Nach Jahren teils steiler Gewinnsteigerungen mussten die Stadtwerke Flensburg 2021 deutliche Einbußen hinnehmen.
Erzielte der Kommunalversorger im Jahr 2020 noch einen Überschuss von 18,4 Mio. Euro, schrumpfte das Plus im Folgejahr inmitten historischer Turbulenzen an den Energiemärkten auf 1,9 Mio. Euro.
Belastendes viertes Quartal
Der Aufwärtstrend bei den Umsätzen setzte sich dagegen fort. Die Erlöse wuchsen um ein Drittel auf 701 Mio. Euro. Auch Strom- und Gasabsatz zogen aufgrund von Kundenzuwächsen in den Vorjahren und witterungsbedingter Mehrverbräuche stark an. Bei Strom waren es 37 Prozent mehr, bei Gas sogar 64 Prozent.
Vor allem das vierte Quartal habe dem Unternehmen an Gewinn gekostet, sagte Geschäftsführer Dirk Wernicke auf der Bilanzpressekonferenz, ohne konkrete Zahlen zu nennen. Damals trieben unter anderem ungewöhnlich niedrige Gasspeicherfüllstände, Unsicherheiten über russische Gasflüsse und vergleichsweise niedrige Temperaturen Gas- und Strompreise in teils schwindelerregende Höhen.
Standbein bundesweiter Vertrieb
Dazu kam, dass sich die Stadtwerke nach eigener Aussage dagegen entschieden, die enormen Beschaffungskosten in gleichem Maße an Endkunden weiterzureichen. Das gilt auch für die Fernwärmepreise. Im Zuge dessen erklärte sich die Stadt Flensburg bereit, auf eine Dividendenausschüttung für 2021 zu verzichten.
Das Standbein bundesweiter Vertrieb gewann bei den Stadtwerken Flensburg auch im vergangenen Jahr weiter an Bedeutung. So wurden 82 Prozent des eingekauften Stroms an bundesweite Kunden abgesetzt und nur noch zwölf Prozent an Kunden im Flensburger Heimatmarkt – ein neuer Rekordwert.
Zurückhaltend im Vertrieb
Ende 2022 zählten die Stadtwerke fast 256.000 Strom- und mehr als 46.000 Erdgaskunden – insgesamt leicht mehr als im Vorjahr..
Derzeit sei sein Unternehmen im bundesweiten Vertrieb vorsichtig und risikoavers unterwegs, sagte Wernicke.
Stand bei Vergleichsportalen
Das gelte insbesondere für größere Kunden und im Gasvertrieb. Auf den Vergleichsportalen Check 24 und Verivox seien die Stadtwerke aktuell lediglich im Strombereich gelistet.
Für Berliner Haushaltskunden bot das Unternehmen am Donnerstagmittag auf Verivox einen Strompreis von 46 Cent pro kWh. Damit belegte es Rang 30.
Aufsichtsratschef stärkt Stadtwerke
Als Reaktion auf die Preissprünge im Großhandel hätten die Stadtwerke bereits im vergangenen Jahr auch ihre Beschaffungsstrategie "signifikant" angepasst, sagte Wernicke. "Wir waren vorher risikoaffiner und sind dann zu einer deutlich konservativeren Beschaffungsstrategie übergegangen."
Der Aufsichtsratschef der Stadtwerke Thorsten Kjärsgaard sagte, er habe trotz des Ergebnisrückgangs "noch immer ein gutes Gefühl". "Es ist zwar geringer als geplant, aber noch immer positiv", kommentierte er. "Damit haben wir vielen Energieversorgern sogar noch etwas voraus." Geschäftsführer Wernicke ergänzte, dass er für das laufende Geschäftsjahr "sehr zuversichtlich" sei. (aba)


