Von Artjom Maksimenko
Angesichts der anstehenden Aufgaben rund um die Wärmewende stehen die Stadtwerke Potsdam (SWP) vor gewaltigen Herausforderungen und brauchen dafür viel Fremdkapital. Die Rede ist von einem Betrag in dreistelliger Millionenhöhe. Ihre potenziellen Geldgeber müssen die Stadtwerke allerdings von ihrer Kreditwürdigkeit überzeugen.
Für die Sicherung dieser Kreditwürdigkeit muss der Versorger erhebliche Sparmaßnahmen umsetzen. Für eine ZfK-Anfrage waren die Stadtwerke nicht erreichbar. Medienberichten zufolge hatte SWP-Geschäftsführer Monty Balisch im Hauptausschuss der Stadt Potsdam nun drei Planungsszenarien vorgestellt. Alle bedeuten starke Einschnitte für die Potsdamerinnen und Potsdamer.
Deutliche Einschitte notwendig
Die wohl tiefgreifendste Variante sieht laut Balisch unter anderem die Schließung der Strandbäder und eine Kürzung der Hallenbad-Öffnungszeiten vor. Der Bäderbetrieb als Tochterunternehmen des Stadtwerkekonzerns sei auf millionenschwere Zuschüsse aus dem Querverbund angewiesen. "Defizitäre Einheiten kann man am besten optimieren, wenn man sie kürzer betreibt – oder ihren Betrieb komplett einstellt", so Balisch.
Auch könnten Investitionen in die Elektromobilität, in den Betriebshof des Verkehrsbetriebes sowie eine Erweiterung des Streckennetzes auf der Kippe stehen. Auch müssten die Stadtwerke unter Umständen ihr ÖPNV-Angebot zurückfahren: Eine "erhebliche Angebotsreduzierung des öffentlichen Personennahverkehrs" werde geprüft, wird Balisch in einem Zeitungsbericht der "Märkischen Allgemeinen Zeitung" zitiert.
Erdwärme statt Gasturbinen
Im Zuge der Dekarbonisierung der Wärmeversorgung müssen die Stadtwerke beispielsweise zwei Gasturbinen des Heizkraftwerks Süd bis 2030 zurückbauen, Kostenpunkt: 350 Millionen Euro. Für die Umsetzung des Vorhabens ist die Energieversorgungstochter Energie und Wasser Potsdam (EWP), die bislang das finanzielle Zugpferd der Stadtwerkegruppe war, zuständig.
Kernanliegen der Planungsszenarien bleibt, dass die ersten vier der von der EWP geplanten Geothermie-Anlagen finanziell abgesichert werden und für die Realisierung weiterer vier Geothermie-Anlagen bis März 2025 ein Verfahrensvorschlag vorliegen soll. Die acht Anlagen sind nötig, um die Wärmeversorgung in Potsdam nach dem Aus der ersten Gasturbine abzusichern. Die erste Tiefengeothermiebohrung erfolgte bereits 2022. Balisch sicherte im Hauptausschuss zu, dass der notwendige Eigenkapitalanteil der EWP für die ersten vier Geothermie-Anlagen in Höhe von 18 Millionen Euro über die SWP bereitgestellt werde, die dafür ihrerseits einen Kredit aufnehmen.
Die Planungsszenarien dienen als Diskussionsbasis für die Stadtpolitik bei der Debatte über die geforderten Einsparungen von rund 50 Millionen Euro jährlich. Der Hauptausschuss hat den gemeinsamen Antrag der vier Fraktionen in geänderter Fassung bestätigt.
Zu den bereits beschlossenen Maßnahmen zählen laut Balisch ein höherer städtischer Zuschuss über 26 Millionen Euro als Verlustausgleich für die SWP, eine Kreditaufnahme der SWP über 20 Millionen Euro zur Weitergabe als Darlehen an die EWP und ein Kommunalkredit über 42 Millionen Euro, der als Gesellschafterdarlehen an die EWP gehen soll.
Städtische Mittel sind begrenzt
Dabei sind die verfügbaren Mittel der Stadt Potsdam stark begrenzt. In einem Bericht der Zeitung "Potsdamer Neueste Nachrichten" hatte Potsdams Oberbürgermeister Mike Schubert (SPD) zuletzt vor großen Problemen wegen schwindender Haushaltsmittel gewarnt. Laut Schubert verfügt die Stadt aktuell noch über einen Zahlungsmittelbestand von 206 Millionen Euro, Ende 2023 waren es noch mehr als 275 Millionen Euro. Sollte die Liquidität im gleichen Tempo zurückgehen, "werden wir viele Ideen ad acta legen müssen", so Schubert. Die Pressestelle der Stadt Potsdam hatte sich bis zum Redaktionsschluss nicht zum Sachverhalt geäußert.



