Die Steag-Geschäftsführung: Alfred Geißler (von links), Wolfgang Cieslik, Joachim Rumstadt, Michael Baumgärtner.

Die Steag-Geschäftsführung: Alfred Geißler (von links), Wolfgang Cieslik, Joachim Rumstadt, Michael Baumgärtner.

Bild: © Alexey Muchnik/Steag

Deutliche Umsatzeinbußen und ein besser als erwartet ausgefallener Ebit kennzeichnen das Geschäftsjahr 2018 beim Energiekonzern Steag. Aufgrund der endgültigen Stilllegung dreier Kraftwerksblöcke und einer insgesamt geringeren Auslastung der Anlagen sank der Umsatz um ein Fünftel von 3,63 Mrd. im Vorjahr auf 2,9 Mrd. Euro. Der Ebit ging um 19 Prozent gegenüber dem Vorjahr auf 160,6 Mio. Euro zurück - vor einem Jahr hatte das Unternehmen noch einen Rückgang von 30 Prozent prognostiziert. Unterm Strich fällt das Konzerngebnis nach Steuern mit 12,7 Mio. Euro (Vorjahr: 59,6 Mio. Euro) um fast 80 Prozent niedriger aus als im Vorjahr.

Dass das Unternehmen aber dennoch 45 Mio. Euro an Gewinn an die Kommunale Beteiligungsgesellschaft (Konsorten) überweist  - hinter dieser stehen sechs Stadtwerke aus dem Ruhrgebiet und vom Niederrhein - ist den Beteiligungsgewinnen von Tochtergesellschaften aus dem Jahr 2017 zu verdanken. Die KSBG-Konsorten benötigen die Gewinnabführung für die Tilgung von Kreditraten, sie hatten den Steag-Kauf mit einer Summe von 1,2 Mrd. Euro in zwei Tranchen zu größten Teilen kreditfinanziert. Auf darüberhinausgehende Dividendenzahlungen haben die Stadtwerke mit Blick auf die laufende Restrukturierung der Steag bis 2020 verzichtet.

Restrukturierung trägt Früchte

Das Transformationsprogramm "Steag 2022" hat im vergangenen Jahr zu einer Verbesserung des Konzernergebnisses um 107 Mio. Euro beigetragen. Rund 55 Prozent davon entfielen auf Effizienzsteigerungen, 30 Prozent auf aktives Portfoliomanagement und 15 Prozent auf Wachstumsinitiativen. 57 Prozent des Ebits der Steag entfiel im vergangenen Jahr auf das Auslandsgeschäft, dieser Anteil wird im laufenden Jahr nochmals steigen. Ertragsbringer im Auslandsbereich waren unter anderem Onshore-Windparks und Energie-Dienstleistugen in verschiedenen Ländern.

Dass die Steag mittlerweile ihr Geld längst nicht mehr mit inländischen Kraftwerken verdient, zeigt ein Blick auf die Verteilung des Ebit auf die wichtigsten Sparten. Nur sechs Prozent des Ebit stammte im vergangenen Jahr aus inländischen Kraftwerken, 38 Prozent aus ausländischen Kraftwerksanlagen (insbesondere Kolumbien, Türkei, Philippinen), weitere 26 Prozent entfielen auf Dienstleistungen und Fernwärme, die restlichen 30 Prozent wurden im Bereich Dezentrale Anlagen und Erneuerbare Energien erwirtschaftet. Gerade der Bereich Dezentrale Anlagen soll in den kommenden Jahren weiter stark wachsen.

"Richtige Strategie für Kohleausstieg"

"Die Diversifikation zahlt sich aus. Wir haben uns frühzeitig auf die tiefgreifenden Veränderungen der Energiebranche eingestellt", resümierte der Vorsitzende der Steag-Geschäftsführung, Joachim Rumstadt. Der Kohleausstieg sei als Ziel formuliert. Steag habe die richtige Strategie, um den Weg dorthin zu gestalten. Bis 2023 plant der Konzern Investitionen in Höhe von 1,25 Mrd. Euro, davon entfallen allein 900 Mio. Euro auf Wachstumsinvestitionen. Geplant ist unter anderem der Bau von drei Gaskraftwerken, darunter in Herne. Zwei Drittel der Wachstumsinvestitionen bis 2023 sind im Inland geplant.

