Der Kraftwerksbetreiber Steag hat offenbar ein wirtschaftlich glänzendes Jahr 2022 hinter sich.

Der Kraftwerksbetreiber Steag hat offenbar ein wirtschaftlich glänzendes Jahr 2022 hinter sich.

Bild: © Rolf Vennenbernd/dpa

Eigentlich ist es eine gute Nachricht für die sechs kommunalen Anteilseigner des Essener Stromerzeugers Steag. Nach Informationen der "Westdeutschen Allgemeinen Zeitung", kurz "WAZ", hat der jahrelang kriselnde Konzern im vergangenen Geschäftsjahr einen Rekordgewinn von 1,9 Mrd. Euro erwirtschaftet – offiziell sollen die Zahlen wohl erst im August vorgestellt werden.

Freudig soll der Bochumer Stadtwerkechef Dietmar Spohn aber nicht reagiert haben, als er am Mittwoch auf der Bilanzpressekonferenz seines Unternehmens darauf angesprochen wurde. Er halte die Meldung mit Blick auf den laufenden Verkaufsprozess für "absolut schädlich", sagte er laut "WAZ". Das werde noch in irgendeiner Art Konsequenzen haben.

Bochum gegen Dortmund

Der Unmut richtete sich offenbar gegen die Dortmunder Stadtwerke DSW21. Diese hatten am selben Tag bekanntgegeben, dass sich das Ergebnis sowohl der Dortmunder Stadtwerke AG als auch der Holding "aufgrund des überraschend guten Geschäftsverlaufs der Steag" deutlich verbessert habe – im ersten Fall um 77,5 Mio. Euro, im zweiten sogar um 576 Mio. Euro. (Die ZfK berichtete.) Die Zahl 1,9 Mrd. Euro fand sich in der Pressemitteilung nicht wieder.

Bahnte sich da etwa ein veritabler Krach an zwischen dem größten und drittgrößten Steag-Anteilseigner? Tags darauf wiegelten die Sprecher der Unternehmen ab. Von einem "Sturm im Wasserglas", war die Rede. "Es gibt keinerlei Zerwürfnis zwischen den sechs Gesellschaftern", gab DSW21-Sprecher Frank Fligge zu Protokoll. Jascha Dröge, Sprecher der Stadtwerke Bochum, pflichtete dem bei.

Heim neue KSBG-Aufsichtrsratsvorsitzende

Ein Beleg für die fortbestehende Geschlossenheit: Noch am Mittwochnachmittag sei die neue DSW21-Vorstandsvorsitzende Heike Heim einstimmig zur Präsidiums- und Aufsichtsratsvorsitzenden der Kommunalen Beteiligungsgesellschaft KSBG gewählt worden, in der die Steag-Anteile der Stadtwerke gebündelt werden.

Was die Steag-Pressemitteilung betrifft, verwies Fligge auf Veröffentlichungspflichten, denen DSW21 unterliege. Behauptungen, dass die Konzernführung Informationen zum Steag-Gesamtergebnis durchgestochen habe, wies er zurück. Sein Unternehmen kommentiere die Zahlen im "WAZ"-Bericht nicht.

Gesellschafter: Beteiligen uns nicht an Spekulationen

Bedeckt hielten sich weitere kommunale Anteilseigner. Es gebe keinen Grund, über irgendwelche Beträge und Verwendungszwecke zu spekulieren, teilten die Stadtwerke Dinslaken auf ZfK-Anfrage mit. Die Stadtwerke Duisburg äußerten sich ähnlich.

Auch die Energieversorgung Oberhausen schrieb, dass sie sich an Spekulationen zum Jahresabschluss der Steag nicht beteilige. Der Jahresabschluss sei festgestellt. Die offiziellen Zahlen würden aller Voraussicht nach im August veröffentlicht.

Vorerst keine Gewinnausschüttung

"Vom Erlös des guten Geschäftsjahres 2022 wird in diesem Jahr bei den Stadtwerken nichts ankommen", wurde wiederum Peter Schäfer, Chef der Stadtwerke Essen, in der "WAZ" zitiert.

Und auch die Stadtwerke Dortmund erinnerten in ihrer Aussendung daran, dass ihnen durch das positive Steag-Ergebnis nicht automatisch Geld zuflösse. "Der Essener Energiekonzern steht seit Ende 2021 wegen der zwischenzeitlich angespannten Geschäftslage unter einem so genannten Sanierungsregime", hieß es. "Eine Gewinnausschüttung über die KSBG an die sechs Gesellschafter ist demnach vorerst ausgeschlossen."

Steag-Verkauf im August?

Erst wenn das Sanierungsregime beendet sei, würden die liquiden Mittel aus dem anteiligen Steag-Ergebnis den Stadtwerken zugehen. "Voraussichtlich wird dies Ende 2023 der Fall sein."

Bis dahin könnte die Steag bereits den Eigentümer gewechselt haben. Der Verkaufsprozess befinde sich in der "Zielgeraden", hieß es zuletzt. Im August könnte es soweit sein. (aba)

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