Den Stadtwerken Bonn scheinen finanziell harte Zeiten bevorzustehen. Wie die Bonner Tageszeitung "General-Anzeiger" berichtet, prognostiziert der Kommunalkonzern bis 2025 für jedes Jahr deutliche Einbußen.
Insgesamt bräuchte er demnach 70 Millionen Euro, um in den nächsten fünf Jahren eine ausgeglichene Bilanz vorweisen zu können. Das Blatt beruft sich auf Zahlen im Wirtschaftsplan der Stadtwerke für das laufende Jahr.
Corona "weitestgehend" für Minus verantwortlich
Auf Nachfrage der ZfK teilt die Stadt Bonn mit, dass sie keine Angabe über die Höhe mache, da es sich um eine nichtöffentliche Beschlussvorlage handle. Gleichfalls spricht sie von einem "erheblichen Verlust".
Das Minus ergebe sich "weitestgehend" aus der Annahme der Stadtwerke, dass coronabedingte Mehrbelastungen das Betriebsergebnis negativ beeinflussen würden. Insbesondere Belastungen im Nahverkers- und Parkgeschäft dürften gemeint sein. Aktuell gebe es noch keine Regelung des Bundes und des Landes Nordrhein-Westfalen zu etwaigen Ausfallerstattungen.
Lead-City-Programm als Kostentreiber
Deshalb werde die Stadt diesen Verlust im Rahmen der sogenannten Bilanzierungshilfe isolieren, gesondert ausweisen und vom Haushaltsjahr 2025 an entweder gegen die allgemeine Rücklage verrechnen oder über einen Zeitraum von bis zu 50 Jahren abschreiben.
Verluste von 2023 wiederum enthielten keine pandemiebedingten Verschlechtungen mehr. Dafür schlage die uneingeschränkte Fortführung des Lead-City-Programms zu Buche. Dafür würden etwa acht Millionen Euro angenommen.
Stadtkasse fängt wohl Verluste auf
Im Rahmen des vom Bund geförderten Lead-City-Projekts schafft der Konzern etwa durch Taktverdichtungen zusätzliche Anreize, die Luftqualität in der Stadt zu verbessern und den öffentlichen Nahverkehr öfter zu nutzen. Für die Fortführung der Maßnahmen gibt es aber nach Aussage der Stadt weder Ratsbeschlüsse noch Hinweise auf eine Fortführung der Förderung durch den Bund. Dies werde in zukünftigen Wirtschaftsplänen der Stadtwerke berücksichtigt und gegebenfalls angepasst.
Als wahrscheinlich gilt, dass die Stadtkasse auch die restlichen Verluste auffangen wird. "Damit kein Eigenkapitalverzehr erfolgt, ist ein jährlicher Verlustausgleich in der Planung unterstellt", teilen die Stadtwerke mit.
Klimaneutral bis 2035
Auch sonst stehen die Stadtwerke vor einem Umbruch. Nach dem Willen der Kommunalpolitik sollen sie bis 2035 klimaneutral werden. Deshalb soll bis dahin etwa die Busflotte komplett auf E-Mobilität umgerüstet werden.
Die Umstellung des Fuhrparks verursache nach derzeitigem Kostenniveau bis ins Endstadium Mehraufwendungen von etwa zehn Millionen Euro pro Jahr, heißt es. Dies wiederum sei im Wirtschaftsplan noch gar nicht mit eingerechnet, schreibt der "General-Anzeiger".
26 neue Straßenbahnen
Dazu kommt etwa der Kauf von 26 neuen Straßenbahnen. Die Fahrzeuge sollen von Mitte 2022 an nach Bonn geliefert werden. Die Kosten dafür wurden Ende 2019 mit mehr als 100 Millionen Euro beziffert.
Der Bonner Kommunalkonzern verantwortet mehrere Geschäftsbereiche. Traditionell fährt die Nahverkehrssparte Verluste ein. Diese werden aber in der Regel insbesondere von der Stadtwerketochter Energie und Wasser mehr als ausgeglichen. Noch im Jahr 2019 etwa gelang dem Konzern somit ein Ergebnis von 2,6 Millionen Euro. (ab)
Korrektur: In einer ersten Version hieß es, die Stadtwerke Bonn sollen bis zum Jahr 2025 klimaneutral werden. Tatsächlich ist das Jahr 2035 richtig. Dies wurde entsprechend korrigiert.



