Das verbleibende, auf Erdgas fokussierte, britische und niederländische Geschäft der Spirit Energy soll mit einer geänderten Strategie weitergeführt und auf die Anforderungen der Energiewende ausgerichtet werden (Symbolbild).

Das verbleibende, auf Erdgas fokussierte, britische und niederländische Geschäft der Spirit Energy soll mit einer geänderten Strategie weitergeführt und auf die Anforderungen der Energiewende ausgerichtet werden (Symbolbild).

Bild: © Photocreo Bednarek/Adobestock

Das Gasförderunternehmen Spirit Energy, an dem die Stadtwerke München (SWM) eine Minderheitsbeteiligung halten, wird seine Gas- und Ölfelder in Norwegen sowie ein britisches Feld an die norwegischen Unternehmen Sval Energi und Equinor verkaufen. Eine entsprechende Vereinbarung wurde am Mittwoch (8. Dezember) unterzeichnet. Der Verkaufserlös soll bei rund einer Milliarde Euro liegen, auf die SWM entfallen davon laut Spirit-Mehrheitsgesellschafter Centrica umgerechnet knapp 300 Mio. Euro.

Die SWM reagieren mit dem Verkauf auf Forderungen aus der Stadtpolitik. Die Stadt München hatte erst kürzlich angekündigt, den Einsatz von Heizöl und Erdgas im Münchner Wärmemarkt stark zu reduzieren. Der Stadtrat von München muss der Vereinbarung von Spirit Energy mit den norwegischen Kaufinteressenten im Laufe des ersten Quartals 2022 noch zustimmen.

Künftiger Fokus der Spirit liegt auf sicherer und wirtschaftlicher Förderung bestehender Gasreserven

„Ich freue mich, dass wir Spirit Energy auf eine klimaverträgliche und zukunftsfähige Strategie ausrichten werden. Der Verkauf der norwegischen Felder erfolgt zu einem günstigen Zeitpunkt und reduziert unser Engagement im Bereich der Gas- und Ölförderung spürbar", erklärte Florian Bieberbach, Vorsitzender der SWM Geschäftsführung. Laut der "Süddeutschen Zeitung" soll die Transaktion 92 Prozent der Ölproduktion von Spirit Energy und 38 Prozent ihrer Gasreserven umfassen.

Das verbleibende, auf Erdgas fokussierte, britische und niederländische Geschäft der Spirit soll mit einer geänderten Strategie weitergeführt und auf die Anforderungen der Energiewende ausgerichtet werden, heißt es weiter. Der Fokus werde auf der sicheren und wirtschaftlichen Förderung der bestehenden Gasreserven liegen.

Wasserstofferzeugung und -speicherung soll vorangetrieben werden

Die Aufsuchung und Erschließung neuer Gasfelder werde nur noch in begrenztem Umfang im britischen Teil der Nordsee stattfinden. Darüber hinaus würden Möglichkeiten vorangetrieben, vorhandene Infrastruktur für nachhaltige und klimaschonende Aktivitäten, etwa die Wasserstofferzeugung mit anschließender CO2-Einlagerung (blauer Wasserstoff), oder die Wasserstoff-Speicherung in ausgeförderten Gaslagerstätten zu nutzen (grüner Wasserstoff).

Centrica plant Ausstieg bzw. Teil-Ausstieg aus Spirit Energy

Die Stadtwerke München hatten 2017 ihre Aktivitäten im Gas- und Ölfördergeschäft gemeinsam mit dem britischen Centrica-Konzern in die neu gegründete Spirit Energy eingebracht. Centrica hielt seitdem 69 Prozent der Anteile, die SWM die restlichen 31 Prozent. Dadurch hatten die SWM die Risiken in dem volatilen Geschäft deutlich reduziert, es besteht unter anderem keine Nachschusspflicht mehr.

Unsicherheit kam zuletzt aber im Zusammenhang mit der Spirit auch auf, weil Centrica seine Anteile an dem Gemeinschaftsunternehmen respektive einen Teil davon veräußern wollte, um sich zu entschulden. Der Verkaufsprozess wurde bereits gestartet, eine Veräußerung erwies sich während der Coronapandemie aber als nicht realisierbar.

Die SWM haben seit dem Einstieg in das Gasfördergeschäft, das früher in der Bayerngas Norge angesiedelt war, rund zwei Milliarden Euro in dieses Geschäftsfeld investiert. Mit dem Einstieg in die Öl- und Gasförderung im Jahr 2006 hatten die Stadtwerke München sich mit Blick auf die Versorgungssicherheit langfristig einen direkten Zugriff auf die Gasressourcen sichern wollen. Bis vor kurzem war offiziell eine sukzessive Anpassung an den durch die Dekarbonisierung sinkenden Energiebedarf geplant. (hoe)

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