Von Hans-Peter Hoeren
Rund zehn Millionen Beleuchtungsanlagen an Straßen, Geh- und Radwegen, Parkplätzen, Parkanlagen oder Spielplätzen gibt es in Deutschland. Dazu gehören auch Erdkabel oder Freileitungen, Schalt- und Verteilerstationen sowie Steuerungseinrichtungen. "Bereits für eine rollierende Erneuerung dieser Anlagen zum Ende ihrer jeweiligen Nutzungsdauer kann man von einem jährlichen Investitionsvolumen von etwa 800 Millionen Euro ausgehen", schätzt Olaf Unruh, Geschäftsführer de Aachener BET Consulting GmH. Kurz- und mittelfristig stehe die Straßenbeleuchtung jedoch vor weiteren Herausforderungen. Ähnlich wie beim "Glühlampenverbot" im Privathaushalt seien – mit Ausnahme der LED – fast alle Leuchtmittel in der Straßenbeleuchtung ab 2027 nicht mehr erhältlich.
"Das bedeutet, dass über 50 Prozent der derzeitigen Leuchten zusätzlich zur oben genannten rollierenden Anlagenerneuerung innerhalb der nächsten fünf Jahre modernisiert werden müssen", verdeutlicht Unruh. Mittelfristig werde zudem ein derzeit noch vielerorts genutztes Steuerungsverfahren sukzessive vom Markt verschwinden. Auch hier seien Investitionen in Schalt- und Steuerungsanlagen notwendig.
Vielerorts befänden sich die Beleuchtungsanlagen zudem bereits am Ende ihrer Nutzungsdauer, deshalb sei allein in den nächsten fünf Jahren mit einem erforderlichen Investitionsvolumen von etwa 10 Milliarden Euro zu rechnen. Der BET-Geschäftsführer sieht hier auch viele Parallelen zu anderen Netz- und Anlageinfrastrukturen. Die Beleuchtung der Zukunft werde zudem Bestandteil der smarten Infrastruktur sein und sich zu einem Datennetzwerk mit Beleuchtung verwandeln. "Dies unterstreicht, wie eng es mit Themen verwebt ist, mit denen BET überwiegend assoziiert wird."
Übernahme der Beratungsfirma ist Teil der Wachstumsstrategie von BET
Ein interessantes Marktsegment zweifellos, in dem BET seit rund 15 Jahren als Lösungsanbieter und Berater tätig ist. Das Unternehmen habe in den vergangenen Jahren unter anderem die Städte Berlin und Stuttgart bis hin zu kleineren Gemeinden bei der Neustrukturierung und Ausschreibung der Straßenbeleuchtung unterstützt. Dennoch habe diese Geschäftsfeld im Vergleich zu anderen Themen, in denen BET stark gewachsen sei, zuletzt ein wenig an Bedeutung verloren, so Unruh weiter. Das soll sich ändern, künftig sollen wieder fünf bis zehn Prozent der Umsatzerlöse aus dem Themenfeld Beleuchtung stammen. Um das sicherzustellen, hat das Aachener Beratungsunternehmen kürzlich eine Mehrheitsbeteiligung an der "ILB Dr. Rönitzsch GmbH", einem der marktführenden Ingenieurbüros für Neuorganisationsprozesse rund um Straßenbeleuchtung und Elektrotechnik erworben.
Dies ist Teil der Strategie "BET 2030", mit der das in Aachen ansässige Unternehmen neben organischem Wachstum auch durch weitere Beteiligungen an Beratungsunternehmen und Ingenieurbüros sein Lösungsangebot weiter ausbauen will.
Das in der Nähe von Dresden angesiedelte, hochspezialisierte Unternehmen ILB Dr. Rönitzsch umfasst ein langjährig gewachsenes, kleines Team von Ingenieuren, Elektromeistern, spezialisierten technischen Mitarbeitern sowie dem Gründer Henry Rönitzsch. Das Beratungsbüro hat in den vergangenen Jahren unter anderem Großprojekte in Düsseldorf, Hannover und Görlitz begleitet. Daneben wurden deutschlandweit eine Vielzahl an Projekten verschiedenster Größenordnung umgesetzt, etwa in der Gemeinde Bosau mit 3.500 Einwohnern.
