Gebhard Gentner bildet seit 2015 gemeinsam mit Ronald Pfitzer das Geschäftsführer-Duo der Stadtwerke Schwäbisch-Hall.

Gebhard Gentner bildet seit 2015 gemeinsam mit Ronald Pfitzer das Geschäftsführer-Duo der Stadtwerke Schwäbisch-Hall.

Bild: © Stadtwerke Schwäbisch-Hall

Die Stadtwerke Schwäbisch Hall wollen sich künftig im klassischen Energiegeschäft noch stärker auf die Heimatregion fokussieren. „Wir müssen nicht nach Bremen fahren und Windkraftakquise machen. Wir haben hier einen großen Bekanntheitsgrad und einen guten Namen“, sagt Geschäftsführer Gebhard Gentner im Gespräch mit der ZfK.

Im Bereich PV-Freiflächenanlagen habe das Unternehmen allein im Landkreis Schwäbisch Hall Projekte mit einer Größenordnung von 20 MW in der Pipeline. Im Onshore-Windbereich sei an einem Standort eine Erweiterung um 20 bis 25 MW geplant.

Erneuerbaren-Anteil in Wärmesparte steigt auf mindestens 55 Prozent

Der Kommunalversorger deckt bereits seit 2018 bilanziell den gesamten Energiebedarf der Stadt mit Ökostrom ab, die Wärmesparte soll bis 2035 klimaneutral sein. Im nächsten Jahr soll hierzu der Erneuerbaren-Anteil im Wärmebereich auf mindestens 55 Prozent ansteigen. Möglich wird das durch die Einbindung der eigenen Biogasanlagen im Netz und den Betrieb einer großen Biomethan-Anlage.

„Wir werden aber auch im Außenbereich gasbetriebene Klein-BHKWs durch größere Hackschnitzelanlagen ersetzen.“ Künftig wolle man hier verstärkt auf einen Mix aus Hackschnitzeln, Pellets, Abfall und möglicherweise Bioabfall setzen, auch der Einsatz von Wärmepumpen werde erwogen. Zudem ist der Bau eines zweiten, großen Blockheizkraftwerks mit einer weiteren 7,5 MW starken Maschine ist in Planung.

Auch den Aufbau und die Gründung weiterer Stadtwerke in der Region schließt Gentner nicht aus. Jüngst waren die Haller hier an dem Aufbau einer neuen Wärmeversorgung und eines neuen Kommunalversorgers in Öhringen im benachbarten Hohenlohekreis beteiligt.

Stadtwerke-Neugründungen: Auch andere Kommunen sind interessiert

„Wir haben hier auch Anfragen anderer Kommunen. Man muss da immer schauen, wie die Größenverhältnisse sind“, erklärt Gentner. Gerade in Städten, in denen bereits eigene Wärmenetze bestehen, gebe es Potenzial.  

„Die Komplexität nimmt immer mehr zu, auch bei der Wärmeabrechnung und da kommen viele mittlerweile an ihre Grenzen“. Hier bekomme er mittlerweile auch Anfragen von Klein-BHKW-Betreibern mit einer Anlagengröße von bis zu 50 KW, die sich von der wachsenden Bürokratie überfordert fühlten.

Kooperationen: Ottobrunn als Sonderfall?

Positiv fällt sein Fazit zur Entwicklung der restlichen Stadtwerke-Beteiligungen aus, auch wenn die Anteile an der Energieversorgung Ottobrunn vor einigen Jahren an die SWM verkauft wurden. „Ottobrunn hatte beim Fernwärmeausbau gute Verträge mit Geothermieanlagen abgeschlossen.“

Deshalb habe der Versorger auch für den Käufer einen gewissen strategischen Wert gehabt. Grundsätzlich müssten aber immer die Kommune und die Verwaltung hinter einer Kooperation mit den Stadtwerken Schwäbisch Hall stehen. „Das war in Ottobrunn nicht der Fall und das lässt sich dann auch nicht aus der Ferne so einfach steuern.“

Sindelfingen: "Eine Win-Win-Situation für alle"

Bei den anderen Beteiligungen, wie in Olching, Bad Neuenahr-Ahrweiler oder Sindelfingen sehe das anders aus. Die 1998 gegründeten Stadtwerke Sindelfingen etwa seien 1998 mit 30 Mitarbeitern gestartet und beschäftigten mittlerweile 110 Angestellte. „Das ist ein absolut selbständiges Unternehmen und eine Win-Win-Situation für alle“, sagt Gentner, der auch Geschäftsführer bei den Stadtwerken Sindelfingen ist.

Die Haller erbrächten gewisse Dienstleistungen vor Ort und hielten den Kooperationsgedanken hoch. Die Stadtwerke Sindelfingen planen aktuell eine gemeinsame Servicegesellschaft mit den Stadtwerken Böblingen. Der Pachtvertrag der Stadt Böblingen mit EnBW Netze läuft 2023 aus. Die beiden Stadtwerke haben sich zusammengeschlossen und wollen die Netze künftig gemeinsam betreiben.

Bei den Ahrtal-Werken in Bad Neuenahr-Ahrweiler habe man dabei geholfen, einen klassischen Kommunalversorger mit Querverbund aufzubauen. Durch den jüngst erfolgten Aufbau von KWK-Anlagen habe man zudem den Einfluss der Kommune auf die Energieversorgung vor Ort weiter gestärkt. (hoe)

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Warum sich die Stadtwerke Schwäbisch Hall mehr Freiheiten von der Politik bei der Digitalen Daseinsvorsorge wünschen und warum KWK-Anlagen laut der Geschäftsführung des Kommunalversorgers noch lange eine dominante Rolle spielen werden, lesen Sie in der Septemberausgabe der ZfK.  Diese erscheint am Montag, 6. September. Zum Abo geht es hier.

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