Die Stadt Görlitz ist seit 1945 entlang des Flusses Neiße, der quer durch die Stadt fließt, in eine polnische und einen deutsche Hälfte geteilt. Doch nach dem Fall des Eisernen Vorhanges wachsen die Stadtteile zusehends wieder zusammen – und das betrifft nun auch die kommunalen Betriebe der Stadt. An der Ulica Warszawska, zu deutsch Warschauer Straße, werden die Stadtwerke Görlitz (SWG) am 21. Oktober nach Angaben der Sächsischen Zeitung (SZ) eine neue, sehr zentral gelegene Filiale eröffnen.
Durch die Grenzlage von Görlitz habe man bisher nur einen halben Aktionskreis gehabt, erklärt Vertriebsleiter Sascha Caron der Zeitung. Bereits 2018 habe es ein Pilotprojekt für SWG-Geschäftskunden im Südwesten Polens gegeben. Damals sei bereits der Verkauf von Strom und Gas durchgespielt worden: „Mit diesem Projekt wollten wir testen, inwiefern wir unser Vertriebsgebiet erweitern könnten.“ Das Projekt sei sehr gut gelaufen, in wenigen Monaten konnten die Stadtwerke mehrere Großkunden gewinnen – und zwar nicht nur in den östlichen Görlitzer Stadtteilen, sondern sogar im rund 180 Kilometer entfernten Breslau.
Zgorzelec als Tor ins polnische Schlesien
Das Büro in Zgorzelec – das ist der polnische Name für Görlitz – bündelt nun die Aktivitäten für Geschäftskunden: „Es ist gut, wenn es auch eine Anlaufstelle gibt“, sagt Vertriebsmann Caron. Doch der SWG-Vorstand Matthias Block ergänzt, dass die Schritte zur Eröffnung einer Filiale nicht so einfach gewesen seien, wie man zunächst dachte: „Obwohl unser neues Kundenbüro weniger als drei Kilometer von unserem Hauptstandort entfernt ist, sind wir in einem anderen Land aktiv“, erklärt Matthias Block. „Es handelt sich somit um eine internationale Aktivität, wo es andere Regeln zu beachten gibt.“
Aber nun kommt die neue Filiale. Sie ist nicht nur als Dienstleistungszentrum für Geschäftskunden, sondern auch für die Bürger gedacht. So können dort nach Angaben der SZ auch E-Bikes ausgeliehen und aufgeladen werden. Im westlich der Grenze gelegenen Görlitzer Kundenbüro der Stadtwerke sowie bei der Vierradenmühle gibt es das Angebot bereits. Der Zgorzelecer Bürgermeister Rafal Gronicz selbst habe die Ausweitung des E-Bike-Service auf die polnischen Stadtteile beim damalige Görlitzer Oberbürgermeister Siegfried Deinege angeregt.
Fahrradfahren, wo einst Straßensperren waren
Gerade die E-Bike-Vermietung findet der SWG-Vorstand Block besonders spannend und sinnvoll: „Die Erweiterung macht unser Angebot attraktiver und unterstreicht den Europastadt-Gedanken.“ 15 E-Bikes haben die Görlitzer Stadtwerke, fünf davon werden nun in Zgorzelec stationiert. „Flex eBike“ heißt der Verleih, er funktioniert über eine App. So helfen die kommunalen Betriebe in Görlitz aktiv mit, die Wunden zu schließen, die aus dem 20. Jahrhundert übriggeblieben sind. Die SWG gehören mehrheitlich zum Veolia-Konzern. (sig)



