Die Stadtwerke München wollen fürs Erste weiterhin den Gasverbrauch der bayerischen Landeshauptstadt aus eigener Förderung abdecken. Das Bild zeigt eine Bohrplattform in der Nordsee (Symbolbild).

Die Stadtwerke München wollen fürs Erste weiterhin den Gasverbrauch der bayerischen Landeshauptstadt aus eigener Förderung abdecken. Das Bild zeigt eine Bohrplattform in der Nordsee (Symbolbild).

Bild: @ Bayerngas

Im operativen Geschäft sind die Stadtwerke München (SWM) im vergangenen Jahr mit einem blauen Auge davongekommen. Bilanzielle, nicht zahlungswirksame Wertberichtigungen im dreistelligen negativen Millionenbereich im Zusammenhang mit den Gasförderaktivitäten sorgten unter dem Strich allerdings für einen Konzernverlust von 152 Mio. Euro (2019: +116 Mio. Euro). Aufgrund dieses Ergebnisses können die SWM nur rund fünf statt der sonst üblichen 100 Mio. Euro an die Landeshauptstadt München abführen.

Die außergewöhnlichen Sonderbelastungen hängen mit dem massiven Absinken der Gaspreise im vergangenen Jahr zusammen. In der Folge musste der buchhalterische Wert der Beteiligungen in der Bilanz niedriger angesetzt werden. Die SWM waren 2006 gemeinsam mit anderen Stadtwerken in die Gasförderung eingestiegen, um durch den direkten Zugriff die Versorgungssicherheit langfristig zu sichern.  

"Geänderte Preisannahmen wirken sich auf Bewertung einzelner Felder aus"

2017 haben die Stadtwerke München und ihre Tochter Bayerngas ihre in einer Beteiligungsgesellschaft gebündelten Upstream-Aktivitäten gemeinsam mit dem britischen Energiekonzern Centrica in das Gemeinschaftsunternehmen Spirit Energy eingebracht. An dieser halten die Briten 69 Prozent der Anteile, die SWM die restlichen 31 Prozent. Centrica beabsichtigt perspektivisch einen Komplett- oder Teilverkauf der Anteile. Ob und wie der Ausstieg von Centrica erfolgen wird, ist derzeit noch offen.

Die hohen Wertberichtigungen für das Geschäftsjahr 2020 basierten maßgeblich auf geänderten Preisannahmen, die sich auch auf die Bewertung einzelner Felder niederschlagen, teilt das Unternehmen auf ZfK-Anfrage mit. Spirit Energy besaß im Sommer vergangenen Jahres insgesamt 33 produzierende Felder und 148 Lizenzen in Norwegen, Großbritannien und den Niederlanden.

So lief das Jahr für Spirit Energy

"Spirit Energy war in 2020 stark von verfallenen Preisen für Erdgas und Öl betroffen und hat hierauf mit einem konsequenten Einsparprogramm und gekürzten Investitionen für neue Feldentwicklungen und Rückbaumaßnahmen reagiert. Durch die Maßnahmen konnte trotz des sehr herausfordernden Umfelds ein positives bereinigtes Betriebsergebnis und ein deutlich positiver Free Cashflow erwirtschaftet werden", heißt es weiter. Üblicherweise werden rund 80 Prozent des operativen Cash-Flows reinvestiert. Durch die 2020 gekürzten Investitionen sei diese Quote leicht unterschritten worden.

SWM will Gasförderung sukzessive reduzieren

Die SWM wollen die Erdgasförderung in den kommenden Jahren flexibel an den durch die Dekarbonisierung sinkenden Erdgasbedarf anpassen und künftig sukzessive reduzieren, hatte Thomas Meerpohl, Verantwortlicher für das Gasfördergeschäft der SWM im Juli vergangenen Jahres im Interview mit der ZfK erklärt.

Bieberbach: "Wir haben den Stresstest voll bestanden"

Abgesehen von diesem Sondereffekt sind die SWM, wie viele andere Kommunalkonzerne auch, operativ vergleichsweise gut durch das Coronajahr 2020 gekommen. Maßgeblich dazu beigetragen haben ein internes Effizienz- und Sparprogramm sowie die Millionenhilfen aus dem ÖPNV-Rettungsschirm. „In einem Jahr, in dem sich unser Leben drastisch verändert hat, haben die SWM bewiesen, dass sie ihrer Verantwortung auch und gerade unter schwierigsten Bedingungen gerecht werden. Wir haben den Stresstest voll bestanden“, kommentierte der Vorsitzende der SWM-Geschäftsführung, Florian Bieberbach.

Wirtschaftlich hart getroffen wurde das Unternehmen vor allem durch starke Einbußen bei den Fahrgastzahlen, den sehr eingeschränkten Bäderbetrieb und den Verfall der Energiepreise.

Ebit und Ebitda sinken

Das operative Ergebnis (Ebit) sank um zehn Prozent auf 414 Mio. Euro (2019: 459 Mio. Euro).  Allein auf das Erneuerbaren-Portfolio entfallen rund 40 Prozent des Konzern-Ebits, so die Pressestelle auf Anfrage. Das Ebitda blieb mit 905 Mio. Euro in etwa im Bereich des Vorjahres (2019 betrug es 928 Mio. Euro). Der Umsatz habe sich nach einem durch die hohen Handelsumsätze der Bayerngas verursachten Ausreißer im Jahr 2019 wieder auf einen durchschnittlichen Wert von 7,5 Mrd. Euro eingefunden (2019: 10, 7 Mrd. Euro), heißt es weiter in der Pressemitteilung.

Am hohen Investitionsniveau wurde indes nicht gerüttelt. Deutschlands größtes Stadtwerk steigerte dies sogar auf 1,23 Mrd. Euro (2019: 913 Mio. Euro. Die Schwerpunkte bildeten die Bereiche erneuerbare Energien, Kraftwerke, die Energie- und Wassernetze bis hin zu Mobilität und Telekommunikation. Der Wirtschaftsplan sieht bis 2024 zudem weitere Investitionen in Höhe von sechs Milliarden Euro in Zukunftsprojekte vor.

Sparprogramm wird fortgesetzt/Hoffen auf neuen ÖPNV-Rettungsschirm

Die Stadtwerke München rechnen auch im laufenden Jahr mit spürbaren Auswirkungen der Coronakrise auf das operative Geschäft. Allein im Mobilitätsbereich seien bereits gut 30 Mio. Euro an Zusatzverlust aufgelaufen, da man auf Wunsch der Politik das Angebot weitestgehend aufrechterhalte. Daher hoffen die Verantwortlichen auch für 2021 auf einen ÖPNV-Rettungsschirm. Zudem werde man das Effizienz- und Sparprogramm konsequent fortsetzen.

Die Ausbauoffensive erneuerbarer Energien und die Wärmewende in München sollen indes weiter vorangetrieben werden. Bis 2025 will das Unternehmen so viel Ökostrom in eigenen Anlagen produzieren, wie ganz München benötigt. Im laufenden Geschäftsjahr soll zudem am Energiestandort Süd die bislang größte Geothermieanlage Deutschlands an den Start gehen. Auch der Busverkehr soll in den nächsten zehn Jahren weitgehend CO2-neutral werden, die E-Bus-Flotte werde kontinuierlich ausgebaut. (hoe)

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