Jens Meier (Bild) bildet zusammen mit Andreas Ortz die Geschäftsführung der Stadtwerke Lübeck-Gruppe.

Jens Meier (Bild) bildet zusammen mit Andreas Ortz die Geschäftsführung der Stadtwerke Lübeck-Gruppe.

Bild: © Stadtwerke Lübeck

Die Stadtwerke Lübeck Gruppe stellt sich strukturell neu auf. Kerngedanke sei eine deutlich stärkere Ausrichtung an inhaltlich definierten Geschäftsfeldern sowie eine Fokussierung auf die Marke „Stadtwerke Lübeck“, heißt es in einer Pressemitteilung.

Bislang standen die Einzel-Unternehmen wie Stadtwerke und Stadtverkehr, die Digital-Tochter Travekom und die Netztochter Travenetz im Vordergrund. „Diese gewachsenen Strukturen machten es uns aber zunehmend schwerer, als Gesamtgruppe zu agieren, Produkte und Leistungen aus einer Hand anzubieten und einheitlich wahrgenommen zu werden“, erläutert Jens Meier, Geschäftsführer der Stadtwerke Lübeck-Gruppe. Hinzu komme das Thema Digitalisierung als wichtige neue Säule einer zeitgemäßen Daseinsvorsorge.

Die neue Ausrichtung berücksichtige, dass Energie- und Mobilitätswende nur integriert bearbeitet und gelöst werden könnten. Entstanden sei so eine funktionale Struktur mit den „lebensweltlich orientierten Geschäftsbereichen Energie und Wasser, Mobilität, Infrastruktur sowie Digitalisierung und Telekommunikation“.

"Für die Menschen sind wir die Stadtwerke, nicht sechs Einzelunternehmen"

„Wir werden als Stadtwerke Lübeck-Gruppe hierdurch auch für unsere Kunden sichtbar anders werden. Die einzelnen Unternehmen werden unter einem vereinheitlichen Logo-Auftritt zusammengeführt: Für die Menschen sind wir „die Stadtwerke“ – und nicht fünf oder sechs schwer zu überschauende Einzelunternehmen. Das wollen wir stärker sichtbar machen und auch intern durch neue, integrierte Arbeitsabläufe, Prozesse und Produktentwicklungen abbilden,“ ergänzt Andreas Ortz, Geschäftsführer der Stadtwerke Lübeck Gruppe und von Stadtverkehr Lübeck.

Die Neuaufstellung soll auch eine Antwort sein auf die großen Herausforderungen, mit denen sich die Gruppe in den nächsten Jahren konfrontiert sieht. Diese reichen von gestiegenen Beschaffungsrisiken, pandemiebedingten Fahrgastrückgängen im ÖPNV und zurückgehenden Erträgen aus den Netznutzungsentgelten sowie notwendigen Investitionen in Versorgungs- und Glasfasernetze sowie dem Umbau des Fuhrparks auf E-Busse.

Gleichzeitig wandle sich das Geschäftsmodell fundamental und der ökologische Nachhaltigkeitsanspruch werde zur festen Säule des Gesellschaftszwecks, heißt es weiter. Um diesen Transformationsprozess zu bewältigen, wurde im Sommer 2021 ein Konzernprogramm aufgesetzt, das seine volle Wirkung ab dem Jahr 2023 entfalten soll.

Stadtwerke steigern Ergebnis auch dank Erfolgen in der Beschaffung

Im vergangenen Geschäftsjahr 2021 hat die Unternehmensgruppe trotz schwieriger Rahmenbedingungen mit 0,2 Mio. Euro (2020: 0,9 Mio.) ein Ergebnis auf Planniveau erzielt. Der Umsatz stieg deutlich von 371,7 Mio. Euro auf 414 Mio. Das sei maßgeblich einer höheren Gewinnabführung der Stadtwerke Lübeck, einem trotz Pandemie nahezu konstanten Aufwand aus der Verlustübernahme für den ÖPNV sowie gestiegene Beteiligungserträge zurückzuführen, heißt es.

Die Stadtwerke Lübeck konnten dabei ihr Ergebnis auf 23,3 Mio. Euro (2020: 21,3 Mio.) erhöhen. Grund sind höhere Absatzmengen in der Gasversorgung und höhere Deckungsbeiträge aus dem Strombereich aufgrund einer erfolgreichen Beschaffungsstrategie sowie eine stabile Ergebnisabführung aus der Travenetz. Hierdurch habe man auch negative Effekte wie die Abwicklung der überregionalen Vertriebstochter Passat-Energie oder die höhere Rückstellung für das Kohlekraftwerk in Lünen kompensiert werden, teilen die Stadtwerke mit.

Nach einem Defizit von 0,4 Mio. Euro in 2020 verbesserte die Digitaltochter Travekom ihr Ergebnis deutlich auf 0,5 Mio. Euro. Die Verbesserung hänge mit  der Eigenentwicklung von Produkten, Projektmanagement für Dritte sowie Steigerungen der Leistungen in den Bereichen Consulting und konzerninterne Beratung zusammen.

"Die Energie- und Mobilitätswende zu meistern, ist eine enorme Herausforderung"

„Das Ergebnis in der Gruppe zeigt, wie stabil wir in den einzelnen Geschäftsfeldern aufgestellt sind. Allerdings hat die Pandemie auch gezeigt, wo Verbesserungen in Effizienz und Neugestaltung von Geschäftsfeldern jetzt notwendig sind“, so Andreas Ortz.

Entscheidend sei aber nicht nur die finanzielle Momentaufnahme, sondern die Erfolgsfaktoren, die hinter den Zahlen stünden, sagt Jens Meier. „Die Energie- und Mobilitätswende in Lübeck zu meistern, ist eine enorme Herausforderung. Hierzu müssen wir uns als Unternehmensgruppe weiterentwickeln und auch strukturell neu ausrichten.“

Erdwärme soll im laufenden Jahr erschlossen werden

Für das laufende Geschäftsjahr wollen die Stadtwerke Lübeck unter anderem durch Quartierslösungen die Wärmewende weiter vorantreiben und mit der Erdwärme eine für Lübeck neue Säule der Wärmegewinnung erschließen. Auch der Ausbau der E-Busflotte, die Weiterentwicklung von On-Demand-Angeboten und der Glasfaser-Ausbau stehen auf der Agenda.

Zudem sollen auf der Grundlage der LoraWan-Technologie und der Urban Data-Plattform weitere Produkte und Dienstleistungen insbesondere für Kommunen entwickelt werden.

Trotz des Krieges in der Ukraine und möglicher Einschränkungen bei den Energielieferungen aus Russland müssten die Bemühungen für eine weiter Dekarbonisierung in der Hansestadt weitergeführt werden. „Das wird ein Kraftakt, der Spuren hinterlassen wird - in unserer Bilanz 2022 und darüber hinaus“, verdeutlicht Meier. (hoe)

Lesen Sie weiter mit Ihrem ZFK-Abonnement

Erhalten Sie uneingeschränkten Zugang zu allen Inhalten der ZFK!

✓ Vollzugriff auf alle ZFK-Artikel und das digitale ePaper
✓ Exklusive Analysen, Hintergründe und Interviews aus der Branche
✓ Tägliche Branchen-Briefings mit den wichtigsten Entwicklungen

Ihr Abonnement auswählen

Haben Sie Fehler entdeckt? Wollen Sie uns Ihre Meinung mitteilen? Dann kontaktieren Sie unsere Redaktion gerne unter redaktion@zfk.de.

Home
E-Paper