Auch in dem sich sehr erfolgreich entwickelnden neuen Geschäftsbereich Waste to Energy plant das Unternehmen den Zukauf einiger Anlagen. Da es in Deutschland aktuell wenig Opportunitäten gibt, hat man hier vor allem Objekte in den Niederlanden, Polen, aber auch in Südostasien im Visier. Für das geplante Geothermie-Projekt Batturaden in Indonesien sucht die Steag aktuell noch Investoren, die sich an der Projektgesellschaft beteiligen.

Positiver Ausblick

Die Mitarbeiterzahl des Konzerns ist im vergangen Jahr, bedingt durch die Akquisition des Lüftungstechnikspezialisten Krantz, leicht gestiegen auf 6575 per Ende Dezember 2018. Gleichzeitig sind im Zuge der Kraftwerksschließungen 121 Stellen abgebaut worden. Für das laufende Geschäftsjahr erwartet die Steag-Geschäftsführung ein Umsatzplus von 3,1 Prozent, beim Ergebnis vor Zinsen und Steuern wird eine Verbesserung um 20 bis 25 Prozent erwartet. Die Investitionen sollen mit rund 230 Mio. Euro um ein Drittel höher ausfallen als im Vorjahr.

Für das kommende Jahr erwartet Geschäftsleitungsmitglied Michael Baumgärtner einen deutlich höheren Ebit-Beitrag aus den inländischen Kraftwerken. Da bereits aktuell und auch künftig, verstärkt gesicherte Leistung von anderen Playern aus dem Markt genommen werde, verzeichne man eine deutlich höhere Nachfrage und erwarte deutlich höhere Strompreise. Bis zur Abschaltung des letzten Kernkraftwerks im Jahr 2023 rechnet die Steag mit einer Verdopplung des Clean Dark Spreads.

Verständnis für Abstimmungsprozess in KSBG

Eine der meist gestellten Fragen auf der Steag-Bilanzpressekonferenz war die nach der bevorstehenden Anschlussfinanzierung der Kredite der Kommunalen Beteiligungsgesellschaft (KSBG) und der künftigen Gesellschafterstruktur. Das Steag-Management beantwortete diese relativ nüchtern. "Ich habe Verständnis dafür, dass bei so vielen Beteiligten auf den verschiedenen Ebenen die notwendigen Abstimmungen und Entscheidungen einfach länger dauern", versicherte Joachim Rumstadt.

Eine Entscheidung darüber, ob künftig alle aktuell beteiligten Städte Gesellschafter bleiben wollten oder ihre Anteile untereinander handelten, sei seines Wissens noch nicht gefallen. Er vertraue darauf, dass die kommunalen Eigentümer zeitnah eine solide Anschlussfinanzierung abschließen werden.

Essen will zügig aussteigen

Die Anschlussfinanzierung betrifft die in 2014 aufgenommenen Kredite der KSBG und muss bis zum Jahresende stehen. Ab 2020 besteht erstmals die Möglichkeit für KSBG-Konsorten sich von ihren Steag-Anteilen zu trennen. Bis auf Dortmund wird in den Räten aller anderen KSBG-Gesellschafter, sprich Essen, Duisburg, Dinslaken, Oberhausen und Bochum über einen Austritt diskutiert. Der Rat der Stadt Essen bereits beschlossen, schnellstmöglich aus der Steag aussteigen zu wollen.

Der Steag-Aufsichtsratsvorsitzende Guntram Pehlke stärkt dem Energiekonzern mit Blick auf  seine Auslandsaktivitäten unterdessen den Rücken. "Die Energiemärkte im Ausland bieten erhebliches Potenzial. Die kommunalen Eigentümer stehen uneingeschränkt hinter diesem Auslandsengagement der Steag", betonte der Chef der Dortmunder Stadtwerke. Einen weiteren Artikel zur Steag-Bilanzpressekonferenz finden Sie hier. (hoe)

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