Von Artjom Maksimenko
Nach monatelangen Verhandlungen ist es nun offiziell. Die Stadt Gütersloh ist wieder alleinige Eigentümerin der Stadtwerke Gütersloh. Die Geschäftsführer der Stadtwerke Bielefeld, Martin Uekmann und Rainer Müller, sowie Dietmar Spohn, Geschäftsführer der Stadtwerke Gütersloh und der neu gegründeten Gütersloher Beteiligungsgesellschaft (GBG), haben den Kaufvertrag zum Rückerwerb der Bielefelder Anteile unterzeichnet.
Damit geht ein langwieriger Prozess zu Ende. Im Vorfeld hatten die Stadträte in Bielefeld und Gütersloh sowie die Bezirksregierung Detmold als zuständige Kommunalaufsicht ihre Zustimmung erteilt. Ganz getrennte Wege wollen Bielefeld und Gütersloh trotzdem nicht gehen. Beide Versorgungsunternehmen würden auch künftig miteinander verbunden bleiben. Man wolle die energiewirtschaftliche Kompetenz beider Häuser weiterhin intensiv nutzen, hieß es in einem gemeinsamen Schreiben.
Spohn übernimmt Geschäftsführung der GBG
Die neu gegründete hundertprozentige Tochtergesellschaft der Stadt Gütersloh, werde künftig als alleinige Gesellschafterin der Unternehmensgruppe Stadtwerke Gütersloh fungieren, hieß es aus Gütersloh. Bereits im Vorfeld hatte die Stadt ihre eigenen Anteile (50,1 Prozent) in die neue Gesellschaft eingebracht. Mit dem vollständigen Erwerb der verbliebenen 49,9 Prozent von den Stadtwerken Bielefeld ist die Eigentumsübertragung nun abgeschlossen. Dietmar Spohn, der die Geschäftsführung der Stadtwerke weiterhin innehat, wird auch die Leitung der GBG übernehmen.
Hinter dem Rückkauf liegt ein mehrjähriges Ringen um die Zukunft der Stadtwerke. Die ursprünglich 2013 vereinbarte Beteiligung der Stadtwerke Bielefeld hatte vor allem das Ziel, Synergien zu heben und Know-how auszutauschen. Doch in den letzten Jahren mehrten sich in Gütersloh die Stimmen, die eine stärkere kommunale Steuerung forderten.
Noch im Herbst 2024 haben die Stadtwerke Bielefeld ihr Festhalten an der Beteiligung unterstrichen. "Ein Rückkauf ist nicht Gegenstand des derzeitigen Strategieprozesses", sagte damals der Geschäftsführer der Stadtwerke Bielefeld, Martin Uekmann. Ziel sei es, die Partnerschaft weiterzuleben und die Stadtwerke Gütersloh "insbesondere in diesen herausfordernden Zeiten dabei zu unterstützen, auch zukünftig den Gütersloher Bürgerinnen und Bürgern sichere und bezahlbare Energie liefern zu können".
Wunsch nach lokaler Autonomie
In Gütersloh war in der Lokalpolitik indes schon länger über einen Rückkauf der Anteile diskutiert worden, auch weil man sich offenbar dort ein stärkeres finanzielles Engagement des bisherigen Partners gewünscht hätte. Auch die veränderten energiepolitischen Rahmenbedingungen und der wachsende Wunsch nach lokaler Autonomie in Fragen der Energieversorgung spielten eine Rolle. Die Gespräche über einen Rückkauf begannen schließlich 2023 – begleitet von intensiven wirtschaftlichen Prüfungen und politischen Debatten.
Mit dem nun vollzogenen Schritt übernimmt die Stadt Gütersloh wieder die volle Verantwortung für strategische Entscheidungen der Stadtwerke. Dies betrifft sowohl die Energieversorgung als auch weitere Geschäftsfelder wie Wasser, Verkehr und Telekommunikation.



