Schnee, Eis und Temperaturen weit unter dem Gefrierpunkt: Der neuerliche, noch heftigere Wintereinbruch der vergangenen Tage hat Deutschland im wahrsten Sinne kalt erwischt. Die Witterungsbedingungen stellten kommunale Verkehrsbetriebe und die Betriebe der öffentlichen Daseinsvorsorge vor besondere Herausforderungen.
Wir haben bei mehreren Stadtwerken nachgefragt und die Situation für Sie zusammengefasst. Eine Übersicht über die größten Herausforderungen:
Eis setzt Busse außer Gefecht
Vielerorts kam es in Folge von Schneeverwehungen und Blitzeis in dem noch jungen Jahr 2026 zu Problemen im öffentlichen Nahverkehr. Nach starkem Schneefall musste am ersten Wochenende im neuen Jahr zeitweise der gesamte Busverkehr in Kiel eingestellt werden. In der Folge des 18-stündigen Ausfalls kündigte die Stadt eine Ausweitung des Winterdienstes an. Auch in Bremen kam es zu einer Einstellung des Bus- und teils auch des Straßenbahnbetriebs.
Während witterungsbedingte Ausfälle und Verspätungen im öffentlichen Nahverkehr keine Seltenheit sind, lässt eine Meldung aus Heidelberg jedoch aufhorchen. Wie die Rhein-Neckar-Verkehr GmbH (RNV) am Freitag mitteilte, kam es zu zahlreichen Fahrtausfällen auf den Buslinien. Als Grund wurden keineswegs gefährliche Verkehrsbedingungen genannt, sondern eine Störung der Wasserstoffbrennstoffzellen. Die Störung soll Folge der Kälte gewesen sein, der Fehler würde beim Hersteller liegen, heißt es.
Dass die Wasserstoffbusse bei Frost Probleme machen, ist bereits seit Anfang Dezember bekannt. Grund hierfür sind Kompressoren, die in den Fahrzeugen verbaut wurden. Auf eine Anfrage der ZfK antwortete die RNV zunächst nicht.

In Osnabrück lag die besondere Herausforderung für den ÖPNV in der Kombination aus starkem Schneefall, Eisglätte und schnell wechselnden Wetterlagen. "Osnabrück ist topografisch geprägt durch einige Steigungen und Gefällestrecken, die bei winterlichen Bedingungen besonders kritisch sind", so ein Sprecher auf Anfrage. Hinzu komme, dass sich die Straßenverhältnisse sehr unterschiedlich entwickelt hätten: Während einige Bereiche bereits geräumt waren, blieben andere – insbesondere in Randlagen und an Steigungen – lange Zeit glatt oder vereist. "Für uns bedeutete das, den Betrieb sehr differenziert zu bewerten und ständig neu zu entscheiden, wo ein sicherer Busverkehr möglich ist und wo nicht", heißt es weiter.
Die Stadtwerke Bonn zeigen sich nach dem Quasi-Kältetest hochzufrieden. "Unsere neuen E-Busse aus dem Jahr 2025 sind ausgereift und können unter allen Witterungsverhältnissen zuverlässig eingesetzt werden", sagte eine Sprecherin auf Anfrage. Für den Komfort der Fahrgäste seien fossile Zusatzheizungen in den Bussen verbaut und der Stromverbrauch habe sich durch die niedrigen Temperaturen nur geringfügig erhöht. Letzteres war in der Vergangenheit immer wieder ein Problem bei Elektrofahrzeugen.
Energieversorger kämpfen mit eisigen Temperaturen
Raues Winterwetter wirkt sich auch auf die Stromversorgung aus. Bei Verteilnetzbetreibern wie Edis und Wemag hat man sich bereits sehr frühzeitig auf die Bedingungen vorbereitet. Um im Notfall schnell reagieren zu können, sei man bei Edis etwa mit krisenstabilen Satellitentelefonen ausgestattet und behält die Lage 24/7 im Blick. Notstromaggregate und Fahrzeuge standen bereits auf Abruf. Passiert ist im Edis-Netzgebiet allerdings nichts, es gab weder Störungen noch Ausfälle. Ähnlich stellt sich die Lage im Gebiet der Wemag dar.
