Aufgrund der angespannten Situation und „nicht wettbewerbsfähigen Preisen am Energiemarkt“ haben die Stadtwerke Herrenberg (Kreis Böblingen) nur ein deutlich geringeres Kontingent an Strom für das Lieferjahr 2023 beschafft. Dieses reicht nur für einen Teil der Kunden. Deshalb lässt der städtische Eigenbetrieb die bestehenden 1400 Stromlieferverträge allesamt zum Jahresende auslaufen und erhöht die Preise.
Der Arbeitspreis steigt zum 1. Januar deutlich auf 44,18 Cent brutto pro kWh (aktuell: 26,35 Cent). Der monatliche Grundpreis wird auf 15,52 Euro angehoben. Zu diesen Konditionen kann der Eigenbetrieb im neuen Jahr aber nur rund 45 Prozent der bisherigen Stromkunden mit Strom versorgen, heißt es in einer Pressemitteilung der Stadt.
„Wir wollten alle Kunden gleich behandeln, alles andere wäre nicht fair gewesen“, erklärt Werkleiter Karsten Kühn im Gespräch mit der ZfK. Wer einen neuen Liefervertrag abschließen möchte, müsse jetzt selbst aktiv werden und könne den Vertrag online oder in Papierform bei den Stadtwerken abgeben. Alle, die keinen neuen Vertrag bei den Stadtwerken abschließen wollen oder für die kein Kontingent mehr zur Verfügung steht, würden automatisch mit den Konditionen des Grundversorgers EnBW beliefert.
Auch nach der Preiserhöhung wohl günstigster Anbieter vor Ort
Da die Stadtwerke Herrenberg aber auch nach der Preiserhöhung mit großer Wahrscheinlichkeit zu den günstigsten Anbietern vor Ort zählen dürften, geht Kühn davon aus, dass die Nachfrage nach dem Kontingent entsprechend groß sein wird.
„Der Einkauf an den Energiemärkten ist in diesem Jahr kaum noch kalkulierbar“, erklärt er. Die Preise seien kurzfristig außergewöhnlich hohen Schwankungen unterworfen und forderten schnelle Reaktionen, teilweise sei der Handel ganz ausgesetzt gewesen. „Wir müssen mehrmals täglich die Beschaffungsstrategie anpassen“, so Kühn.
"Die komplette Strommenge hätten wir nur zu irrwitzigen Preisen kaufen können"
„Die komplette Menge an Strom für alle rund 1400 Kunden hätten wir nur zu irrwitzigen Preisen kaufen können. Das hätte das Angebot für alle Kunden extrem verteuert, die dann notwendigen Preiserhöhungen hätte keiner mehr akzeptiert“, sagt der Werkleiter. Das größte Risiko seien immer die Mengen, die man gegen den Spotmarkt laufen lassen müsse. „Wir hätten da Risiken eingehen müssen, die für uns als kleines, öffentliches Stadtwerk einfach zu groß sind.
Wärmestrom-Angebote kann das Unternehmen mittlerweile keine mehr machenn, etwa für Nachtspeicher und Wärmepumpen.
Grundversorger im Gasbereich
Beim Erdgas sind die Stadtwerke – anders als beim Strom – Grundversorger für die Herrenberger Bevölkerung und beliefern rund 3200 Kunden. Die Gaspreise wurden zuletzt zum ersten Oktober erhöht. Für einen Gasverbrauch von bis zu 3400 Kilowattstunden zahlen die Kunden zum 1. Januar 30,81 Cent pro Kilowattstunde statt der bisherigen 25,73 Cent. In allen Tarifen steigt der Arbeitspreis um etwa zwei bis fünf Cent. Der Grundpreis bleibt gleich.
Die bestehenden Gasversorgungsverträge werden je nach Tarif verlängert oder zum Jahreswechsel neu geschlossen. „Wir rechnen damit, beim Erdgas zumindest zeitweise mehr Abnehmer versorgen zu müssen und haben entsprechend höhere Gasmengen eingekauft“, erklärt der Stadtwerke-Leiter.
Die Stadtwerke Herrenberg sind ein Querverbundunternehmen mit knapp 50 Mitarbeitern. Neben den Sparten Strom, Gas und Wasser betreibt das Unternehmen auch ein Hallen- und ein Freibad, den ÖPNV und ist für das Geschäftsfeld Parkierung zuständig. „Bis jetzt konnten wir mit den Gewinnen aus den Versorgungssparten die Verluste in den defizitären Bereichen weitgehend ausgleichen“, schildert Kühn. Aufgrund von Investitionen und dem angespannten Energiemarkt habe man in den vergangenen Jahren aber nicht immer schwarze Zahlen erreicht. (hoe)



