Die Essener Steag hat einen Durchbruch in den Gesprächen mit den Banken erzielt und sich mit den Kreditinstituten auf eine Finanzierungsvereinbarung geeinigt. Damit sei das in einer Restrukturierung befindliche Unternehmen bis Ende 2023 durchfinanziert, heißt es aus dem Umfeld des Energiekonzerns.
Die Einigung soll dem Unternehmen vor allem den notwendigen finanziellen Spielraum geben, um nach dem in absehbarer Frist fast vollständigen Ausstieg aus der Kohleverstromung, den notwendigen Umbau des Konzerns und den Ausbau bestehender Geschäfts- und den Aufbau neuer Wachstumsfelder voranzutreiben. Sprich die Maßnahme soll die finanzielle Basis für die notwendige Transformation der Steag nach innen und nach außen schaffen. Ob und in welchem Umfang die Banken dabei Zugeständnisse machen mussten, ist nicht bekannt.
Roland Berger sieht positive Zukunftsperspektive
Entsprechende Transformationsschritte sind laut Medienberichten in einem Sanierungsgutachten von Roland Berger festgelegt. Die Unternehmensberatung hat in diesem eine positive Zukunftsperspektive für die Steag formuliert.
Auch auf Basis dieser Prognose haben die beteiligten Banken in die jetzt erzielte Vereinbarung eingewilligt. Die erreichte Durchfinanzierung bis 2023 bildet ferner die Voraussetzung für die Testierung des noch ausstehenden Jahresabschlusses für das Geschäftsjahr 2020 durch die Wirtschaftsprüfer. Laut ZfK-Informationen ist geplant, dass die Steag die Bilanz im Laufe des Oktobers veröffentlicht.
Aufgrund von Rückstellungen, Restrukturierungskosten und operativen Einbußen wird laut einem Bericht der „WAZ“ allein für 2020 im Bereich der Steinkohlekraftwerke mit einem Verlust von 57 Mio. Euro gerechnet. Durch den Verkauf einzelner Tochterunternehmen und schnelle Fortschritte bei der Restrukturierung soll sich die Liquiditätslage des Konzerns mittlerweile deutlich verbessert haben.
Ausbau bestehender Wachstumsfelder
Seit der Verabschiedung des Kohleverstromungsgesetzes ist das inländische Portfolio an Steinkohlekraftwerken des Konzerns massiv geschrumpft. Das Unternehmen wird mittels Zuschlägen in Stilllegungsauktionen sowie durch weitere Stilllegungen bis Herbst 2022 fast den kompletten Kohleausstieg vollzogen haben. Für das junge Steinkohlekraftwerk Walsum 10 wird derzeit eine Umstellung auf Holzpellets geprüft.
Um dieses weggebrochene Geschäft zu ersetzen, sollen nun unter anderem Geschäftsfelder wie erneuerbare Energien, Energiedienstleistungen oder Wasserstoffwirtschaft weiter ausgebaut werden. Die Steag verfügt zudem über viel Erfahrung im Bereich Energieeffizienz und Dekarbonisierung. Dieses Asset soll bei der Neuausrichtung des Konzerns eine wichtige Rolle spielen und verstärkt Industrie und Kraftwerksbetreibern bei der Umrüstung ihrer Produktion und Anlagen angeboten werden. (hoe)