"Unsere Teams waren sehr gut vorbereitet und aufmerksam im Einsatz. Auch unter schwierigen Witterungsbedingungen haben wir alles daran gesetzt, die Stromversorgung für unsere Kundinnen und Kunden sicher und stabil zu halten. Wir haben die Lage fortlaufend beobachtet und standen in enger Abstimmung mit unseren Einsatzteams", sagte Tim Stieger, Geschäftsführer der Wemag Netz GmbH auf ZfK-Anfrage. Bei Edis setzt man auch auf digitale Unterstützung. So erkennen und melden Umspannwerke beispielsweise selbstständig Störungen und Problemen in Echtzeit –sodass im Zweifel schnell reagiert werden kann.
Im Netzgebiet des Betreibers Avacon kam es zu vereinzelten kleineren Störungen, wie das Unternehmen auf Anfrage mitteilte. Dezentrale Bereitschaftsteams konnten diese jedoch schnell beheben. "Ein engmaschiges Wetter- und Netzmonitoring sowie vorbereitete Material- und Logistikressourcen stellten die Versorgungssicherheit sicher", so eine Avacon-Unternehmenssprecherin auf Nachfrage.

Überstunden, arbeiten in der Kälte: Kommunale Betriebe gewährleisten Daseinsvorsorge
In Berlin blieben am Dienstag die Wertstoffhöfe geschlossen. Grund dafür war laut der Berliner Stadtreinigung (BSR) das Glatteis auf den Straßen der Hauptstadt.
Bereits in der Vorwoche brachte die winterliche Witterung die Abfallentsorgung in der Region Hannover teils zum Erliegen, wie der Zweckverband Abfallwirtschaft Aha mitteilte. Gefrierender Regen hatte Straßen teils unpassierbar gemacht, außerdem hatte man in der Region mit starken Schneeverwehungen zu kämpfen. Die Entscheidungen seien immer so gefällt worden, dass die Sicherheit der Beschäftigten und Anwohner im Vordergrund gestanden habe, heißt es. In der Region Hannover waren die Aha-Beschäftigten zehn Tage im massiven Wintereinsatz, in der Spitze seien über 360 Mitarbeitende im Schichtbetrieb im Einsatz gewesen.
In Dortmund hatten Mitarbeitende der Stadtwerke-Tochter Dortmund Airport alle Hände voll zu tun, um den Flugbetrieb aufrechtzuerhalten. In Wechselschichten enteisten hier 39 Mitarbeitende Flugzeuge und Fahrbahnen.
Ein zentrales Learning der vergangenen Tage sei gewesen, "wie wichtig klare und schnelle Kommunikation ist, sowohl intern als auch nach außen", heißt es abschließend von den Stadtwerken Osnabrück (SWO). "Intern hat sich unser digitaler Krisenchat als sehr effektives Instrument bewährt, um Informationen in Echtzeit zu teilen und Entscheidungen zügig abzustimmen. Extern haben wir gemerkt, wie hoch der Bedarf an verlässlichen, transparenten Informationen ist", so ein Sprecher. Der von den SWO bespielte Whatsapp-Kanal der Verkehrsgemeinschaft Osnabrück (VOS) habe sich dabei als zentraler Baustein der Krisenkommunikation etabliert und eine große Akzeptanz bei den Fahrgästen erfahren. Zudem sei der hohe persönliche Einsatz der Mitarbeitenden – teils über viele Stunden und Tage hinweg – ein wesentlicher Faktor gewesen, um den Betrieb schrittweise und verantwortungsvoll wieder aufnehmen zu können.



