dezember 2020 aus.
Jahresverlust sinkt
So fiel das Jahresminus mit 27,9 Mio. Euro sogar um 1,6 Mio. Euro geringer aus als ursprünglich für 2020 geplant. Im Vorjahr hatte Mobiel einen Verlust von 23,3 Mio. Euro eingefahren.
Investieren wollen die Stadtwerke zuvorderst in ihr Bestandsgeschäft, sprich die Versorgung mit Strom, Gas, Wärme und Wasser.
5 Mio. für Groß-Batteriespeicher
Knapp 67 Mio. Euro stellte das Unternehmen im vergangenen Jahr für diese Bereiche bereit. Schwerpunkte waren die Versorgungsnetze (19,6 Mio. Euro), die Errichtung eines Groß-Batteriespeichers (4,8 Mio. Euro), die Erweiterung der IT-Infrastruktur sowie der Breitbandausbau (22,7 Mio. Euro).
Künftig wollen die Stadtwerke vor allem in den Aufbau eines flächendeckenden Glasfasernetzes, die Umstellung auf erneuerbare Energien und den Erhalt und Ausbau der Energie- und Wasserinfrastruktur investieren.
Langfristig städtische Finanzmittel
Wie die Stadtwerke diese Ausgaben schultern wollen, ist noch offen. Zumal mit Abschaltung des Kernkraftwerks Grohnde Ende 2021, an dem die Stadtwerke beteiligt sind, ein großer Ertragsbringer wegfällt.
Ziel sei es, langfristig städtische Finanzmittel für die Investitionen im Verkehr und Bäderbereich zu erhalten, erklärt Geschäftsführer Martin Uekmann. "Das ist erforderlich, um die notwendigen und nachhaltig wirtschaftlichen Investitionen in der Versorgung zu sichern." (ab)



