Die Energiekrise hat die Energieversorger dieses Landes geteilt: in die, die kalt erwischt wurden und bei Beschaffung und Vertrieb teils hohe Verluste einfuhren. Und die, die die Risiken offenbar gut managen und bei Ein- und Verkauf von Strom- und Gasmengen hübsche Gewinne erzielen konnten.
Die Stadtwerke Krefeld können sich wohl zu letzterer Gruppe zählen. So schreibt der nordrhein-westfälische Kommunalkonzern weit oben in seinem Geschäftsbericht, dass die positive Abweichung von der Ergebnisprognose bedingt gewesen sei "durch das Vertriebs- und Beschaffungsgeschäft bei Strom und Gas". Der Konzernüberschuss ging im Vergleich zum Vorjahr von 35 auf 48 Mio. Euro hoch.
Kundenzahl steigt um 10.000
Weiter unten im Bericht wird es konkreter: Demnach sind regelmäßige und zeitnahe Preisanpassungsmaßnahmen aufgrund von prognostizierten Beschaffungskostensteigerungen sowie Verbrauchsrückgänge und damit verbundene positive Spotmarkteffekte "von Bedeutung" gewesen. Heißt wohl: Die Krefelder gaben höhere Kosten in der Beschaffung recht schnell an Endkunden weiter. Sie zählten auch zu den Stadtwerken, die früh auf teurere Tarife für neu in die Grundversorgung gekommene Kunden setzten.
Zudem hegten sie zusätzliche Risiken ein, indem etwa die bundesweite Vertriebstochter Lekker Energie den Neukundenvertrieb zurückfuhr. Nach teils gewaltigen Zuwächsen in den Vorjahren stieg die Kundenzahl des Stadtwerkekonzerns diesmal um vergleichsweise niedrige 10.000 auf insgesamt 777.000 Kunden.
Vertriebstochter Lekker gibt Kunden ab
Bemerkenswert dabei: Lekker Energie, in den Vorjahren die treibende Kraft bei der Neukundengewinnung, verlor sogar im Jahresvergleich 10.000 Kunden und zählte Ende vergangenen Jahres 420.000 Kunden.
Demgegenüber legte die Stadtwerkemutter nach eigenen Angaben in allen Sparten zu. Demnach wurde die Zahl der Strom- und Gaskunden sowohl im Heimatmarkt Krefeld als auch darüber hinaus erhöht.
Zahl der Kündigungen geht zurück
Die Zahl der Kündigungen ging dagegen zurück. Das Unternehmen führt dies auf die angespannte Preissituation infolge des Ukrainekriegs und seine "vorausschauende, verlässliche Beschaffungsstrategie" zurück. Des Weiteren seien Kunden von insolventen Anbietern im Krefelder Heimatmarkt in die Ersatzversorgung übernommen worden.
Zum Gewinnsprung trug außerdem ein branchenüblicher Rückgang beim Strom- und Gasabsatz bei, sodass überschüssige Mengen zu historisch hohen Preisen auf dem Spotmarkt verkauft werden konnten.
Krefelder Beschaffungsstrategie
Wie genau der Krefelder Stadtwerkekonzern Energie beschafft, geht aus dem Bericht nicht hervor – Geschäftsgeheimnis. Einen kleinen Einblick gewährt das Unternehmen trotzdem.
Demnach wird der Großteil des prognostizierten Strom- und Gasbedarfs der Haushaltskunden rollierend über einen Zeitraum von drei Jahren im Voraus beschafft. "Der seit 2021 begonnene Anstieg des Terminmarktpreisniveaus tangierte damit auch bereits das Lieferjahr 2022, jedoch in einem relativ geringen Umfang", heißt es.
Lekker Energie: 34 Mio. Euro Ebit
Wie viel verdiente der Konzern nun aber im Vertriebsgeschäft wirklich? Für das Geschäftsfeld Energie und Wasser weisen die Krefelder kein gesondertes Ergebnis aus, wohl aber für die Vertriebstochter Lekker Energie.
Und deren Ergebnis schnellte im Vergleich zum Vorjahr von rund 14 Mio. auf 34 Mio. Euro (Ergebnis vor Zinsen und Steuern, Ebit) – ein Plus von fast 150 Prozent.
Entsorgung und Verkehr
Weniger spektakulär ging es in den Geschäftsfeldern Entsorgung und Verkehr zu. Dem Abfallbereich wird im Bericht trotz krankheitsbedingter Personalengpässe ein "gutes Geschäftsjahr" bescheinigt.
Im Nahverkehrssektor wiederum profitierte das Unternehmen vom Auslaufen der Corona-Pandemie. Kundenzahl und Ticketeinnahmen seien gestiegen, heißt es. Zugleich hätten Fachkräftemangel und extrem hohe Krankenquoten im Fahrdienst zu Leistungsausfällen geführt. (aba)
Krefelder Bilanz im Überblick:
(Zahlen gerundet)
Umsatz: 1,7 Mrd. Euro (2021: 1,5 Mrd. Euro)
Überschuss: 48 Mio. Euro (35 Mio. Euro)
Stromabsatz: 1,9 TWh (2,0 TWh)
Erdgasabsatz: 3,1 TWh (3,5 TWh)
Wärmeabsatz: 0,2 TWh (0,3 TWh)



