Der Energiekonzern Innogy kämpft im Geschäftsbereich Vertrieb mit mehreren Problemen. Auf das Ergebnis hätten insbesondere gestiegene Großhandelspreise für Strom und Gas, sowie in Deutschland auch höhere Netznutzungsentgelte gedrückt, erklärte am Freitag Finanzvorstand Bernhard Günther anlässlich der Präsentation der Halbjahresergebnisse. "Diese Kosten konnten wir angesichts des angespannten Wettbewerbs nicht vollumfänglich weiterreichen", so Günther. Negativ wirkten sich zudem im europäischen Geschäft auch die Einführung von Preisobergrenzen für Standardtarife in Großbritannien und regulatorische Eingriffe in Osteuropa - speziell in Polen und Ungarn - aus.
Innogy-Vorstandschef Uwe Tigges hob allerdings die positive Kundenentwicklung in Deutschland hervor. Auf dem heimischen Markt setze sich im bisherigen Geschäftsjahr der Aufwärtstrend aus 2018 fort. "So verbuchen wir für das erste Halbjahr ein Plus von insgesamt rund 180.000 Kunden", erklärte Tigges. Innogy habe damit die Schwelle von 8 Millionen Strom- und Gaskunden in Deutschland geknackt und bleibe Marktführer.
Erfolge im Konzessionsgeschäft
Die Kundengewinne in Deutschland hatten im ersten Halbjahr für Innogy jedoch noch keine wesentlichen Auswirkungen auf das Vertriebsergebnis. Seit dem zweiten Quartal beginne der Effekt aber langsam zu greifen. Im britischen Vertriebsgeschäft wird hingegen auch in der zweiten Jahreshälfte keine Entspannung erwartet. Dort belasten Innogy - wie auch Eon - die strikten Preisvorgaben des Regulierers, im Herbst drohen erneut verschärfte Preisobergrenzen im Endkundengeschäft. Der operative Verlust (EBIT) in dieser Sparte könne sich bis zum Jahresende mehr als verdoppeln, hieß es. In den ersten sechs Monaten lag der operative Verlust in diesem Bereich bei 81 Mio. Euro. Ende 2019 könnte er auf 250 Mio. Euro ansteigen, sagte Finanzchef Günther.
Im Unternehmensbereich Erneuerbare Energien kletterte das Ergebnis, vor allem höhere Marktpreise und bessere Witterungsbedingungen im Vergleich zum Vorjahr hätten dafür gesorgt. Im Segment Netz & Infrastruktur minderte die Veräußerung des tschechischen Gasnetzgeschäfts den Gewinn. Hier habe jedoch das deutsche Konzessionsgeschäft Erfolge erzielen und Verträge mit rund 210.000 versorgten Einwohnern neu abschließen können. Zusätzlich sei der Versorger eine Netzkooperation mit einer Kommune mit 6.000 versorgten Einwohnern eingegangen.
E-Mobility soll weiter wachsen
Im Geschäftsfeld „eMobility“ baue Innogy mit dem neuen Zielmarkt Frankreich seine Position in Europa weiter aus. Insgesamt betreibe der Energiekonzern inzwischen rund 12.000 vernetzte Ladepunkte in Europa, rund 6.000 Ladepunkte in den USA und habe in Europa über 16.000 Ladeboxen an Privat- und Gewerbekunden verkauft.
Das Innogy-Management bestätigte die Ziele für das laufende Geschäftsjahr. Konzernchef Tigges rechnet insgesamt weiterhin mit einem bereinigten Ergebnis vor Zinsen und Steuern (EBIT) von rund 2,3 Mrd. Euro und einem bereinigten Nettoergebnis von etwa 850 Mio. Euro. In den ersten sechs Monaten sank das bereinigte Nettoergebnis des Energiekonzerns im Vergleich zum Vorjahr um gut ein Viertel auf 488 Mio. Euro. Auch das operative Ergebnis ging zurück und erreichte nur noch 1,3 Mrd. Euro - knapp 16 Prozent weniger ein Jahr zuvor. Mit rund 19 Mrd. Euro lag der Umsatz zwischen Januar und Juni um 1,7 Prozent unter dem Wert im Vorjahreszeitraum.
Eon erbt höhere Nettoschulden
Das Ergebnis sei zwar wie erwartet ausgefallen, schrieb Experte Ahmed Farman vom Analysehaus Jefferies. Die gestiegene Nettoverschuldung – sie lag Ende Juni bei rund 19,8 Mrd. Euro – könnte allerdings die entsprechende Konsensschätzung für 2019 gefährden. John Musk vom Analysehaus RBC sieht darin zusätzlich ein Problem für die künftige Innogy-Muttergesellschaft Eon. (hil)



