Aufgrund einer fehlenden, breiten Unterstützung im Gemeinderat werden die Stadtwerke Konstanz die angestrebten Verhandlungen mit der Stadtwerkegruppe Thüga nicht mehr weiter verfolgen. „Wir gehen jetzt einen Schritt zurück und werden verschiedene Kooperationen in Joint-Ventures und in Projektgesellschaften, auch mit anderen Stadtwerken prüfen“, erklärte Stadtwerke-Chef Norbert Reuter auf Journalistenfragen am Ende der Bilanzpressekonferenz am vergangenen Freitag.
Ursprünglich war geplant, dass am vergangenen Donnerstag, der Konstanzer Gemeinderat über eine Absichtserklärung entscheidet, die die Stadtwerke ermächtigt hätte, tiefergehende und verbindliche Verhandlungen mit der Thüga über einen Einstieg Konstanz aufzunehmen. Konkret gab es den Gedanken, dass der Kommunalkonzern vom Bodensee das Energiegeschäft in eine eigene Gesellschaft auslagert und die Thüga bis zu 25,1 Prozent der Anteile daran übernehme.
Weil sich offenbar aber keine breite Mehrheit für dieses Vorhaben abzeichnete im Gemeinderat, war der Tagesordnungspunkt vor der Sitzung des kommunalen Gremiums kurzfristig abgesetzt worden.
„Der Oberbürgermeister und auch die Thüga haben immer gesagt, dass so ein Beschluss auf einer breiten Basis erfolgen muss und nicht mit einer knappen Mehrheit getroffen werden sollte“, erklärte Reuter. Nach einem längeren Markterkundungsprozess hatten die Stadtwerke Konstanz die Thüga als besonders leistungsfähigen Kooperationspartner identifiziert.
Konstanz investiert eine halbe Milliarde Euro in neue Wärmenetze
Von einer Zusammenarbeit hatte man sich vor allem einen umfassenden Know-how-Transfer und auch zusätzliche Finanzierungsoptionen im Bereich der Energie- und Wärmewende erhofft, die Stadtwerke investieren künftig allein knapp eine halbe Milliarde Euro in Wärmenetze. Außerdem hatte man darauf gehofft, über White-Label-Produkte der Thüga den Wandel zum Wärmedienstleister beschleunigen zu können.
Das alles sei durch den nicht zustandegekommenen Letter of Intent nicht gefährdet, versicherte Reuter. Man müsse jetzt einfach alternative Wege beschreiten. An der Suche nach einem Kooperationspartner hatten die Stadtwerke in einem lang angelegten Sondierungsprozess über zwei Jahre gearbeitet. Dass es auf die Thüga hinauslaufen könnte, war eigentlich in dem frühen Stadium nicht für die Öffentlichkeit bestimmt gewesen und war durch einen lokalen Presseartikel bekannt geworden.
Die Vorbehalte in Teilen der Konstanzer Politik hatten sich offenbar daran entzündet, dass ein Teil der Konstanzer Gewinne im Energiebereich künftig nach München fließen werde und die Stadtwerkegruppe im Aufsichtsrat der Stadtwerke zu viel Einfluss gewinnen könne.
Stadtwerke schreiben auch 2022 rote Zahlen, im Kerngeschäft erzielt man ein Plus
Das kommunale Unternehmen musste auch im vergangenen Jahr erneut ein Defizit ausweisen, das Ergebnis nach Steuern betrug minus 6,64 Mio. Euro. Zieht man die Kapitalzuführung der Stadt Konstanz zur anteiligen Deckung der Bäderverluste ab, steht unterm Strich ein Defizit von 3,58 Mio. Euro. Die Stadtwerke haben damit nach eigenen Angaben die Planzahlen für 2022 trotz anhaltender Auswirkungen der Corona-Pandemie sowie der turbulenten energiewirtschaftlichen Entwicklungen nahezu erreicht.
Im Kerngeschäft ohne die Beteiligungen habe man sogar ein positives Jahresergebnis mit 119.000 Euro erzielt, heißt es weiter. „Die Defizite aus dem Betrieb des ÖPNV sowie des weiteren Glasfaserausbaues konnten so vollständig erwirtschaftet und ausgeglichen werden“, erklärte Geschäftsführer Norbert Reuter. Der Umsatz der Unternehmensgruppe stieg auf 222,9 Millionen Euro (2021: 167,8 Millionen Euro).
Hohe Belastungen bei Bus, Fähre und den Bädern
Die Auswirkungen des Kriegs in der Ukraine haben den Geschäftsverlauf in 2022 geprägt. Einsparungen der Kunden im Gasverbrauch ergaben einen Rückgang sowohl im Vertrieb, wie auch in der Netzdurchleitung um rund 25 Prozent im Vergleich zum Vorjahresniveau. Die Belastungen der Pandemie waren vor allem bei Bus, Fähre und den Bädern weiterhin spürbar.
So verzeichnete das Tochterunternehmen Bädergesellschaft Konstanz mbH (BGK) deutliche Umsatzeinbußen, das Defizit lag bei rund 8,9 Millionen Euro, damit 2,4 Millionen unter dem Jahresergebnis 2021. Der Busbetrieb erreichte im Vergleich zu einem normalen Jahr 82 Prozent Beförderungsleistung, die Fähre Konstanz-Meersburg 87 Prozent.
Trotz der schwierigen Rahmenbedingungen hat die Unternehmensgruppe eine Summe von rund 32,8 Millionen Euro (2021: 34,1 Millionen Euro) investiert.
Sparte Telekommunikation wird 2025 Gewinnschwelle erreichen
In der Mittelfristplanung gehen die Stadtwerke Konstanz künftig von einem ausgeglichen Ergebnis aus, in welchem die vollständige Finanzierung der Defizitbereiche aus dem Betrieb des ÖPNV und der Bäder erfolgen könne. Neben einer weiteren Erholung aus pandemiebedingten Umsatzrückgängen insbesondere im Fährebetrieb und den Bädern, werde auch der Bereich Telekommunikation ab 2025 die Gewinnschwelle erreichen, heißt es in der Pressemitteilung.
Stadt stockt Entlastung für Bäderverluste auf
Ein wichtiger Bestandteil der Mittelfristplanung sei ferner die Erhöhung der Kapitalzuführung der Stadt Konstanz für den anteiligen Ausgleich der Bäderverluste: diese steigt künftig von bislang 3 auf 5,4 Mio. Euro. Dies sei auch deshalb erforderlich, da erhebliche Investitionen für den Bau des Parkhauses am Brückenquartier geplant sind, welches zur Verkehrsentlastung der Innenstadt beitragen soll.
Norbert Reuter: „Unsere Aufgabe ist es, die Kosten- und Ertragsbereiche nach der Corona-Pandemie und der energiewirtschaftlichen Entwicklung weiter zu konsolidieren und hierbei die Stadt bei ihren Strategien und Zielen bestmöglich zu unterstützen.“ Maßnahmen für den Klimaschutz stünden dabei im Mittelpunkt. Das Unternehmen setzt auf alternative Energien, vor allem auf Wärmenetze und Fotovoltaik. Die E-Mobilität wird ebenfalls ausgebaut, so wird bis 2025 bereits die halbe Busflotte elektrifiziert sein.
Die strategische Wärmenetzplanung für Konstanz ist erstellt, so dass jetzt konkrete Machbarkeitsuntersuchungen erfolgen können. Die Zielnetzplanung Strom ist ebenso kurz vor dem Abschluss. Die Stadt Konstanz will bis 2035 klimaneutral sein. (hoe)