Hochspezialisiertes Beratungssegment mit bis zu zehn Wettbewerbern
"Unter Berücksichtigung des umfangreichen Leistungsspektrums von ILB für diesen hochspezialisierten Bereich sowie der langjährigen Erfahrungswerte kann das Unternehmen mit seiner Expertise als marktführend in Deutschland betrachtet werden. ILB steht dabei im Wettbewerb mit fünf bis zehn Unternehmen", verdeutlicht Mirko Ufer, der im Rahmen der Nachfolgeregelung als neuer Geschäftsführer die Leitung von ILB übernommen hat.
Die Kommunen verwendeten durchschnittlich etwa 30 Prozent ihres Stromverbrauches für die Straßenbeleuchtung. Allein durch die Umstellung auf LED könne dieser Energiebedarf auf weniger als die Hälfte reduziert werden. "Wird zudem die Modernisierung der Beleuchtungssteuerung eingebunden, können weitere Einsparungen erzielt werden – deutschlandweit besteht somit ein Einsparungspotential von über 1,5 Milliarden Kilowattstunden pro Jahr", sagt Ufer. Das habe auch einen positiven Effekt auf die CO2-Bilanz.
Neben diesen ökologischen Aspekten seien im Rahmen der Modernisierung der Straßenbeleuchtung – insbesondere unter gleichzeitiger Berücksichtigung der Steuerung und des Beleuchtungsnetzes – weitere Mehrwerte denkbar, die über die eigentliche Straßenbeleuchtung hinaus gingen und sich auch positiv auf die Infrastruktur der Kommunen auswirken können.
Straßenbeleuchtung: Die gängigsten Geschäftsmodelle
Viele Kommunen und Betreiber stünden also vor der Herausforderung, die Straßenbeleuchtung technisch neu auszurichten und die hierfür notwendigen Investitionen, die zusätzlich zu den laufenden Aufwendungen für den Betrieb der Straßenbeleuchtungsanlagen aufgebracht werden müssen, zu stemmen.
Die Wahl eines geeigneten Geschäftsmodells für die Organisation der Beleuchtung hänge von vielen Faktoren ab. Die gängigsten Ausgestaltungsvarianten sind laut Ufer und Unruh:
• der Betrieb durch einen Eigenbetrieb (Bauhof, Regiebetrieb etc.)
• die Betriebsführung ohne Veräußerung/Verpachtung der Beleuchtungsanlage
• die Betriebsführung mit Veräußerung/Verpachtung der Anlage
• ein Pacht-/Erwerbsmodell
• Leasing mit Abtretungserklärung
• Verkauf/Verpachtung an Finanzier
• Sale & Lease Back an Finanzier
• Betriebsführung mit oder ohne inkludierte Stromlieferung
Synergien, Wissenstransfer und komplementäre Kompetenzen
Geplant sei nun die starke Marke ILB mit ihren im Schnitt etwas weniger als zehn Mitarbeitenden zu erhalten und Synergien aus der Kooperation auf Augenhöhe heben, betont Olaf Unruh. Zuvorderst sehe man hier die Möglichkeit, Wissen zu teilen und in Kundenprojekten auch Beratungskapazitäten gemeinsam zu nutzen. In den vergangenen Jahren habe ILB kapazitätsbedingt nicht alle Kundenanfragen bedienen können.
Hier helfe der Zugang zu weiteren Beratern bei BET. Inhaltlich könne BET die stärker ausgeprägten Kenntnisse bei der Modellierung von Geschäftsmodellen, zur kaufmännischen Bewertung sowie Begleitung von Eigentumsübergängen (Transaktionen) beisteuern, während ILB mit Kompetenz und langjähriger Erfahrung bei der vergabekonformen Umsetzung (insbesondere aus kommunaler Sicht) dieser Modelle unterstützen kann. Ziel sei eine gesamthafte und umfassende Beratung im Bereich der Beleuchtung.



