Der Deutsche Wetterdienst (DWD) hat die hydro-klimatischen Entwicklungen, die zu der Entstehung der Stark- und Dauerniederschläge und in der Folge zu der Hochwasser-Katastrophe geführt haben, analysiert. Im Zeitraum von 12. bis 19. Juli traten Starkniederschläge verschiedener Dauer auf, schreibt der DWD in einem Paper.
Zu Beginn spielten kurze extreme Regenschauer eine Rolle mit einer Dauer von einer bis sechs Stunden. Danach kam es zu einer Mischung von wiederkehrenden (mit Regenpausen) und anhaltenden Ereignissen (ohne Regenpausen). Beide Typen führten zu hohen Niederschlagssummen mit mittleren bis langen Andauerstufen, also zwischen 9 bis 48 Stunden.
„Mindestens“ ein Jahrhundertereignis
Die meisten Ereignisse in der ersten Phase in Mittel- und Westdeutschland können laut DWD mindestens als Jahrhundertereignis eingestuft werden. Bei den Ereignissen der zweiten Phase in Sachsen und Südbayern war dies eher nicht der Fall.
Die aufgetretenen Starkniederschläge ordnen sich in eine Serie von Ereignissen ein, die schon seit Mai 2021 anhält. Bereits jetzt rangiert das Jahr 2021 unter den Top 5 der Jahre mit den meisten aufgetretenen Einzelereignissen seit 2001. Die meisten und intensivsten Starkniederschläge treten in der Regel in Deutschland zwischen Mai und September auf. Es sei also davon auszugehen, dass noch weitere Ereignisse in 2021 hinzukommen werden, schreibt der DWD. Grundsätzlich kann Starkniederschlag an jedem Ort in Deutschland auftreten. Es gibt jedoch eine Tendenz, dass Extremereignisse mit steigender Dauerstufe vermehrt in den Mittel- und Hochgebirgsregionen auftreten.
Der Einfluss des Klimawandels
Während der letzten Jahrzehnte war weltweit und in Deutschland ein Temperaturanstieg zu beobachten, der nur durch den Anstieg der atmosphärischen Treibhausgaskonzentrationen erklärbar ist. Es stellt sich daher die Frage, wie sich dieser Klimawandel regional auf die Häufigkeit und Intensität von Starkregenereignissen auswirkt.
Analysen der letzten 70 Jahre auf Basis von Tagesdaten zeigen, dass die Intensität und die Häufigkeit von Starkniederschlagstagen in Deutschland geringfügig zugenommen haben. Die stärksten Änderungssignale zeigen sich für den Winter. Im Sommer gibt es noch kein klares Bild, so der DWD. Dies liegt vermutlich daran, dass hier zwei Effekte gegenläufig sind. Die Anzahl der Tage mit Niederschlag nimmt eher ab, während sich der Niederschlag selbst an den verbliebenen Tagen intensiviert.
Mehr und intensiverer Starkregen
Auf Basis von Klimaprojektionen kann abgeschätzt werden, dass sich diese Tendenz fortsetzt. Die Niederschlagsmengen an Starkniederschlagstagen im Sommer werden wahrscheinlich weiter steigen. Auch die maximalen Ein-Tages- und Fünf-Tages-Niederschlagssummen sollten nach Erkenntnissen des DWD zunehmen. Für subtägliches Andauern, also eine Dauer unter 24 Stunden, gibt es derzeit nur wenige Mess- und Modelldaten für Deutschland. Aber auch hier zeichnet sich eine Tendenz zur Zunahme der Häufigkeit und Intensität von Starkniederschlägen in der Zukunft ab.
Ein Grund, warum bei steigenden Temperaturen eine Zunahme von Starkniederschlägen erwartet werden kann, liegt im steigenden Aufnahmevermögen der Luft von Wasserdampf mit steigender Temperatur. Weiterhin verdunstet über wärmeren Meeresoberflächen mehr Wasser, wodurch sich ein Potenzial für diese zusätzliche Feuchtigkeitsaufnahme der Luft ergibt.
Weitere Forschungen nötig
Allgemein sind extreme Einzelereignisse zunächst kein direkter Beleg für den Klimawandel. Nur langjährige Beobachtungen können zeigen, ob die Häufigkeit bestimmter Ereignisse zugenommen hat oder nicht. Gerade bei extremen Ereignissen, die nur selten vorkommen, ist es besonders wichtig, einen sehr langen Zeitraum zu betrachten. Ob der Klimawandel nun ein bestimmtes Unwetterereignis verstärkt hat, kann laut DWD nicht ohne weiteres oder gar pauschal beantwortet werden.
Zwar konnte bereits mittels Attributionsforschung für ausgewählte Extremereignisse (z.B. Hitzewellen) gezeigt werden, dass durch den Klimawandel die Eintrittswahrscheinlichkeit erhöht wurde; dies bedarf aber im Einzelfall umfangreicher Untersuchungen. Für den Parameter Niederschlag zeigt eine kürzlich veröffentlichte Studie zu täglichen Maxima des Niederschlags auf globaler Ebene, dass die Intensivierung von Starkniederschlägen, zum Beispiel in Mitteleuropa, zumindest teilweise durch den anthropogenen Klimawandel verstärkt wurde, schreibt der DWD in dem Paper. Eine Attributionsstudie zum aktuellen Ereignis wird derzeit durch das World Weather Attribution Project vorbereitet. (hp)



