Die Zahlen klingen auf den ersten Blick noch solide. Die Stadtwerke Hamm erwirtschafteten 2025 einen Gewinn von rund zwölf Millionen Euro, die Stadtwerke Gütersloh kamen immerhin noch auf einen Konzern-Jahresüberschuss von gut 700.000 Euro.
Doch der Blick ins Detail offenbart, wie stark der Druck auf kommunale Versorger gewachsen ist: In Hamm schrumpfte der Gewinn um 7,6 Millionen Euro gegenüber dem Vorjahr, in Gütersloh brach er um rund 73 Prozent ein – im Vorjahr waren es noch knapp 2,7 Millionen Euro gewesen. Für Gütersloh ist es das dritte Jahr in Folge mit einem deutlich rückläufigen Ergebnis.
Großkunden unter Druck
Ein Muster zieht sich dabei durch beide Geschäftsberichte: Das Industriekundengeschäft schwächelt. In Hamm ging der Stromverkauf an sogenannte Individualkunden – also Großabnehmer mit individuell ausgehandelten Verträgen – um mehr als acht Prozent zurück, der Erdgasabsatz an diese Gruppe sogar um mehr als 19 Prozent. Geschäftsführer Reinhard Bartsch verweist auf die "angespannte wirtschaftliche Lage" als Ursache.
In Gütersloh wiegt der Verlust noch schwerer: Ein einzelner Großkunde kehrte dem Versorger den Rücken – mit spürbaren Folgen. Die Stromgesamtabgabe sank dadurch um knapp 25 Prozent auf 225 Gigawattstunden (GWh); im Vorjahr waren es noch knapp 300 GWh.
Der Prokurist und Kaufmännische Leiter Kai Breiter spricht von "Mengenverlusten und Verlusten von Großkunden" als Hauptursache für die Mindererlöse von gut 18 Millionen Euro allein in der Stromsparte. Auch im Gassegment fällt ein umfangreicher Großkundenvertrag weg – für 2026 rechnen die Stadtwerke daher mit einem weiteren Gasabsatzeinbruch von 35 Prozent auf 540 GWh.
Hinzu kommt ein struktureller Wandel im Privatkundenmarkt. Noch immer liegen die Großhandelspreise für Strom und Gas deutlich über dem Vorkrisenniveau. Das führe, so Breiter, zu einem "erhöhten Wechsel- und Sparverhalten preisbewusster Kunden".
Sondereffekte belasten Gütersloh zusätzlich
Erschwerend kommt in Gütersloh ein Einmaleffekt hinzu: Im vergangenen Jahr kaufte die Stadt Gütersloh das 49,9 Prozent umfassende Anteilspaket der Stadtwerke Bielefeld zurück – über die Gütersloher Beteiligungsgesellschaft mbH (GBG), deren alleinige Gesellschafterin die Stadt ist. Der Transaktion waren Meinungsverschiedenheiten über laufende Infrastrukturinvestitionen vorausgegangen.
Für die Stadtwerke fielen dabei Grunderwerbsteuern und Beratungskosten von zusammen rund drei Millionen Euro an. Interims-Geschäftsführer Dietmar Spohn, der das Unternehmen zum 30. Juni verlässt, nennt diesen Einmaleffekt einen Hauptgrund für den Ergebniseinbruch. Sein Nachfolger Dirk Thole, bislang Geschäftsführer der Stadtwerke Flensburg, übernimmt den Posten ab 1. Juli.
Dass Gütersloh überhaupt mit einem positiven Jahresüberschuss abschließt, verdankt das Unternehmen nach eigenen Angaben nicht dem operativen Geschäft, sondern Steuerrückerstattungen und der Auflösung von Rückstellungen. Der Geschäftsverlauf selbst sei, so steht es im Geschäftsbericht, "als ungünstig zu werten".
Auf eine Gewinnausschüttung an die Kommune verzichten die Stadtwerke für 2025 – stattdessen soll der Überschuss thesauriert, also im Unternehmen behalten werden. Das Management verweist auf einen absehbaren zusätzlichen Eigenkapitalbedarf. Die Eigenkapitalquote sank im vergangenen Jahr leicht auf knapp 23 Prozent.
Investitionen trotz schwacher Ergebnisse
Trotz der angespannten Lage investieren beide Stadtwerke kräftig. In Hamm stiegen die Gesamtinvestitionen um rund 25 Prozent auf mehr als 51 Millionen Euro. In Gütersloh flossen rund 28 Millionen Euro in die Infrastruktur – davon allein fast zehn Millionen in den Verkehrsbereich und fast acht Millionen Euro in den Glasfaserausbau.
Bis Ende 2025 haben die Gütersloher Stadtwerke gemeinsam mit ihrer Tochtergesellschaft Netzgesellschaft Gütersloh und dem Telekommunikationsunternehmen BITel mehr als 32.000 Wohneinheiten mit Glasfaser erschlossen – das entspricht rund 67 Prozent aller Haushalte im hochverdichteten Stadtgebiet. Ein wichtiger Meilenstein war 2025 auch die Inbetriebnahme von 16 Elektrobussen im regulären Linienbetrieb sowie eines neuen Bus-Ports mit Ladeinfrastruktur.
In Hamm setzte der neue Nahverkehrsplan Akzente: Auf zwei zentralen Buslinien gilt inzwischen in den Hauptverkehrszeiten ein Zehn-Minuten-Takt. Ziel ist es, den Anteil des öffentlichen Personennahverkehrs am Gesamtverkehr bis 2035 von heute acht auf 15 Prozent zu steigern.
Querschnittaufgaben als Gewinnbremse
Beide Unternehmen tragen als kommunale Versorger Aufgaben, die strukturell defizitär sind. In Hamm verursachten die Bäder ein Minus von gut 12 Millionen Euro (Vorjahr: rund 10 Millionen Euro), der Verkehrsbereich schlug mit minus 12,5 Millionen Euro zu Buche (Vorjahr: rund 11 Millionen Euro). Beide Bereiche konnten durch das Energiegeschäft quersubventioniert werden.
Die Prognosen beider Unternehmen fallen verhalten aus. In Gütersloh rechnet das Management für 2026 mit einem Konzernüberschuss, der "deutlich unter dem Niveau des Berichtsjahres" liegen werde.
Langfristig sehen die Verantwortlichen zwar Kompensationseffekte: Wärmepumpen und Elektromobilität könnten sinkende Gasabsätze durch höheren Stromverbrauch teilweise ausgleichen. Doch der Weg dorthin dürfte holprig werden.
In Hamm mahnt Bartsch fehlende verlässliche politische Rahmenbedingungen an: "Große Projekte können wir nicht ohne die Förderung von Land und Bund stemmen." Die Quersubventionierung der Daseinsvorsorge durch Gewinne aus dem Energiegeschäft funktioniert noch – aber der Puffer dürfte dünner werden.




