Wie stark die Stadtenergie, Tochter der Dortmunder Energie- und Wasserversorgung (DEW21) für den bundesweiten Energievertrieb, auf Bündelprodukte setzt, zeigt sie auf ihrer Website. Da wirbt sie oben nicht etwa mit Strom und Gas inklusive Bonus. Stattdessen heißt es: "100% Ökostrom oder Ökogas mit z.B. Nintendo Switch".
Wer nun kein Gamer ist und mit Nintendo Switch nicht viel anfangen kann, für den bietet die Stadtenergie E-Scooter, E-Bikes oder Amazon-Gutscheine an. Derzeit jedenfalls. Denn dank einer leistungsfähigen, individuellen Software kann die Stadtenergie ihre Prämienprodukte je nach Bedarf und Interesse rasch anpassen.
Bündelprodukt für Strom und Gas
Etwa zehn Prozent des Kundenbestands hätten sich bereits für ein solches Bündelprodukt entschieden, berichtete Muhdi Moussa, Leiter Verkauf und Marketing bei der Stadtenergie, auf der VKU-Vertriebstagung. "Tendenz steigend."
Und die Stadtenergie will noch weitergehen. Voraussichtlich im zweiten Quartal wolle sie ein Bündelprodukt für Strom und Gas einführen, verkündete Moussa. Kunden, die sich dafür entscheiden, sollen mit zusätzlichen Vorteilen belohnt werden.
Einführung von Paypal
Außerdem will das Unternehmen auch auf den US-Bezahldienst Paypal setzen. "Wir wollen diese Zahlungsmethode nicht nur für einzelne Produkte anbieten, sondern auch etwa für Auszahlungen von Gutschriften bis hin zum Mahnwesen", sagte Moussa. "Das ist ein Zeichen dafür, dass wir nicht nur Strom und Gas mit attraktiveren Preisen verkaufen, sondern auch digitale Dienstleistungen bieten wollen."
Digitale Bündelprodukte, sei es mit externen Kooperationspartnern oder internen Zusatzprodukten, gelten als wichtiger Pfeiler im Vertrieb der Zukunft. Sie können helfen, Commodity-Produkte zu emotionalisieren, Kunden noch umfassender an ein Unternehmen zu binden und somit den Unternehmensgewinn insgesamt zu steigern.
Rabatte rund um Shoppen und Freizeit
Allerdings sind digitale Bündelprodukte technisch anspruchsvoll. Bislang sind es vor allem die Großen in der Branche, die mit ihnen experimentieren.
Neben der Stadtenergie sind das etwa die Stadtwerke Bielefeld. Sie haben eine Online-Plattform aufgesetzt, die sich Stadtwerke-Club nennt. Dort bieten sie ihren Energiekunden exklusive Rabatte rund ums Shopping und andere Freizeitaktivitäten an.
Nahverkehr mit E-Bike
Seit Einführung im Oktober 2019 hätten die Stadtwerke 3000 Mitglieder und 30 Partner gewinnen können, sagte Marketingleiter Christian Kracht. Zudem habe es mehr als 150 Aktionen gegeben. Aktuell verlosen die Stadtwerke dort Bücher und einen Seepferdchen-Kurs. In der Vergangenheit waren es schon mal Treffen mit Fußballprofis von Arminia Bielefeld.
Zudem testet der Versorger andere Kombi-Modelle. Von März bis Juni 2020 etwa verknüpfte er Nahverkehrs-Flatrates mit der Finanzierung von klassischen Fahrrädern oder E-Bikes. Dafür kooperierten die Stadtwerke mit der Fahrradkette BOC. Eine Neuauflage in diesem Frühjahr sei geplant, sagte Kracht.
Daten auf Landkreisebene
Wer Kunden gewinnen und halten will, muss ihre Erwartungen und Bedürfnisse kennen. Allerdings dürften kleine und mittelgroße Stadtwerke kaum eigene Ressourcen haben dürften, eigenständig umfangreiche Daten dazu zu erheben.
Deshalb haben der VKU-Verlag und das Meinungsforschungsunternehmen Civey ein Produkt entwickelt, das diese Aufgabe übernehmen soll. Sie bieten an, Fragen für Stadtwerke in Echtzeit zu beantworten. Civey bricht die Ergebnisse dabei bis auf die Landkreisebene herunter.
Beispiel Bielefeld
Thomas Schwemin, Projektverantwortlicher bei Civey, führte das Tool auf der VKU-Vertriebstagung vor. Beispiel Landkreis Bielefeld. Frage: In welchem Bereich sollte Ihr Stadtwerk Ihrer Meinung nach mehr Produkte und Dienstleistungen anbieten?
Die meisten Umfrageteilnehmer entschieden sich für den öffentlichen Personennahverkehr (37 Prozent), Breitband-Telekommunikation (33 Prozent) und E-Mobilität (31 Prozent). Am wenigsten Bedarf sahen sie bei vernetzter Mobilität wie Sharingangeboten und Digitalisierung/Smart Home (beide 15 Prozent).
Kosten für Komplettpaket
Wer das Komplettpaket mit 24 Fragen buchen wolle, der zahle pro Jahr 6000 Euro, sagte Schwemin. Wer dagegen nur zwölf Fragen auswählen wolle, für den koste das Paket 4000 Euro. (ab)
Siehe auch: Tibber-Deutschland-Chefin: "In der Energiebranche ist lange recht wenig passiert"
