Dank bewährter "Brandschutz"-Maßnahmen haben die Stadtwerke Münster auch das von Coronapandemie und Energiepreiskrise geprägte Geschäftsjahr 2021 mit einem deutlichen Überschuss abgeschlossen. Am Ende stand trotz Einbußen im operativen Geschäft ein Plus von 8,2 Mio. Euro (Vorjahr: 11,3 Mio. Euro).
"Wir haben den Krisen getrotzt", kommentierte Sebastian Jurczyk, Vorsitzender der Geschäftsführung, auf einer Pressekonferenz. Das kommunale Unternehmen habe sich "souverän und solide" durch das Jahr navigiert.
Noch weniger Passagiere als 2020
Dabei hatten auch die Stadtwerke das zweite Jahr hintereinander mit pandemiebedingten niedrigen Fahrgastzahlen im öffentlichen Nahverkehr zu kämpfen. Mit 30,7 Mio. Passagieren waren es sogar noch weniger als im Vorjahr (30,9 Mio.).
Dazu kamen die Turbulenzen an den Energiemärkten von Herbst 2021 an, als Lieferstopps und Vertragskündigungen von Mitbewerbern mehr als 3500 Kunden in die Münsteraner Grundversorgung spülte. Daraufhin führten die Stadtwerke gesonderte Tarife für Neukunden ein. Nach eigenen Angaben sind etwa drei Viertel der genannten Neukunden in der Grundversorgung geblieben oder in Sonderverträge des Unternehmens gewechselt.
Einsparungen und ÖPNV-Rettungsschirm
Auch ungewöhnlich kalte Temperaturen in den letzten Monaten 2021 machten den Stadtwerken wie vielen anderen Energieversorgern zu schaffen. Insbesondere Gas musste nachgekauft werden. Den dadurch verursachten finanziellen Mehraufwand bezifferte Jurczyk auf drei Mio. Euro.
Wie schon 2020 stemmten sich die Stadtwerke den negativen Effekten insbesondere mit zwei Mitteln entgegen: konsequenten Einsparungen im Unternehmen sowie einem neuerlichen ÖPNV-Rettungsschirm.
14 Mio. Euro Einsparungen
Als großen Erfolg bezeichnete Jurczyk das Einsparprogramm unter anderem im Kampagnenbereich, das auf drei Jahre gestreckt (2020-2022) eine Größenordnung von 14 Mio. Euro umfasst.
Um den erhöhten Beschaffungskosten auf Strom- und Gasseite allerdings Rechnung zu tragen, erhöhen die Stadtwerke Strom- und Gaspreise im Herbst in der Grundversorgung im Schnitt auf rund 30 und elf Cent pro kWh. Zudem liegt der Fernwärmepreis um 43 Prozent höher als im Vorjahr, wie es in einer Presseaussendung heißt.
Ehrgeizige Erneuerbaren-Ziele
Vergleichsweise ehrgeizige Ziele verfolgen die Stadtwerke beim Ausbau des Erneuerbaren- und Wärmeerzeugungsgeschäfts. "Bis 2030 wollen wir den Strom für die münsterschen Haushalte in eigenen erneuerbaren Anlagen erzeugen", betonte er.
Die Zahl der Windenergieanlagen wollen die Stadtwerke bis Ende des Jahrzehnts auf insgesamt 42 verdoppeln. Etwa 250 MW bearbeite das Erneuerbare-Energien-Team des Unternehmens aktuell in verschiedenen Planungsphasen, sagte Jurczyk.
PV-Boom
Kritisch bewertete der Manager den Ausbau von Photovoltaik-Anlagen im vergangenen Jahr. Trotz geplanter Projekte mit einem Erzeugungspotenzial von insgesamt 3,5 MWp habe man nicht die hohe Dynamik des Vorjahres erreicht. Jurczyk führte dies auf Lieferschwierigkeiten, Verschiebungen von Bauvorhaben und Fachkräftemangel zurück. Deshalb würden zahlreiche Projekte erst dieses oder nächstes Jahr realisiert.
Die Nachfrage nach PV-Anlagen für Zuhause sei stark gestiegen, berichtete der Manager. Als Beispiel nannte er den Boom auf Solaranlagen, die die Stadtwerke seit fast einem Jahr auch als Pachtmodell anbieten. (Die ZfK berichtete.)
Verhandlungen um Westfälische Fernwärmeversorgung
Um ihr Engagement im Wärmesektor weiter zu vertiefen, wollen die Stadtwerke zudem alleiniger Anteilseigner an der Westfälischen Fernversorgung werden. Jurczyk berichtete, dass es darüber bereits Verhandlungen mit den Stadtwerken Dinslaken gebe. Diese halten 50 Prozent der Anteile.
Wie vereinbart wird auch diesmal ein Großteil des Gewinns an den Eigentümer, die Stadt Münster, ausgeschüttet. Konkret sind es 6,5 Mio. Euro. Der Umsatz betrug im vergangenen Geschäftsjahr 559 Mio. Euro (Vorjahr: 525 Mio. Euro). Die Stromabgabe ging leicht nach unten (1,2 Mrd kWh), während Gas- und Wärmeabsatz wohl vor allem witterungsbedingt stiegen (insgesamt 3,1 Mrd. kWh). (aba)



