Die Stadtwerke Aachen AG (Stawag) verspürt aktuell ein "deutlich verbessertes Umfeld" für die Umsetzung der Energiewende in Deutschland. "Wir haben beispielsweise einige PV-Großflächenprojekte in der Pipeline, von denen wir hoffen, dass wir sie bald umsetzen können", sagte Stawag-Vorstand Christian Becker im Gespräch mit der ZfK mit Blick auf die jüngsten Entscheidungen zur Streichung des Solardeckels und den Anpassungen bei den Abstandsregeln im Windbereich. Die neuen Festlegungen der Rahmenbedingungen zeigten, dass man politisch mehr Erneuerbaren-Projekte wolle. "Diesen Rückenwind spüren wir schon." Dennoch gebe es immer noch zahlreiche regulatorische und gesetzgeberische Hindernisse, die viele Erneuerbaren-Projekte verzögerten, gerade auch in Nordrhein-Westfalen.
Gut gefüllte Projektpipeline
Der Windausbau der Stawag werde nach wie vor stark von der Landesgesetzgebung in NRW beeinflusst. Doch auch hier finde ein Umdenken statt. "Wir bemerken, dass da zum Teil neu gedacht wird bei der Überarbeitung der Flächennutzungspläne", so Becker. Die Stawag erzeugt bereits heute über 500 Mio. kWh Ökostrom in eigenen Wind- und Solaranlagen mit insgesamt rund 220 MW Leistungskapazität. Das entspricht rein rechnerisch dem jährlichen Strombedarf aller Aachener Privathaushalte und der kleineren Gewerbekunden. Dank einer Projektpipeline im Umfang von weiteren 500 MW soll bis 2030 die Ökostrom-Erzeugung auf rund eine Mrd. kWh gesteigert werden. Damit ließe sich ganz Aachen klimaneutral versorgen.
Nächste Inbetriebnahmen wohl in 2021
Im laufenden Jahr hat das Unternehmen Zuschläge in Auktionsverfahren erhalten, Inbetriebnahmen wird es aber voraussichtlich keine geben. "Wir sind aber optimistisch, dass 2021 und 2022 eine ganze Reihe neuer Anlagen von uns ans Netz gehen werden. Wir hatten hier ursprünglich mit einer längeren Durststrecke gerechnet", versicherte Becker. Das Jahr 2019 habe gezeigt, dass die Bürger immer dringlicher Fortschritte beim Klimaschutz erwarteten.
Gutes Ergebnis - auch dank Sondereffekt
Im Geschäftsjahr 2019 hat die Stawag ein gutes Ergebnis vor Steuern in Höhe von 32 Mio. Euro (Vorjahr: 23,8 Mio. Euro) erzielt. Die Umsatzerlöse legten auf 610,3 Mio. Euro (Vorjahr: 578,6 Mio. Euro) zu. Die Erneuerbaren-Sparte der Stawag konnte dabei ihren Deckungsbeitrag im vergangenen Jahr von 8,5 auf 10,1 Mio. Euro steigern. Maßgeblichen Anteil an dem Ergebniszuwachs hat ein Sondereffekt im Netzgeschäft, hier wurden unter anderem stille Reserven gehoben. Aber auch die Risikovorsorge für die Beteiligung am Gasspeicher Epe und am Trianel-Kraftwerk in Lünen wurde erhöht und beträgt jetzt insgesamt 19,9 Mio. Euro.
"Strategie zahlt sich aus"
Der Gewinn in Höhe von 32 Mio. Euro wurde vollständig als Dividende an die Stadt Aachen ausgeschüttet. "Seit vielen Jahren verfolgt unser Unternehmen zwei übergeordnete Ziele: Klimaschutz voranbringen und Wachstum durch Kooperationen", erläuterte Becker. Diese Strategie zahle sich nicht nur wirtschaftlich aus, das Unternehmen trage durch seine stetig wachsende Zahl von Wind- und Solar- sowie neuen KWK-Anlagen erheblich zur CO2-Minderung bei.
Grüne Wärme für ganz Aachen bis 2030
Die KWK-Technologie spielt auch eine Schlüsselrolle bei der Wärmewende in Aachen. Bis 2030 will die Stawag die Stadt komplett kohlefrei mit Wärme versorgen. Ein zentraler Baustein hierbei sind zwei Blockheizkraftwerke. Am Campus Melaten wurde eine Anlage mit einer Leistungsfähigkeit von 10 MW in Betrieb genommen, im Oktober startet der Bau einer weiteren Anlage mit 20 MW. Diese beiden BHKWs sowie Tiefengeothermie und Wärmeauskopplungen aus Klärschlamm- und Müllverbrennungsanlagen sollen künftig die Wärme aus dem RWE-Braunkohlekraftwerk in Weisweiler ersetzen.
Einbußen durch Corona erwartbar
Für das laufende Jahr rechnet der Regionalversorger coronabedingt mit Einbußen aufgrund des gesunkenen Energieabsatzes. In einer ersten Prognose wird Stand heute ein negativer Ergebniseffekt von rund 2,5 Mio. Euro erwartet. Das Ausblick ist dennoch zuversichtlich: "Insgesamt schauen wir dank unserer klaren Strategie sehr optimistisch in die Zukunft und werden beim Klimaschutz weiter Tempo machen", versicherte Christian Becker. (hoe)



