Tibber-Deutschland-Chefin Marion Nöldgen

Tibber-Deutschland-Chefin Marion Nöldgen

Bild: © Tibber Deutschland

Gut ein Jahr ist es her, dass das skandinavische Start-up Tibber eine deutsche Tochter gründete, um den Energiemarkt hierzulande aufzuwirbeln. An Geld dürfte es seitdem nicht gemangelt haben. Erst im Herbst 2020 sammelte das Jungunternehmen für seine Expansion in Deutschland und anderen Märkten 65 Millionen US-Dollar ein. (Die ZfK berichtete.)

Dabei gilt damals wie heute: Tibber möchte anders sein als die arrivierte deutsche Energiebranche. Dynamischer und digitaler, jünger und auch umweltfreundlicher. Ein Gespräch mit Tibber-Deutschland-Chefin Marion Nöldgen:

Frau Nöldgen, bevor sie Anfang 2020 Chefin von Tibber Deutschland wurden, arbeiteten Sie für einen Umzugsservice, eine Buchungsplattform für Restaurants und eine Videoagentur. Dabei ging es immer um Digitalisierung und Automatisierung, aber wohl nie um Strombörse und Smart Meter.

Tatsächlich war die Energiebranche für mich etwas ganz Neues. Noch immer lerne ich einiges dazu. Aber diese frische Perspektive ist auch ein Vorteil.

Inwiefern?

Auch Gründer von Start-ups wie Uber oder Booking.com sind nicht zwingend aus der Taxi- oder Hotelbranche gekommen und haben sich mit ihrem digitalen Know-how dann doch durchgesetzt. Ich glaube, dass in der Energiewirtschaft lange Zeit recht wenig passiert ist, was Geschäftsmodelle und -prozesse angeht. Da wollen wir mit Tibber eine Alternative bieten, die Nachhaltigkeit, Leidenschaft und Digitalisierung miteinander verbindet. Wir sind überzeugt: Schon 2035 wird ein digitaler Player größter Energieversorger in Deutschland sein.

Tibber hat in Schweden und Norwegen angefangen. Warum jetzt Deutschland?

Deutschland ist allein schon wegen seines großen Strommixes spannend. Je weiter die Energiewende voranschreitet, desto schwieriger dürfte es werden, die Netzstabilität zu halten. Wir wollen ohne viel Regulierung und Bürokratie, dafür mit echter technischer Innovation unseren Beitrag dazu leisten, das Netz zu stabilisieren. Zudem sieht es aus, als stünde Deutschland am Anfang eines Riesen-E-Auto-Booms. Auch das kommt uns entgegen. Zum Schluss gehören die Deutschen zu den bewusstesten Konsumentengruppen weltweit, wenn es um Nachhaltigkeit und Ökostrom geht. Auch hier sehen wir viel Potenzial.

Was unterscheidet Tibber von anderen Energieversorgern in Deutschland?

Unsere Verträge haben keine Mindestvertragslaufzeit und sind jederzeit mit einer Frist von vier Wochen kündbar. Die Kilowattstunde Ökostrom geben wir zudem zum Marktpreis weiter und berechnen nur eine monatliche Gebühr von 3,99 Euro. Preise und Stromverbrauch werden dabei auf unserer App stündlich aktualisiert und berechnet, soweit unsere Kunden einen Smart Meter haben.

Was ist mit den vielen deutschen Haushalten, die keinen Smart Meter haben?

Bei diesen Kunden rechnen wir einen durchschnittlichen Monatspreis aus den Börsenstrompreisen ab. Das macht auch gar keinen so großen Unterschied zur stündlichen Preisberechnung, wenn die Kunden nicht gerade ein E-Auto oder eine Wärmepumpe haben.

Wie viele Kunden hat Tibber inzwischen in Deutschland?

Wir kommunizieren unsere Zahlen nicht auf Länderebene. In unseren Märkten Norwegen, Schweden und Deutschland zusammen haben wir aber mittlerweile knapp 120.000 Kunden.

Und wie ist das Profil dieser Kunden?

Wir fokussieren uns auf zwei Zielgruppen. Die einen sind Hausbesitzer, die eher ländlich wohnen. Sie haben eine Solaranlage auf dem Dach, einen Smart Meter im Keller und am besten noch ein Elektroauto in der Garage. Sie können das Tibber-Angebot optimal nutzen, um alles miteinander zu verbinden und zu steuern. Die anderen leben in städtischen Wohnungen. Ihnen scheint wichtig, dass wir ausschließlich grünen Strom anbieten und nichts am Stromkonsum verdienen. Insgesamt ist das Gros unserer Kunden Ende 20 bis Mitte 40 Jahre alt.

Tibber wirbt damit, 100 Prozent Ökostrom zu verkaufen. Doch woher stammt der Strom, den Sie verkaufen?

Aus deutschen Wasserwerken und Windparks. Welche das sind, zeigen wir auch transparent in der App.

Noch dürfte Tibber außerhalb der Energiebranche nur wenigen ein Begriff sein. Wie läuft Ihr Marketing in Deutschland an?

Im Moment machen wir außer ein wenig auf Social Media noch nicht wirklich viel. [Auf Facebook hat Tibber Deutschland derzeit knapp 20.000 Abonnenten, auf Instagram etwas mehr als 850 Abonnenten.] Damit werden wir wohl erst dieses Jahr anfangen.

Das Interview führte Andreas Baumer

Dieser Text ist ein Ausschnitt aus einem längeren Interview mit Tibber-Deutschland-Chefin Marion Nöldgen. Womit Tibber neben Tarifen noch Geld verdienen will und auf welche Konkurrenten das Unternehmen besonders genau achtet, lesen Sie in der jüngst erschienenen Printausgabe. Zum Abo geht's hier.

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