Die Stadt Laage hat nach eigenen Angaben mehr als 8000 Einwohner.

Die Stadt Laage hat nach eigenen Angaben mehr als 8000 Einwohner.

Bild: © Elke Hötzel/AdobeStock

Von Andreas Baumer

Die Stadtwerke Laage in Mecklenburg-Vorpommern haben beim Amtsgericht Rostock einen Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens gestellt. Das geht aus einer öffentlichen Bekanntmachung hervor. Als vorläufige Insolvenzverwalterin wurde Rechtsanwältin Ulrike Hoge-Peters bestellt.

Die Stadtwerke sind zu 75 Prozent in der Hand des städtischen Eigentümers Laage. Ein Viertel der Anteile halten die wenige Kilometer entfernt ansässigen Stadtwerke Teterow.

Debatte um vermeintlichen Schuldenerlass

Die Stadtwerke Laage waren bereits zu Jahresbeginn in den Fokus lokaler Medien geraten. Zur Debatte stand ein vermeintlicher Schuldenerlass durch die Stadtwerke Teterow. Laut Teterower Rathaus gab es auf Empfehlung des gemeinsamen Wirtschaftsprüfers Gespräche über einen sogenannten Forderungsverzicht mit Besserungsschein. Ob es zu diesem Forderungsverzicht tatsächlich kam, konnte die ZfK nicht unmittelbar in Erfahrung bringen.

Dem letzten ausführlicheren Geschäftsbericht 2021 der Stadtwerke Laage ist zu entnehmen, dass wegen der deutlich gestiegenen Energiepreise durch den Ukrainekrieg eine "negative Geschäftsentwicklung" zu erwarten sei.

Diese haben sich bereits im vierten Quartal 2021 abzuzeichnen begonnen. "Zu diesem Zeitpunkt gab es bereits die ersten Gaslieferkürzungen auf die vertraglich vereinbarten Liefermengen, durch die russischen Vorlieferanten, welche erhebliche Preissteigerungen am Gasspottmarkt zur Folge hatten." 2021 fuhren die Stadtwerke einen Verlust von 30.000 Euro ein.

Energiekrise machte einigen Stadtwerken zu schaffen

Die Stadtwerke Laage verwiesen allerdings auch auf ihre "sehr gute Liquiditätsausstattung", weshalb sie Preissteigerungen nicht sofort an ihre Kunden weiterreichen müssten. "Dennoch werden auch die Stadtwerke Preisanpassungen entsprechenden der Energieeinkaufpreisentwicklung vornehmen, um die wirtschaftliche Stabilität des Unternehmens zu sichern."

In den Jahren 2022 und 2023 belief sich der nicht durch Eigenkapital gedeckte Fehlbetrag dann auf jeweils 800.000 und 680.000 Euro. Vor allem die Weitergabe gestiegener Beschaffungs- und Herstellungskosten in der Fernwärme bereitete laut Bilanzbericht Probleme.

Auch interessant: Im Mai 2023 beschloss die Teterower Stadtvertretung, die Anteile ihres Kommunalunternehmens an den Stadtwerken Laage zu veräußern. Zuvor hatte der Aufsichtsrat der Stadtwerke Teterow diesen Schritt empfohlen.

Prinzipiell machte die Energiekrise einigen Stadtwerken zu schaffen. Vor allem wegen ihrer Beschaffungspolitik mussten die Stadtwerke Bad Belzig in Brandenburg bereits 2021 Insolvenz anmelden. Auch die Technischen Werke Naumburg (Sachsen-Anhalt) gerieten ins Stolpern. Beide Unternehmen haben längst einen Sanierungskurs eingeschlagen.

Teterow stellt Geschäftsführer

Die Stadt Laage hat nach eigenen Angaben mehr als 8000 Einwohner. Die 1995 gegründeten örtlichen Stadtwerke stiegen erst in den 2010er-Jahren größer ins Energiegeschäft ein. Bis Ende 2022 war der Geschäftsführer der Stadtwerke Teterow auch Leiter der Stadtwerke Laage. Aktuell hat der kleine Versorger keinen Geschäftsführer, Handlungsbevollmächtigter ist Marc Fischer, der aktuelle Geschäftsführer in Teterow.  Die Gesellschaft ist faktisch führungslos. Der Insolvenzantrag wurde gemeinsam zwischen den Stadtwerken Teterow und der Stadt Laage abgestimmt. 

Seit dem Übergang des Bauhofs an die Stadt Laage haben die Stadtwerke Laage keine eigenen Mitarbeiter mehr.  Aktuell werden laut Fischer rund 200 Kunden mit Gas und Fernwärme beliefert und circa 600 mit Strom. Die Versorgung dieser Kunden sei weiterhin gesichert.

Hinweis: Dieser Artikel wurde am 28. August aktualisiert, um die Zahl der Kunden und die Angaben zum aktuellen Handlungsbevollmächtigten. Nähere Angaben über eine Fortführungsprognose und die Höhe der Gläubigerforderungen liegen nicht vor, die Antwort der Insolvenzverwalterin auf eine schriftliche Anfrage der ZfK steht noch aus. (hoe)

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